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Posts Tagged ‘Best Exotic Blablabla’

Es ist kein guter Anlass, aus dem der Filmabend in der bisherigen Form schon eine Weile ausfällt. Als Überbrückung, bis wir ihn endlich wieder in der üblichen Runde stattfinden lassen können, haben der gute Freund und ich einfach so Filme geguckt, letztes Mal sogar mit der großen Tochter.

Vor zwei Wochen habe ich mich im Videoverleihhaus an der Ecke inspirieren lassen und bin bei den Neuheiten auf das Best Exotic Marigold Hotel gestoßen, das mich nicht zuletzt auf Grund des Schauspieleraufgebots mit Judy Dench, Bill Nighy und Maggie Smith schon zu Kinostartzeiten gereizt hatte.

Was soll ich sagen? Nicht nur diese Schauspieler waren phantastisch, verkörperten überzeugend spannend und skurril angelegte Charaktere. Die Geschichte des billigen, dysfunktionalen Seniorenheims in Indien hätte funktionieren können, wenn sie mehr als den üblichen Topos des Exotischen und Fremden bedient hätte.

Das hat sie aber nicht. Die alten Leute finden in der fremden Umgebung wieder Lebensmut, die schlechten Eigenschaften wie z.B. der ausgeprägte Rassismus der ausgemusterten Haushälterin verschwinden angesichts der neu erfahrenen Sinnhaftigkeit, Unerledigtes wird befriedigend zu Ende gebracht, blablabla. Nicht nur einmal finden die Protagonisten einen neuen Lebensinhalt in der Funktion als der modernen Weisheit mächtige Kolonialherren Westeuropäer, die den doch noch etwas minderbemittelten Zweitweltindern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Am Ende: ein unglaubwürdiger Plot, in dem aber auch jedes lose Ende auf Teufel komm raus festgezurrt wird, alles zum Besten der jeweilig Beteiligten. Wie im richtigen Leben.

Vergangenen Dienstag zeigte wieder ich einen meiner Lieblingsfilme: The Full Monty, ein überaus witziger Working-Class-Film zu einer eigentlich bedrückenden Lebensgeschichte in einer der niedergegangenen Industriestädte im Norden Englands. Der gute Freund fand ihn großartig, die große Tochter hat immer wieder gelacht. Am Ende sagte sie, sie könne nicht sagen, dass ihr der Film richtig gefallen habe (im Gegensatz zu Four Weddings and a Funeral ein paar Tage vorher), aber auch nicht, dass er ihr nicht gefallen habe. Das ist schon ein Erfolg.

Als nächstes probiere ich an ihr To catch a Thief oder Bringing up Baby aus. Oder When Harry met Sally. Oder Fucking Åmål. Oder…Aber dann nicht mehr am Filmabend, da ist nächste Woche mal der gute Freund dran. Und dann sucht hoffentlich bald wieder der geliebte Mann den Film aus, passend zu seinem Thema „Du lebst nur einmal“.

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