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Posts Tagged ‘Allgäuer Bier’

Zurück zu Wichtigerem, zum Beispiel zum wirklich feinen, würzig-kräftigen Holzar des Hirschbräu, Privatbrauerei Höss aus Sonthofen. Auch hier besticht die Aufmachung.

Das Bier nach Urväter Art sei anno dazumal vor allem für die Zunft der Holzleute gebraut worden, für kernige Mannsbilder sozusagen. Es leuchtet wie dunkler Bernstein und es schmeckt. Begeisternd. Auch wenn man kein kerniges Mannsbild ist und mit Holzmachen nicht viel am Hut hat. Das Hirschbräu blickt auf eine 350-jährige Geschichte zurück, und es mutet sympathisch und trotz der volkstümlichen Etiketten unprätentiös an. Der Doppelhirsch war wieder nicht so nach meinem Geschmack, noch dunkler, noch süßer, noch intensiver malzig als der vorhergehende dunkle Alpkönig, kam aber erneut gut an bei den Liebhaberinnen dieser Biersorte.

Ein wenig untergegangen ist das Festbier der LZötler Brauerei. Ein Märzenbier, das nur in den Wintermonaten ausgegeben wird, schmeckte es den meisten Anwesenden zu bayrisch, was ich frei deute als zu wenig herb, zu süßlich.

Dabei verdiente, glaube ich auch dieses Brauhaus ein bisschen mehr Aufmerksamkeit. Immerhin handelt es sich bei dem in Rettenberg bei Sonthofen gelegenen Unternehmen um die wohl älteste Privatbrauerei Deutschlands. Ob das nun stimmt oder nicht, ist egal. Alt ist sie, traditionell und geführt wird sie immer noch von der Familie Zötler selbst.

Von hier kommt übrigens das einzige Bier, das es nicht in die Versuchsreihe geschafft hat, was daran liegt, dass das Interesse am dunklen Bier sich zu später Stunde in Grenzen hielt.
Im Nachhinein muss ich sagen schade, denn das Korbinian macht der Brauerei alle Ehre, ich jedenfalls mochte es gern.

Das letzte Bier, das wieder aus dem Rahmen fällt, weil es aus dem Westallgäu kommt, ist das Clemens von der Härle-Brauerei aus Leutkirch. Ehrlich gesagt, das ungefilterte Bier hatte es uns wiederum wegen der Aufmachung angetan. Die Bewertung fiel eher mittelmäßig aus, vor allem im Vergleich zu den anderen naturtrüben Bieren. Aber das ist ja nun mal Geschmackssache.

Die Brauerei selbst scheint mir so interessant, dass ich gern noch andere Sorten probieren würde, so fern ich an sie herankomme. Vertriebspolitik ist nämlich, die Biere tatsächlich regional anzubieten, d.h. in einem Radius von ca. 50km. Das passt gut zu der Information eines aufmerksamen Mitbloggers, dass die Brauerei klimaneutral wirtschaftet. Abgesehen davon blickt das kleine, ungewöhnlich wirkende Unternehmen auf eine spannende Geschichte zurück. In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts erlernen gleich vier von dreizehn Kindern einer Bauernfamilie aus Kirchdorf an der Iller den Beruf des Brauers und Mälzers. Alle vier übernahmen Brauereien, in verschiedenen Teilen des Allgäus und einer sogar am Rheinufer in der Nähe von Freiburg.

Randnotiz: Über das heute im Portfolio des Allgäuer Brauhaus befindliche Teutsch Pilsener oder Teutsch Pils, wie es heute heißt, gibt es zwei verschiedene Darstellungen: während die Webseiten der Härle-Brauerei das Bier eindeutig dem ältesten der Brüder, Heinrich, in der Gräflich-Königsegg’sche Brauerei zuschreibt, von wo es dann in der 30er Jahren verkauft worden sei, lässt sich beim Allgäuer Brauhaus lesen:

Richard Härle gilt als einer der ersten Brauer in Deutschland, der 1901 ein hopfig-herbes Pils herstellt und dieses unter dem Namen Teutsch Pils mit Hapag-Dampfern über alle Meere schickt. Es wird sogar an Bord des berühmten Zeppelins serviert.

