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Posts Tagged ‘Antisemitismus’

Unsere neue Staffel mit neuem Auswahlsystem hat begonnen. Und wie erwartet, hat der Mann keine Massenware geboten, keinen Mainstream, zumindest nicht, was den Bekanntheitsgrad des Films hierzulande angeht.

Le Chant des Mariées (The Wedding Song) handelt von der selbstverständlichen Freundschaft zwischen einem arabischen und einem jüdischen Mädchen 1942 in Tunesien und dem Verlust dieser Selbstverständlichkeit. Es bestehen Vorurteile und Ablehnung auf beiden Seiten in der Gesellschaft, das scheint zum Alltag zu gehören und alle leben halt so damit.

Zu hervorragendem Brennmaterial wird das Ganze als von den deutschen nationalsozialistischen Besatzern Hass und Gewalt gegen die jüdische Bevölkerung geschürt werden. Die Freundschaft wird in Frage gestellt, die jeweiligen Verlobten stehen für die Ablehnung des jeweils anderen, für die damit verbundenen Stereotypen und für Kollaboration und Verrat.

Die Machart des Filmes ist keine ungewöhnliche – insofern dann doch wieder Mainstream -, der liebe Freund fand ihn teilweise zu prätenziös oder gewollt an manchen Stellen, nicht zuletzt mit Blick auf die Verwendung von Nina Hagen-Songs.

In einer detaillierten Analyse würde vielleicht noch so manche Schwäche erkannt werden, aber wozu? Der Film hält hervorragend die Spannung, ohne dass viel geschehen muss. Er handelt von einem konkreten historischen Thema, von dem ich nicht viel Ahnung habe – der nationalsozialistische Einfluss in Nordafrika und der Kollaboration von Antisemiten verschiedenster Coleur ebenso wie von der Geschichte Tunesiens, von der ich auch so gut wie gar nichts weiß. Gleichzeitig berührt er ein universelles Thema, die nicht auf Islam und Judentum beschränkte Schwierigkeit einer multikulturellen, multireligiösen, multinationalen Gesellschaft und den innewohnenden Dynamiken, Beziehungen und daraus entstehenden Konflikten.

Ich würde sagen: es ist ein guter Film, ein interessanter Film und ich freue mich, ihn gesehen zu haben. Nächste Woche bin ich dran. Zum selben Motto.

Beim Essen ist der Frühling in unsere Küche gezogen. Es gab Pasta mit Erbsen und Artischoken aus einem meiner neuen Lieblingskochbücher. Doch darum muss es woanders gehen, sonst wird es der Worte zu viel.

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Jetzt weiß sicher, dass so ein Blog zu etwas gut ist: gestern durfte ich einen der besten Filme seit langem sehen, und das verdanke ich zwei Kommentatorinnen zu meinen Dienstag abend-Beiträgen. „Alles ist erleuchtet“ ist urkomisch, intelligent, skurril, zärtlich, liebevoll und tieftraurig. Mich hat er erinnert an den frühen Jim Jarmusch und Emir Kusturica.

Nicht gerade ein Schenkelklopfer, aber dabei habe ich festgestellt, das muss auch gar nicht sein. Der Film verankert die grausame Geschichte eines ukrainischen Schtetls im Hier und Jetzt des nach den Wurzeln seiner Familie suchenden, etwas verschrobenen, sehr großstadtamerikanischen Intellektuellen, Vegetarier, Sammler, Schriftsteller, Jude.

Und wieder einmal stelle ich fest: richtig großes Kino ist für mich, wenn alle Register gezogen werden, wenn die Welt voller Sprünge ist, bunt und nicht schwarz-weiß, und wenn sich ein gewichtiges Thema über sensiblen Witz erschließt. Wunderbar.

Hört jetzt bloß nicht auf mit den Kommentaren. Das nächste Mal bin ich dran, auf der Suche nach der Frau: Cherchez la Femme – wörtlich oder übertragen. Ich habe einige Ideen und bin gespannt auf die Euren.

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