Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Agentur für Arbeit’

Okay, okay, ich nehme es zurück. Die Agentur für Arbeit ist hinter den beim ersten Besuch geweckten Erwartungen zurückgeblieben. Weit zurückgeblieben. Die Begegnungen mit meinem Arbeitsvermittler verliefen ganz gut, im ersten Gespräch hat er mir zu verstehen gegeben, dass die Agentur in punkto Arbeitsbeschaffung vermutlich nichts für mich tun könne, da sich die Arbeitgeber in solchen Branchen und Bereichen, in denen ich mich bewege, bei der Suche nach Kompetenz nicht an die Agentur wenden würden. Aha. Also keine Arbeitsvermittlung sondern…?

Was zwischen den Zeilen und durch die Blume klar wird: ich bekomme das Geld und dafür habe ich mir so schnell wie möglich einen Job zu suchen und zwar selber. Dabei darf ich gern auf das weitreichende Informationsangebot der Agentur zurückgreifen. Abgesehen davon, dass ich irgendwo auf der Webseite als Bürgerin und gelegentlich auch als Kundin angesprochen werde, wird der Ductus vor allem im Schriftlichen allmählich härter. Es ist nicht leicht festzumachen, aber dennoch bin ich von einer Absicht überzeugt, wenn bei jedem Kontakt das Gefühl entsteht, dass der Bezug von Arbeitslosengeld eine Gnade ist, die mir bei Ungehorsam schnell entzogen werden kann.

Wenn also die Agentur innerhalb von 3 Wochen nicht in der Lage ist, eine temporäre Abmeldung meinerseits verwaltungstechnisch zu bewältigen, und mir zum Monatsende fälschlicherweise den Gesamtbetrag überweist, dann liegt irgendwie die Schuld doch bei mir. Daher „habe ich …zu erstatten“; und die „überbezahlten Leistungen“, für die die Voraussetzungen weggefallen sind, „werden zurückgefordert“. Wie man halt mit Kundinnen und Bürgerinnen so spricht.

Einen vorläufigen Gipfel habe ich erreicht mit dem Besuch der Veranstaltung „Existenzgründung – Ein Weg aus der Arbeitslosigkeit“. Die beiden Damen, die ich bei meiner Ankunft eindeutig als wartende Teilnehmerinnen identifiziert hatte, präsentierten via PowerPoint nicht viel Neues. Das Gros der vermittelten Information kannte ich bereits von den vorangegangenen Beratungsgesprächen und den darin ausgehändigten Broschüren. Trotzdem hatte mir mein Arbeitsvermittler diese Veranstaltung sehr ans Herz gelegt. Einerseits spiele ich tatsächlich mit dem Gedanken an eine Selbständigkeit, andererseits sind mir in den letzten Wochen wenig brauchbare Stellenanzeigen untergekommen. so dass sich die Quote an Bewerbungen bis zum nächsten Treffen schlecht erfüllen lässt. Wir erinnern uns an die gefühlte Instabilität der gewährten Gnade.

Jedenfalls wurde also so vor sich hin präsentiert, auch Fragen beantwortet, nach Teil 1 folgt Teil 2, es geht jetzt vor allem um die Möglichkeit zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung während der Gründerzeit. Eine Einzahlung von 12 Monaten sichert ein halbes Jahr ALG1, längere Einzahlung entsprechend mehr Bezug. Wenn es denn mit der Selbständigkeit doch nicht so klappen sollte. Ja, auch das war mir bereits vorher zwei-, dreimal sehr empfohlen worden, eventuell auch schon für die temporäre Abmeldung. Der Antrag liegt hier auf meinem Schreibtisch.

Ein Nebensatz lässt dann allerdings aufhorchen: gesichert besteht diese Möglichkeit nur bis 31.12. 2010. Nochmal: 2010? Eine Frau fragt nach: verstünde sie richtig, dass, sollte sie jetzt beginnen, Beiträge in die freiwillige Arbeitslosenversicherung einzuzahlen und sollte die gegenwärtige Regierung im Laufe des Jahres beschließen, diese Möglichkeit nicht über die bisherige Frist zu verlängern, die eingezahlten neun Monatsbeiträge noch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld erzielen und sozusagen verloren sind? Nein, nein, wenn man in den nächsten zwei Jahren wieder abhängig beschäftigt ist, dann werden die 9 Monate mitgerechnet. Und wenn ich nach zweieinhalb Jahren die Selbständigkeit beenden muss und auf die Schnelle keinen Job in Anhängigkeit finde?

Ja, dann ist es weg, das Geld. Aber das sei ja bei vielen Versicherungen so. Also sie selbst zum Beispiel zahle seit Jahr und Tag hunderte von Euros in eine KfZ-Versicherung, aber ihr Auto sei nie geklaut worden und auch sonst ist nichts passiert. Diese Beiträge sind schließlich auch weg.

Schuld ist der Gesetzgeber. Spätestens jetzt frage ich mich, warum diese Frau einen Job hat und viele andere hier nicht. Mit Kompetenz hat es jedenfalls nichts zu tun. Ich bleibe, obwohl ich mich mehr als vergackeiert fühle. Ich will wissen, was es mit den angekündigten Unternehmensberatern auf sich hat. Das dauert nicht lange, denn viel mehr hat die Agentur nicht zu sagen.

Weil, die kommt jetzt nämlich von den Unternehmensberatern, die kennen sich da besser aus, die sind da im Gegensatz zur Agentur zuständig und die können das dann noch erklären. Was denn alles? Wo man das beste Existenzgründerseminar bekommt, die Notwendigkeit, ein solches zu besuchen, die Kofinanzierung des professionellen Coachings zur Businessplanerstellung und wer einem die beste Tragfähigkeitsbescheinigung ausstellt. Die anfallenden Kosten von ca. 100 EUR für diese von der Agentur geforderten, von einer weiter nicht hinterfragten fachlich kundigen Stelle auszufüllende Stellungnahme lassen alle der zu dieser Verkaufsveranstaltung anwesenden Unternehmensberater beim Anpreisen ihrer Dienste unter den Tisch fallen. Eine billige Verkaufsveranstaltung mit Menschen, von denen nicht wenige auf kompetente und differenzierte Information und Hilfestellung angewiesen wären.

Read Full Post »

Heute bei der Agentur für Arbeit: ein kurzes, freundliches Abklären der Sachlage am „Empfang“, dann in den dritten Stock: im Wartebereich nicht mal lange genug gesessen, um das Eingangsformular auszufüllen, bevor der eigene Name ertönt. Alles geht zügig, freundlich, kompetent und klar strukturiert, obwohl die mitgebrachten Unterlagen nicht 100% den Anforderungen entsprechen. Was fehlt, kann ich per Email nachschicken.

Mir ist schon klar, das war das erste Mal und nur die vorbereitenden Gespräche. Aber – ich hatte dies nicht erwartet. Nicht angesichts dessen, was ich sonst von Berliner Behörden kenne und nicht von dem, was ich bisher über diese Behörde gehört habe. Ich bin nicht zum Lesen gekommen (verflixt!), bin nicht herablassend behandelt worden und saß keiner überforderten, missmutigen Harpie gegenüber. Mag es tatsächlich so sein, dass die ans karikaturhafte grenzende Darstellung und Wahrnehmung in der gesellschaftlichen Kommunikation nicht nur das Bild der Arbeitssuchenden, sondern auch das der Vermittelnden verzerrt?

Read Full Post »