Auf Wikipedia ist sogar davon die Rede, dass Richard Härle Braumeister beim Allgäuer Brauhaus war, während ein Richard auf den Härle-Seiten gar nicht erwähnt ist. Die Brüder heißen Heinrich, Fridolin, Reinhard und Clemens. Und letzterer gründete die Brauerei in Leutkirch, die heute von seinem Urenkel geleitet wird. Für beide Brauereien gilt natürlich, dass sie in erster Linie im Brauwesen Kompetenz zeigen müssen und ihnen das auch gelingt. Ahnenforschung kann da wirklich zweitrangig behandelt werden. Zumal ich ja finde, eine gute Geschichte muss nicht immer wahr sein.

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Die Freundin aus der alteingesessenen Brauereifamilie winkt ab. „Das machen sie doch jetzt alle.“ Na gut, dann ist es halt doch nicht so speziell, wie ich dachte, das Triple vom Schäfflerbräu. Aufgemacht wie ein edler Champagner oder doch zumindest ein vernünftiger Sekt sieht es fesch aus, wie es so im kleinen Laden am Ort präsentiert wird. Der Ladenbesitzer kommt erklärend zu Hilfe. Fruchtig sei es, was ganz Besonderes. Das trinkt man nicht einfach so, sondern mal als Aperitif, oder nach dem Essen. Interessant sei es allemal.

Bei der Bierprobe gab es ein großes Hallo, als die Flasche auf den Tisch kam. So etwas hatte noch keiner der Anwesenden gesehen, geschweige denn probiert. Also doch ein bisschen speziell, das Triple. Ich kann jetzt bestätigen: interessant ist es. Und nein, zum einfach so mal trinken taugt es eher weniger. Ich persönlich muss es gar nicht mehr trinken, die allgemeine Einschätzung war gemischt. Was es genau ist, weiß ich bis heute nicht, nur dass es in der Flasche gärt und mit feinster, selbstgezüchteter Trappistenhefe angesetzt wird. Nun denn.

 

Ein zweites Zwickel haben wir auch getestet, vom Allgäuer Brauhaus. Das Allgäuer Brauhaus besticht durch besonders liebevoll gestaltete Etiketten, urwüchsig-traditionell.

Tatsächlich handelt es sich bei dieser Brauerei mitnichten um einen regionalen Familienbetrieb. Seit seiner Gründung 1911 bereits als Aktiengesellschaft übernimmt das Allgäuer Brauhaus immer mehr regionale Brauereien, 1921 den ortsansässigen Marktführer, die Stiftsbrauerei.

Diese Politik setzt das Unternehmen über die Jahre fort, so dass es im Raum Kempten mehr oder weniger eine Monopolstellung inne zu haben scheint. Mittlerweile gehört es zur Radeberger Gruppe, eine Tatsache, die sich aus der hauseigenen Webseite nicht so leicht herauslesen lässt.

Die Biere sind in Ordnung, das Zwickel kam in der Runde besser an als jenes vom Schäffler, mir hat es speziell das Büble-Bier angetan, obschon ich die Bezeichnung oder vielmehr die eventuell damit verbundene erzieherische Tradition nicht weiter hinterfragen möchte.

Die Vermutung stand im Raum, dass es vielleicht doch als Zeichen der Zugehörigkeit zum großen Allerweltsbierkonzern gerechnet werden könnte, dass alle getesteten Produkte so konsensfähig waren, gefällig durch Gewohnheit, sozusagen. Doch ich muss ja nicht gleich zynisch werden, nur weil die Biere allgemein mundeten.

Das hat übrigens auch das einzige „normale“ Dunkle, das wir probierten. Ich persönlich mag dunkles Bier nicht so gern, außer es ist gut gezapftes Stout. Ich trinke ja auch kein Malzbier. Der Alpkönig Dunkel stammt aus einer anderen nicht mehr so regionalen Brauerei, der Memminger nämlich. Die Vorverkostung eines recht flachen Alpkönig Kellerbieres versprach nicht so recht Gutes. Der Grund, warum die Sorte dennoch Aufnahme in unsere Reihe fand, liegt bei Herrn Hirnbein, auch bekannt als der „Alpkönig“, der weiland die Weitnauer Brauerei gegründet hatte, die wiederum 1986 von den Memmingern aufgekauft wurde.

Carl Hirnbein und das Dunkle

Carl Hirnbein (1807 – 1871) stammte aus dem Ort, wo wir gelegentlich mal Urlaub machen, war Agrarreformer, Hotelbesitzer, Großbauer, Brauherr und was weiß ich noch alles. Ihm ist die Umwandlung des Allgäus vom nicht mehr lukrativen Flachsanbau zur Milchwirtschaft und Käseherstellung zu verdanken. Literarisch wurde er in der 1934 bis 1936 erschienenen Trilogie des dichtenden Priesters Peter Dörfler Alpkönig, Nothelfer und Zwingherr gewürdigt, an die sich in diesem Haushalt bisher trotz aller Faszination mit ihm, der das Allgäu, wie wir es nun kennen, so vehement geprägt hat, noch niemand gewagt hat.

