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Posts Tagged ‘Brecht’

Ich wurde schon gerügt: ich hinkte hinterher mit meinem Blog und immer wenn eine gewisse Person die Filme aussuche…Dabei ist das natürlich Quatsch, ich hinke nur ganz selten hinterher und es hat fast nie was mit dem Film oder der aussuchenden Person zu tun, sondern mit dem Leben, das mich nicht zum Schreiben kommen lässt. Das ist manchmal ja auch ganz schön.

Mit dem Film, der vor nunmehr drei Wochen gezeigt wurde, hatte es jedenfalls gar nicht zu tun: My Name is Joe lässt seinen Protagonisten mit dem klassischen Teufelkreis einer Alkoholsucht kämpfen und gehört mit seinem Humor und seiner Menschenliebe zu den Meisterwerken eines Lieblingsregisseurs, Ken Loach. Angesiedelt im täglichen Existenzkampf der nordenglischen ‚working class‘ geht es um die Verhältnisse und was der Mensch daraus machen kann und will; große Fragen um Richtiges und Falsches, um moralisches Dilemma werden aufgeworfen, ohne dass Loach es sich leicht macht mit den Antworten.

„Der Mensch wär lieber gut als roh, doch die Verhältnisse, die sind nicht so.“ ist das daraus legitim abgeleitete Motto und gleichzeitig wohl so oder so ähnlich ein Brecht-Zitat. So klingt es auch in meinen Ohren, kann ich der mir zu brachialen Holzhammermethode des gerühmten Dichters und Dramatikers einfach nicht viel abgewinnen. Doch dies nur am Rand.

Ich habe sehr mit mir gerungen, war bei „Der dritte Mann“ gelandet, bin dann aber in der Videothek über Harlan – im Schatten von Jud Süss gestolpert und habe mich spontan umentschieden. Ein spannender Dokumentarfilm über den Filmemacher, der sein Können im Dritten Reich der Propaganda zur Verfügung stellte, allem voran mit dem Hetzfilm Jud Süss.

Da ist einerseits die Frage des Warum, deren Beantwortung sich die Dokumentation bestenfalls annähert und etwas anderes behauptet sie auch nicht. Zum anderen geht es um die sehr verschiedenartig ausgeprägte Auseinandersetzung der Nachkommen, insbesondere der Kinder und Kindeskinder, mit genau dieser Frage, mit der Rolle und Funktion Veit Harlans für den Nationalsozialismus, mit den Themen der Schuld und der Scham.

Beeindruckend finde ich, dass ich mich von Regisseur Felix Möller zu keiner Sichtweise, zu keinen unumstößlichen Wahrheiten gedrängt fühle, dass mir hier keiner sagt, so ist es richtig, so war es und so muss es sein. Angesichts der Tendenz im Öffentlich-Rechtlichen, Dokumentationen nur noch im Stil von Knopp und Co auszustrahlen, wünsche ich mir, dass sich die Verantwortlichen häufiger damit beschäftigen, wie es auch geht, wie man „Kunst und Politik“ zusammenbringen kann. Das ist dann auch das Motto fürs nächste Mal und ich bin gespannt, was dieses weite Feld hergibt.

PS: zu essen gab es Spargel, Butter und Kartoffeln: perfekt gegart, puristisch, fein; zum Nachtisch Erdbeersahnequarkjoghurt mit Biskuitboden. Nicht schlecht. Gar nicht schlecht.

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Jetzt hatte ich mir doch so fest vorgenommen, wenigstens die Dienstag abendliche Serie regelmäßig fortzusetzen und was muss ich feststellen? Ein paar Wochen echte Arbeit und ich bin drei Filme ins Hintertreffen geraten. Ich kann mich nur noch so gerade erinnern.

Der Klassenkampf wurde uns dann tatsächlich klassisch nahe gebracht, wir sahen Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt? – ich auch wirklich zum ersten Mal.

Fasziniert hat mich bei der stramm kommunistischen Abrechnung mit der Weimarer Republik die Nähe zur künstlerischen Avantgarde der frühen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, zu den Kunstformen des Agitprop. Neben aller Polemik – am Drehbuch schrieb Brecht mit, die Musik stammt von Hanns Eisler – wird die Geschichte der verarmenden Arbeiterfamilie, die ihre Wohnung verliert und deshalb in die Zeltkolonie „Kuhle Wampe“ am Müggelsee zieht, in der Sprache und der Ästhetik des neuen Mediums Film erzählt.

Ich fand auch Brechts Episches Theater, aber vielleicht war die eher hölzerne Darstellung doch anderen Gründen geschuldet.

Ich ging mit der Aufgabe „Zwischen den Kriegen“ in die darauffolgende Woche, wollte nicht so plump sein, und einfach „Cabaret“ zeigen, habe mir den Kopf zerbrochen und den Herren dann Michael Collins von einem meiner Lieblingsregisseure, Neil Jordan, vorgespielt.

Ein Spielfilm, in dem die sicher sehr subjektive Überzeugung zum Ausdruck kommt, dass der Freiheitskämpfer Michael Collins vom späteren ersten irischen Taoiseach und damaligen Kampfgenossen Eamon de Valera verheizt wurde, indem er in aussichtslose Verhandlungen mit den Briten geschickt wurde, aus denen er mit dem „Treaty“ zurückkam. Jener Vertrag, der die Teilung Irlands begründet und vom Unabhängigkeitskampf direkt in den Bürgerkrieg mündete.

Auf die zwei sich bekämpfenden Gruppierungen berufen sich auch die heutigen zwei großen Volksparteien Irlands, deren programmatische Unterscheidung einer Außenstehenden weder vergönnt war noch ihr von irischen Insidern überzeugend vermittelt werden konnte.

Doch zurück zum Film: leider habe ich wieder nicht den erlesenen Filmgeschmack meiner Mitseher ganz treffen können. Der Film war bei seinem Erscheinen 1996 in Deutschland einigermaßen gefloppt oder doch sehr umstritten. Jordan war historische Manipulation vorgeworfen worden – ein Vorwurf, den ich interessant, aber relativ haltlos finde, da es sich um einen Spielfilm und nicht um eine Dokumentation handelt. Manipuliert wird mit beidem, während die Fiktion wenigstens ehrlich Einfluss ausübt, da sie nicht vorgibt, mehr als Interpretation zu sein.

Und ganz persönlich: Den Mann, der ursächlich mit für die strenge Verbandelung der katholischen Kirche mit dem irischen Staat verantwortlich ist und der der Legende nach zur Nachricht vom Tode Hitlers ein Beileidstelegramm nach Deutschland geschickt hat, ein wenig negativ zu zeichnen, kann mich nicht wirklich bestürzen. Und einen zerissenen, aber im Herzen guten Liam Neeson als tragischen Helden sehe ich mir zudem gerne an. Doch das mag Geschmackssache sein.

Ich habe dem guten Freund „Historischen Mythos“ mit auf den gedanklichen Weg gegeben, was ihn in ziemlich verschlungen-brillianter Weise zu 1984 geführt hat. Den Metamythos sozusagen. Oder so. Kalt, am Ende perspektivlos, die Romanvorlage von George Orwell akkurat umgesetzt. Der letzte Film mit einem umwerfend zynischen Richard Burton. Fast zynisch angesichts der Depression dieses cineastischen Werkes ist auch die Vorgabe fürs nächste Mal: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Dies lässt mich befürchten, dass wir wieder keinen echten Schenkelklopfer zu sehen bekommen.

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