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Posts Tagged ‘Berlin’

In meiner Erfahrung gibt es drei Arten von Chören, mal grob gesagt:

Da sind einmal diejenigen, oft pop- oder jazzorientiert, die singen Stücke, die ursprünglich nicht für einen Chor konzipiert wurden. Das macht Spaß, wie ich selbst weiß, weil ich das schon mehrmals in meinem Leben praktiziert habe.

Zum Zuhören sind sie oft – nun ja, nett. Nur nett, denn man merkt dem Stück an, dass es nicht für diese Verwendung gedacht war und, ehrlich gesagt, außer dem Spaß für die Sänger wird manchmal denjenigen, die zuhören, nicht ganz klar, was sie davon haben, das nun von einem Chor gesungen zu bekommen.

Dann gibt es die klassische Variante, Chöre, die meist in einem Bereich zugange sind, den ich hauptsächlich der Kirchenmusik zuordnen würde. Das geht von ganz Klassischem zu sehr Abseitigem, und wenn der Chor ein qualitativ guter ist, dann ist das oft sehr schön, die Stücke in der richtigen „Instrumentierung“ zu erleben, das passt dann.

Und dann weiß ich seit gut einem Jahr, seit einer Chorkonzertnacht im Radialsystem, die so leider dieses Jahr nicht wiederholt wurde, dass es auch solche Ensembles gibt, bei denen ist es völlig egal, wofür und von wem das Stück geschrieben und arrangiert wurde. Die machen daraus ein Chorstück, Ihr eigenes, etwas, das nur eine Vielzahl von Stimmen so schön und so gelungen und so perfekt darbieten kann. Geräusche, Dissonanzen, Stille, Improvisation spielen häufig eine Rolle. Der Raum wird genutzt, das Publikum oder der Dialog mit anderem Gesang oder Instrumenten. Manchmal ist es auch die spezielle Präsentation, die die Lieder in dieser Art dargebracht zu etwas Besonderem werden lässt.

Wer sich vor allem von der zweiten und dritten Kategorie angesprochen fühlt, der sollte die Konzerte der Sonntagskonzertreihe des Chorverbandes im Kammermusiksaal der Philharmonie einmal besuchen, diese Gelegenheit besteht dieses Jahr noch drei Sonntagnachmittage um vier, ab Januar 2016 hoffentlich wieder sechsmal, auch als Abonnement zu 2,3,4,5 oder 6 Konzerten erhältlich. Doch schon der Einzelpreis ist mit 10 Euro für die beste Kategorie mehr als fair für diese Qualität.

Ich war letztes Jahr schon mal da und gestern wieder und das Einzige, was ich sehr schade fand, waren die nicht vollständig gefüllten Reihen, denn das hätten alle drei Chöre mit ihren hervorragenden Sängern, Sängerinnen und sonstigen Verantwortlichen mehr als verdient. Berlin verpasst da was und ich verstehe nicht wieso. Sonst ist es doch auch überall dabei…

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Yes!! Er hat es getan! Der liebe Freund hat ihn gezeigt, den ultimativen, nein, also gut, einen der ultimativen Engel-Filme. Und ich hatte Angst, das wird nichts, weil zu offenichtlich, nicht herausfordernd genug. Aber er passt nun mal zu gut.

Auch zu uns: 3 WahlberlinerInnen, die sich kaum noch etwas anderes vorstellen können. Als verspätete Filmabend-Hommage an Otto Sander. Und es wäre auch erst der dritte Film dieses Filmemachers…

Richtig. Wir haben gestern Wim Wenders‘ Der Himmel über Berlin gesehen, mit Otto Sander und Bruno Ganz als Engel. Mit Peter Falk als er selbst. Oder so. Mit Solveig Dommartin als Artistin und Curt Bois als Homer. Dass es klappte hatten wir der Tatsache zu verdanken, dass es sich bei diesem Film um eines der ganz seltenen Schwarzen Löcher in der virtuellen Filmdatenbank des lieben Freundes handelte: er hatte ihn nie gesehen. Schon lang stand an, diese Wissenslücke zu füllen, und die Gelegenheit war überaus günstig.

