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Posts Tagged ‘alte Liebe’

So ganz komme ich nicht los davon, von diesem Qype. Das liegt einerseits an zugegeben nur noch wenigen Leuten, andererseits aber an der monatlichen Qype City Nacht, die so oft einen angenehmen und lebendigen Abend verspricht.

Ich war sehr gespannt. Das bin ich vor einer QCN natürlich immer, ich weiß ja nie, was sie mir bringen wird. Werden die Gespräche an der Oberfläche plätschern oder neue Gedanken mit nach Hause nehmen lassen? Wird die Mischung der Anwesenden eher Leichtigkeit und Witz bergen oder liegen zähe Stunden vor mir? Keine Ahnung, wie ich darauf komme – langweilig waren bisher die wenigsten QCNs. Während sehr wohl der ein oder andere kulinarische Reinfall dabei war.

In diesem Fall war ich nun aber besonders gespannt auf den kulinarischen Part, da ich mich ja auf vertrautes, aber lang zurückliegendes, ja schon beinahe nostalgisches Terrain begab: Russischen Hering im Pelz habe ich zuletzt wohl vor 15, 16 Jahren gegessen.

Die Frage stellt sich: kann irgendetwas überhaupt irgendwo jemals wieder so schmecken wie damals zu der Zeit meines Uniaufenthaltes in der südsibirischen Stadt Barnaul? (Wie, kennen Sie nicht? Ist doch die Hauptstadt des Regierungsbezirks Altai mit mindestens 750.000 Einwohnern.) In einem russischen Restaurant in Wilmersdorf, das in erster Linie für sein Frühstück berühmt ist?

Ja, ja, die legendären russischen Brunchbuffets…So sehr ich mich auch zu erinnern versuche, viel fällt mir zum russischen Frühstück nicht ein, außer, dass es keine Scheu gab, auch jene Mahlzeit als eine warme zu sich zu nehmen. Mit dem Berliner Phänomen des ausgedehntesten SonntagvormittagbisfrühenAbendgelage hatte es aber nichts zu tun. Jedenfalls nicht in Barnaul.

Worauf will ich hinaus? Der Hering im Pelz war einer der köstlichsten, den ich jemals gegessen habe. Die Kombination aus Kartoffeln, Gemüse, Dill, Rote Bete und Mayonnaise hat selten so perfekt zusammengespielt. Die Pelmenji waren selbstgemacht, der Teig nicht zu weich und nicht zu hart, ein zarter Geschmack unterstützt von der schmelzig-säuerlichen Smetana.

Die Portionen waren nicht groß, was zwar unüblich ist für die russische Küche, es dafür aber erlaubt, mindestens Vor- und Hauptspeise zu sich zu nehmen. Ich mag das.

Russisch fand ich hingegen die Kellnerin: sehr schön, ein wenig streng und ein wenig genervt. Ab irgendeinem Zeitpunkt ist sie am hinteren Ende des Tisches gar nicht mehr erschienen. Entweder war es schon Teil der Hinauskomplimentierens oder sie ist einfach nicht mehr von einem oder zwei der besonders angetanen männlichen Mitqypern losgekommen, ich kann es nicht sagen.

Gestört hat es mich insofern nicht, weil ich den ganzen Abend über außerordentlich charmante und interessante Tisch- nachbarn hatte, deren spannende Erzählungen und Berichte mir bei einem weniger leckeren Essen wieder einmal nicht erlaubt hätten, der gastronomischen Seite des Abends viel Aufmerksamkeit zu schenken. Wie ich es halt kenne von fast den meisten QCNs in Berlin. Deshalb gehe ich ja auch jedesmal wieder hin.

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