Zur Memminger Brauerei gibt es noch ein bisschen mehr zu erzählen, doch dazu bald.

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Meine erste Weinprobe fand vor vielen Jahren unter der Würzburger Residenz statt: in einem historischen Kellergewölbe mit riesigen Fässern beim Schein der in Bocksbeutel aufgestellten Kerzen. Die anwesenden, erfahrenen Weinprober hatten allerlei deftige Brotzeit dabei, an der sie uns großzügig teilhaben ließen. So inspiriert und angenehm betüdelt habe ich selten eine Veranstaltung verlassen.

Bei der Eröffnungsrede

Um so etwas selbst durchzuführen, fehlt es mir an Expertise, daher bin ich für einen gegebenen Anlass darauf verfallen, stattdessen eine Bierprobe durchzuführen. Nicht, dass ich mich mit Bier so viel besser auskenne, aber mangels professioneller Vorlage schien mir mein laienhaftes Vorgehen mit netten Geschichten und extraordinären Etiketten leichter zu entschuldigen.

Im Endeffekt haben Auswahl und Vorbereitung Spaß gemacht und es wurde ein außerordentlich lustiger Abend. Konzentriert hatten wir uns auf Biere aus dem Allgäu, weil diese selbst in der Hauptstadt schwer bis gar nicht zu bekommen sind, es sich um ein einigermaßen überschaubares Gebiet handelt, und wir dort wie so oft gerade erst unseren Winterurlaub verbracht hatten, und so die Versuchsobjekte eigenhändig aussuchen und in die Hauptstadt transportieren konnten.

Zugegeben, bei der Auswahl hat es uns ein wenig mitgerissen, jedenfalls brachten wir am Ende 13 Sorten mit nach Hause, obwohl wir auf Weizenbiere komplett verzichtet hatten. In Kleinstmengen ausgeschenkt haben wir tatsächlich 12 davon verkostet.

Wie gemalt

Um eine ausreichende Unterlage für doch einiges an Bier zu schaffen, hatten unsere Gäste wunderbares Brot und feine Biobutter mitgebracht, einen Obatzten und einen mediterran eingelegten Harzer, der nicht nur ungewöhnlich war, sondern entgegen der Befürchtung der dafür verantwortlichen Freundin auch hervorragend geschmeckt hat. Diverse Allgäuer und Augsburger Wurstwaren haben wir selbst beigesteuert ebenso wie meinen geliebten Bergkäse verschiedenen Alters von der besten Käserei, die ich kenne.

Doch zurück zur Hauptsache, den Bieren. Der geliebte Mann wollte sich eigentlich auf das Oberallgäu beschränken, aber das hätte mir nicht erlaubt, die Lieblingsbrauerei meines Vaters mit vorzustellen, das Meckatzer Löwenbräu aus dem Westallgäu. Obwohl mein Vater Weizen trank oder Helles und kein Pils, konnte ich so insgeheim einen Schluck auf sein Andenken trinken. Davon abgesehen hätte ich dann weder Gelegenheit gehabt, das meiner Meinung nach außergewöhnlichste und dabei sehr gelungene Etikettendesign zu präsentieren noch das Lena-Weiss-Lied. Hier handelt es sich um eine dem bayrischen Tanz „Zwiefacher“ nachempfundene Unternehmenshymne, die auf die zumal für die damalige Zeit sehr eigenständige und tatkräftige Unternehmensgründerin zurückgeht. Auch wenn das Lied gerade in anderen Teilen Deutschlands eher belustigend anmutet, ist es doch nicht der schlechteste Mythos, um darauf eine Unternehmensphilosophie zu gründen, in der gesellschaftliche Verantwortung einen festen Anteil hat.

Schäfflertanz - Silber auf Schwarz

Herausgestellt hat sich dann noch, dass die einzige andere anwesende Bayerin den Zwiefachen sogar tanzen kann, auf eine Kostprobe davon mussten wir allerdings verzichten. Ihr wie auch den anderen vorwiegend norddeutschen und preussischen Gästen hat das Pils gut gefallen, besser jedenfalls als das der kleinen regionalen Brauerei Schäfflerbräu in Missen, das durchweg als zu bayrisch, zu wenig Pils empfunden wurde. Von derselben Brauerei kommt ein anderes Lieblingsbier meines Vaters und des geliebten Mannes, das Zwickl.