Danach waren wir uns alle drei einigermaßen einig, wenn auch in unterschiedlichen Nuancen. Der geliebte Mann liebt diesen Film, für ihn ist er poetisch, er lässt nicht viel über ihn kommen, deutet aber auch an, dass die leichte Geschwätzigkeit, die in etwas manierierten Mono- und Dialogen zum Ausdruck kommt, dem Stil seiner Zeit (die 80er) ebenso wie dem französischen Teil der Kooperation (meine Rede!) geschuldet sein mag und ein bisschen Kürzung vertragen hätte.

Wir stimmen zu, sind ein wenig kritischer. Es fiel der Kommentar „ein wenig verquast“ und dass es gelegentlich so schien, dass der Regisseur den Bildern zu wenig vertraute und ein bisschen zu viel durch unnötiges Gerede unterstreichen wollte. Beide Herren waren hoch erfreut und ganz schön tief angerührt von Zeit und Raum, die der Film entstehen lässt, nämlich ‚ihr‘ Westberlin der 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts – ein Teil ihrer eigenen Geschichte.

Der liebe Freund und ich finden das Ende enttäuschend, welches Sinnstiftung in letzter Konsequenz allein dem Liebesgeschehen zwischen Mann und Frau zuschreibt und damit die im Film angedachte Breite an möglichen Lebensentwürfen am Schluss unnötig verengt. Außerdem finde ich Solveig Dommartin eh die schwächste Figur im Film; ihr Monolog am Ende langweilt mich und geht mir auf die Nerven. Schluss wäre besser ein paar Szenen früher gewesen, doch sonst – und hier sind wir uns vielleicht doch völlig einig – ist es tatsächlich immer noch einer der besten und unbedingt sehenswert.

Da passte auch das Essen: eine gelungene Gemüsetarte mit Butterblätterteig, Brokkoli, Erbsen, einer Möhre, einer halben roten und einer halben orangen Paprika, Fenchel (vorher mit angeschwitzen Zwiebelwürfelchen und Knoblauch ein bisschen in Olivenöl und wenig Gemüsebrühe angedünstet) mit einem Guss aus 3 Eiern, 100 ml Sahne, 150 ml saure Sahne, 75 g Kaschkawal (hier vielleicht lieber kräftigen Bergkäse), Tomatenmark, Salz, Pfeffer, Fenchelgrün und Thymian. Dazu Blattsalat.

Und danach zum Seelestreicheln, Reinlegen, Glücklichwerden: Eton Mess (grundsätzlich so wie hier oder hier) mit Orangenfilets und Erdbeersauce. 100% gute Sahne. Alle (sic!) wollten Nachschlag, den es nicht gab. Man muss sich auch mal was trauen.

Der Mann zeigt nach dem Urlaub was zum Thema „Im Leben angekommen“. Das ist nicht so schwer, wirklich nicht.

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…auf die ich mich besonders freue:

Die aserbeidschanisch-deutsche Koproduktion „Die Schaukel des Sargmachers.“ Schon allein wegen des Titels

Drei Animationsfilme aus drei verschiedenen Ländern, die sich mit Nationalsozialismus beschäftigen: „Dresden“ aus den USA, „Andersartig“ aus Deutschland und „Witness No. 501“ aus Schweden. „Dresden“ ist übrigens von Tahnee Gehm, deren Animation „Can we be happy now“ letztes Jahr auf dem REC lief.

Eine Dokumentation über nächtliche Müllentsorgung in der Stadt, die niemals schläft: „We pick it up“.

Erfahrungsgemäß ist es der Rest auch wert, dass ich die nächsten drei Abende in der Weissen Rose verbringe.

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Ab morgen ist wieder REC in Berlin. Das von der Öffentlichkeit zu Unrecht vernachlässigte Filmfestival, auf dem von Mittwoch bis Samstag Filme nicht unbedingt nur für 6-27-jährige, aber ausschließlich von 6-27-jährigen gezeigt werden, wegen der großen Altersspanne in zwei Sektionen.

