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Posts Tagged ‘Allgäu’

Die Freundin aus der alteingesessenen Brauereifamilie winkt ab. „Das machen sie doch jetzt alle.“ Na gut, dann ist es halt doch nicht so speziell, wie ich dachte, das Triple vom Schäfflerbräu. Aufgemacht wie ein edler Champagner oder doch zumindest ein vernünftiger Sekt sieht es fesch aus, wie es so im kleinen Laden am Ort präsentiert wird. Der Ladenbesitzer kommt erklärend zu Hilfe. Fruchtig sei es, was ganz Besonderes. Das trinkt man nicht einfach so, sondern mal als Aperitif, oder nach dem Essen. Interessant sei es allemal.

Bei der Bierprobe gab es ein großes Hallo, als die Flasche auf den Tisch kam. So etwas hatte noch keiner der Anwesenden gesehen, geschweige denn probiert. Also doch ein bisschen speziell, das Triple. Ich kann jetzt bestätigen: interessant ist es. Und nein, zum einfach so mal trinken taugt es eher weniger. Ich persönlich muss es gar nicht mehr trinken, die allgemeine Einschätzung war gemischt. Was es genau ist, weiß ich bis heute nicht, nur dass es in der Flasche gärt und mit feinster, selbstgezüchteter Trappistenhefe angesetzt wird. Nun denn.

 

Ein zweites Zwickel haben wir auch getestet, vom Allgäuer Brauhaus. Das Allgäuer Brauhaus besticht durch besonders liebevoll gestaltete Etiketten, urwüchsig-traditionell.

Tatsächlich handelt es sich bei dieser Brauerei mitnichten um einen regionalen Familienbetrieb. Seit seiner Gründung 1911 bereits als Aktiengesellschaft übernimmt das Allgäuer Brauhaus immer mehr regionale Brauereien, 1921 den ortsansässigen Marktführer, die Stiftsbrauerei.

Diese Politik setzt das Unternehmen über die Jahre fort, so dass es im Raum Kempten mehr oder weniger eine Monopolstellung inne zu haben scheint. Mittlerweile gehört es zur Radeberger Gruppe, eine Tatsache, die sich aus der hauseigenen Webseite nicht so leicht herauslesen lässt.

Die Biere sind in Ordnung, das Zwickel kam in der Runde besser an als jenes vom Schäffler, mir hat es speziell das Büble-Bier angetan, obschon ich die Bezeichnung oder vielmehr die eventuell damit verbundene erzieherische Tradition nicht weiter hinterfragen möchte.

Die Vermutung stand im Raum, dass es vielleicht doch als Zeichen der Zugehörigkeit zum großen Allerweltsbierkonzern gerechnet werden könnte, dass alle getesteten Produkte so konsensfähig waren, gefällig durch Gewohnheit, sozusagen. Doch ich muss ja nicht gleich zynisch werden, nur weil die Biere allgemein mundeten.

Das hat übrigens auch das einzige „normale“ Dunkle, das wir probierten. Ich persönlich mag dunkles Bier nicht so gern, außer es ist gut gezapftes Stout. Ich trinke ja auch kein Malzbier. Der Alpkönig Dunkel stammt aus einer anderen nicht mehr so regionalen Brauerei, der Memminger nämlich. Die Vorverkostung eines recht flachen Alpkönig Kellerbieres versprach nicht so recht Gutes. Der Grund, warum die Sorte dennoch Aufnahme in unsere Reihe fand, liegt bei Herrn Hirnbein, auch bekannt als der „Alpkönig“, der weiland die Weitnauer Brauerei gegründet hatte, die wiederum 1986 von den Memmingern aufgekauft wurde.

Carl Hirnbein und das Dunkle

Carl Hirnbein (1807 – 1871) stammte aus dem Ort, wo wir gelegentlich mal Urlaub machen, war Agrarreformer, Hotelbesitzer, Großbauer, Brauherr und was weiß ich noch alles. Ihm ist die Umwandlung des Allgäus vom nicht mehr lukrativen Flachsanbau zur Milchwirtschaft und Käseherstellung zu verdanken. Literarisch wurde er in der 1934 bis 1936 erschienenen Trilogie des dichtenden Priesters Peter Dörfler Alpkönig, Nothelfer und Zwingherr gewürdigt, an die sich in diesem Haushalt bisher trotz aller Faszination mit ihm, der das Allgäu, wie wir es nun kennen, so vehement geprägt hat, noch niemand gewagt hat.

Zur Memminger Brauerei gibt es noch ein bisschen mehr zu erzählen, doch dazu bald.

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Manche Leute lachen mich aus, wenn ich erzähle, dass ich wieder im Allgäu war, Rind kaufen. Also gut, fast alle lachen. Das Amusement basiert häufig auf der als absurd empfundenen Vorstellung einer mit Fleisch gefüllten Tiefkühltruhe in einem Privathaushalt. Viele finden es auch schlichtweg unsinnig, für ein paar Fleischstücke soweit zu fahren. In Brandenburg gibt es doch auch Kühe?

Mein Gott. Natürlich fahre ich nicht für sogar weniger als ein Achtel Rind ins Allgäu. Erstens ist der Löwenanteil (kann man das sagen bei einer Kuh?) für meine Mutter. Sie, die schon seit Jahren dieses Fleisch bezieht, den Bauern kennt und den Jungtieren sommers Jahr für Jahr beim Herumtollen auf der Weide zugesehen hat, braucht kein ganzes Viertel als kleinste zu erstehende Einheit mehr, möchte aber auf die herausragende Qualität und den praktischen Vorrat nicht verzichten.

Ich wiederum nehme die Gelegenheit wahr, ins alte Zuhause zu fahren, Familie tanken, Freunde treffen. Weil ich meine Mutter zum Bauern fahre und mit ihr das Rind hole, habe ich eine herrliche Ausrede dafür, von Berlin ins Allgäu zu fahren für ein bisschen weniger als ein Achtel Rind.

Ich bin gern im Allgäu, meine Begeisterung wächst je älter ich werde. Ich treffe gern diesen Allgäuer Bauern, der auch Musiker ist, mit seiner kritischst von den Nachbarn beäugten Angusrinderzucht. Die Kälber trinken die Milch ihrer Mütter, verbringen das Jahr im großen Stall und auf der Weide: ungespritzt, unbehandelt – Tier und Futter.

Dieses Jahr war die Schlachtzeit noch nicht zu Ende und die hygienischen Bestimmungen nicht mehr so streng. Wir durften den Stall betreten. Ich musste schon schlucken beim Betrachten der Jungtiere. Das ist auch in Ordnung so. Ich esse Fleisch und ich weiß, wo es herkommt. Es schadet nichts, sich das gelegentlich vor Augen zu führen, muss ja nicht im Detail sein.

Der Bauer behandelt seine Rinder mit sehr viel Respekt, er weiß,was er von ihnen bekommt und schätzt sie sehr. Überhaupt wirkt er sehr zufrieden, er lebt gern dort, wo er ist, möchte mit der Großstädterin auf keinen Fall tauschen. Er hat Zeit für einen kleinen Plausch, einen Espresso, die ersten Lebkuchen. Erzählt vom Musikerstammtisch, vom Holz, von seinen Tieren und der guten Qualität des Fleisches. Quasi vegetarisch sei es, veredeltes Gras. Und er isst ihn selber so gern, den Braten ohne Antibiotika und anderem Gift. „Nett isch des“ sagt er immer mal wieder. Ich habe schon schlechtere Standardsätze gehört.

Aber nein, ich würde für ein paar Stücke Fleisch nicht durch die ganze Republik fahren. Echt nicht.

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