Zwickelbier ist die generelle Bezeichnung für ein ungefiltertes naturtrübes Bier. Das habe ich gelernt, als ich in einer Berliner Kneipe an der Tafel Zwickel angeboten sah und mich sofort begeistert wähnte, eine Quelle für das Allgäuer Bier aufgetan zu haben. Ich wurde schnell eines Besseren belehrt, es handelte sich ein naturtrübes Saisonbier der ortsansässigen Lemke-Brauerei. Sicher auch nicht schlecht, aber halt kein Schäfflerbräu.

Eine Fortsetzung wird folgen.

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Freitag abend in einer sehr feinen Runde eine Allgäuerbierprobe abgehalten. Bericht mit Fotos folgt. Die große Tochter erzählt beim Frühstück, dass sie davon geträumt hat. Kein pädagogisches Highlight, aber ein schöner Abend.

Am Samstag sehr lebhaften Anderthalbjährigen der Freundin gehütet. Er brachte meine Dreijährige auf Ideen. Alle Stühle und Beistelltische waren verschoben, meist Richtung Essbares. Nur einmal vom Hüpfpferd gekippt. Nebenher Gegendemos in Dresden verfolgt. Der Nazi-Aufmarsch wurde verhindert, und die Presse beschäftigt sich mit den linksautonomen Randalierern. War und ist Gewalt nötig oder haben sich nur einige Leute mit zu niedriger Aggressionsschwelle inhaltlich für die richtige Seite entschieden? Allerorts ist von Überforderung und Unterbesetzung auf seiten der Polizei zu lesen. Wäre das Wissen darum, dass man nicht genug und nicht genug erfahrene Polizisten für solch eine Veranstaltung aufbieten kann, nicht ein Grund, Naziveranstaltungen – zumal mehrere gleichzeitig am selben Ort – nicht stattfinden zu lassen?

Sonntag vormittag mit der Großen in der Ausstellung Else Lasker-Schüler. Bilder im Hamburger Bahnhof. 10 Minuten vor Öffnung da zu sein passiert mir selten. Mit uns warteten erstaunlich viele mittelalte bis ältere gutgekleidete Damen. Ich bin sehr beeindruckt von der Künstlerin, habe mich aber in erster Linie wieder an ihre Gedichte erinnert. Jetzt denke ich darüber nach, inwieweit sie doch zur klassischen Moderne gehört, was ein guter Freund verneint, und ob ihre Kunst für heutige Maßstäbe ‚gefällig‘ ist, wie derselbe gute Freund anmerkte. Ihre Biographie fesselt mich, obgleich ich nichts davon halte, sie zur Grundlage für das Verständnis ihrer Kunst zu machen. Danach ein Kaffee im „Sarah Wiener im Hamburger Bahnhof“. Schönes kaffeehausgleiches Ambiente, aufmerksamer, flinker, freundlicher Service, leider schmeckte der Milchkaffee nicht.

Nach Rinderbraten (Bräter in seiner vorgesehenen Funktion eingeweiht) mit Schupfnudeln (nicht schlecht fürs erste Mal) und Blaukraut (vom letzten Mal noch aus der Tiefkühle geholt) das, was dann kommen muss: Wann hat das eigentlich angefangen, diese Fixierung auf den Tatort als einzig mögliche Sonntagsabendbeschäftigung? In dem Ausmaß, dass Telefonanrufe unabgehoben an uns vorübergehen und beim Abendessen immer die bang-unterschwellig-aggressive Fragestellung im Raum steht: wer bringt die kleine Tochter ins Bett – und verpasst damit vermutlich mindestens den Anfang? Die strategische Planung geht soweit, dass wir uns ums Essenkochen am Sonntagabend reissen, denn wer kocht, muss zwar nach dem Hauptprogramm die Küche putzen, darf aber um 20:15 pünktlich vor der eingeschalteten Glotze sitzen. Es lohnt sich in den seltensten Fällen. Gestern zum Beispiel war Schrott, und ich behaupte, das liegt nicht nur an den völlig unglaubwürdigen Kommissarsdarstellern Thomalla und Wuttke, auch wenn manche Leute mir den Regisseur Buddy Giovinazzo als Kult verkaufen wollen.

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