Im REC for Kids laufen die Werke der 6 bis 15-jährigen an den Vormittagen von 9-13 Uhr mit medienpädagogischer Moderation, das REC – Junges Internationales Filmfestival findet dann jeweils an den Abenden statt, am Mittwoch ab 18 Uhr, Donnerstag und Freitag ab 19 Uhr – mit Filmen und kurzem Juryfeedback zwischen den Blöcken. Einsteigen kann man jederzeit, weil es sich um eher kürzere Filme in zwei 1 1/2 stündigen Einheiten handelt, und es macht auch Spaß, im schönen Foyer der Weissen Rose noch ein Glas Wein oder eine Bionade zu trinken, während man auf den Beginn des nächsten (Kurz-)films wartet.

Dort kann man sich auch ein bisschen mit den Machern des Festivals unterhalten, vielleicht auch mit dem einen oder der anderen angereisten Filmemacher/in oder einem der Jurymitglieder aus den verschiedensten Bereichen des Films und der Medienpädagogik. Denn ausgezeichnet werden die besten Filme, gestaffelt nach Altersgruppen, auch. Oder nominiert für andere internationale Nachwuchsfestivals. Oder sie bekommen vom Dokumentarfilmfestival in Leipzig den DOK-Clip verliehen.

Die Preisverleihung ist am Samstagnachmittag, nach der Vorführung von Axel Ranischs „Reuber“ – auf den ich mich ganz besonders freue – und dem Familienprogramm, einer Auswahl aus den Filmen der vorhergehenden Tage.

Das genaue Programm findet sich hier, mehr Informationen hier, den Katalog gibt es vor Ort.

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Winter in Berlin

Kurz bevor wir uns unsere jährliche Dosis – hoffentlich – echten Winter im Allgäu abholen, ein paar Impressionen vom Winter in der großen Stadt. Kurz. Aber nicht schlecht.

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Kommenden Montag gehe ich ins Konzert. Und ins Kino. Pippo Pollina weilt in Berlin. Schon als Teenager hatte ich die Tendenz, mir die Bands immer wieder anzusehen. Über die damalige Auswahl schweige ich mich lieber aus, oft habe ich es auch nur zwei- oder dreimal geschafft, da ich sie erst entdeckt hatt,e als ihr Stern bereits im Sinken begriffen war. Gelegentlich auch fast nicht mehr zu sehen. Pippo Pollina habe ich nun schon viermal gesehen und gehört und von Sinken kann bei diesem Stern keine Rede sein.

Unter anderem liegt es sicher daran, dass Pippo Pollina ein ausgezeichneter Musiker ist, der es mir von einem zum anderen Mal gar nicht erlaubt, seine Musik langweilig zu finden. Weder, wenn er alleine mit der Gitarre und Klavier auf der Bühne zugegen ist, noch wenn er von anderen exzellenten Künstlerinnen begleitet wird wie z.B. letztes Jahr von den vier Streicherinnen des Piccola Orchestra Altamarea. Geschichten erzählen kann und tut er auch – hier in Berlin üblicherweise auf Deutsch – humorvolle, nachdenkliche, bestürzende. Er ist ein Weltverbesserer und es gibt wenige Menschen, denen ich das abnehme. Wenn es irgendwer schafft, dann vielleicht Pippo Pollina mit seiner Musik.

Sein Projekt mit dem Jugend Sinfonieorchester Zürich wurde verfilmt, die Dokumentation „Zwischen Inseln“ über die Barrieren dieser Zusammenarbeit und die Überwindung derselben ist am Montag, 21.11.2011 im Babylon-Mitte in Berlin zu sehen. Und nicht nur das, danach spielt Pippo Pollina zusammen mit dem mir unbekannten Saxophonisten Roberto Petroli.

Der einfache Grund, warum ich schon wieder hingehe, ist, dass sich das Leben nach seinen Konzerten immer ein klein bisschen lebenswerter anfühlt.

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