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Posts Tagged ‘Charlottenburg’

Ohne Netz und doppelten Boden.

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Eigentlich sollte ich das hier gar nicht schreiben. Die Schlange ist mir bereits zu lang, manchmal. Aber ich will mal nicht so sein, denn dafür könnte ich zur Vegetarierin werden und den Grund dafür möchte ich nicht vorenthalten: Der Käsestand Allerlei Käse bietet jeden Mittwoch und Samstag auf dem Markt am Karl-August-Platz Käse ausschließlich in Bioqualität.

Das für mich wirklich Ausschlaggebende ist allerdings die Qualität und die Vielfalt des Angebots: Von Leuchtturmkäse einer kleinen dänischen Kooperative, Deichgrafkäse von den Salzwiesen über Cheddar aus der gleichnamigen Höhle in Somerset, jungem Pecorino aus Italien zu einer Auswahl vom nahegelegenen Brodowin und Siebengiebelhof. Letzterer lieferte kürzlich versuchsweise auch Vorzugsmilch und Rohmilchquark, ob der Versuch weitergeht, ist mir aber augenblicklich nicht bekannt.

Außerdem wird man vorzüglich beraten vom Betreiber, der beseelt scheint von purer Begeisterung für sein Produkt. Er kann nicht nur den Geschmack des jeweiligen Käses einleuchtend beschreiben, sondern auch von den verschiedenen Herstellern oder der Geschichte dieses oder jenes Rezeptes erzählen. Dazwischen lässt er das Angepriesene probieren.

Ich kaufe Käse mittlerweile fast immer hier. Ein bisschen Zeit muss mitgebracht werden, Schnellkauf ist woanders. Und ganz billig ist es natürlich auch nicht – wie soll es? Dafür verzichte ich dann halt auf die teure Biowurst.

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Da hatte ich doch letzthin das wirklich nette Fußballschauerlebnis in einem Café im Kiez und daher möchte ich gar nicht wirklich meckern. Oder doch. Ich glaube, ich bin einfach gerade in Meckerlaune. Und das Wetter hilft da nicht, kann ich Ihnen sagen. Auch wenn es mit diesem Thema gar nichts zu tun hat.

Seit zwei Jahren lebe ich in Charlottenburg und vieles gefällt mir gut. Es gibt Erleichterungen gegenüber dem vorherigen Wohnort Moabit, aber mal von Rogatzki abgesehen, nichts, was es dort nicht auch gab, das meiste nur näher. Die Filme, die in den fußläufigen Kinos gezeigt werden, sind aktueller als das Programm vom Filmrauschpalast. Dafür konnte ich dort die Filme sehen, die ich verpasst hatte. Es gibt mehr gute Bäcker um die Ecke und einen echten Metzger, der schnell mit dem Fahrrad zu erreichen ist.

Auf der Gegenseite: ich habe bis heute nichts gefunden, der mir den Laden von Ali ersetzen könnte. Und irgendwie steckt im Wohnen in Moabit mehr Herzblut, mehr Faszination. Weil alles Schöne nicht so selbstverständlich ist, weil es mehr zu entdecken gibt, weil die Welten der Bewohner unterschiedliche sind, weil Entwicklung möglich und spürbar ist.

Charlottenburg hat bei aller guten Lebensart etwas Übersättigtes, ein Hauch von Selbstgerechtigkeit liegt in der Luft. Es hat geschafft zu sein, wie es ist. Und das ist auch gut so. Punkt.

Leicht nervig ist da das Gebaren lokaler Aktivisten in der ansässigen Biobäckerei, die lauthals und Aufmerksamkeit heischend in gewichtiger Haltung alle, aber auch wirklich alle, Umsitzenden an ihren nicht unbedingt vom Hocker reißenden Einsichten zum Weltgeschehen teilhaben lassen und ansonsten beim Meeting alle freien Plätze mit ihren Utensilien belegen. Als gäbe es nur sie.

Dann ist da der Wirt eines beliebten italienischen Restaurants, der deutlich macht, welche Gäste genehm sind und welche nicht. Letzteren bringt man den Weinkühler nur auf Aufforderung, man übersieht ihre leergegessenen Teller, da man vertieft ist ins Pläuschchen mit dem Stammpublikum. Es wird nicht so ganz klar, an was es liegt, ob man in diese oder diese Kategorie fällt.

Der Gastgeber als Alleinherrscher, der bestimmt, wen er da haben möchte und wen nicht. Mein Ehrgeiz, sein Wohlwollen zu erringen, in die Riege der Stammgäste aufgenommen zu werden, hält sich in Grenzen. Ich finde diese Authentizität keine Spur charmant, sondern unverschämt und erwarte schlicht, das wirklich sehr gute Essen genießen zu können und dabei genauso behandelt zu werden, wie die Leute am Tisch nebendran – im Idealfall freundlich, kompetent und unaufdringlich. Ich weiß nicht, ob ich dort nochmal – der Qualität der Speisen angemessen – viel Geld lassen möchte.

Wenigstens dieser Entscheidung bin ich enthoben beim Friseur gegenüber, der auf meine Terminanfrage sichtlich unangenehm berührt reagiert, mich im Satz unterbricht, sagt, er sei auf zwei Wochen ausgebucht und erst auf mein weiteres Bohren (wann wäre denn der nächste freie Termin?) erklärt, er sei nicht scharf auf weitere Kundschaft, er habe schon genug, ist bereits ausgelastet und mich damit zur Türe hinaus komplimentiert.

Nun gut, Sie könnten mir jetzt entgegenhalten, dass es eventuell nicht an Charlottenburg liegt, sondern an mir. Da wären Sie nicht der Erste. Dagegen spricht, dass mir das noch nie vorher passiert ist – bei keinem Friseur und auch sonst nirgendwo -, ich selbst keinen guten Grund finden kann, warum man sich mir gegenüber so verhält, bevor man mich kennengelernt hat und dass wirklich glaubwürdige und ehrliche Freunde mir noch keinen entsprechenden Hinweis zukommen lassen haben, wenn ich diese Erlebnisse berichte.

Ich glaube einfach, Charlottenburg oder zumindest Teile davon haben fertig. Es erinnert mich an das, was mir zwei Freunde unabhängig voneinander über Freiburg erzählt haben. Charlottenburg hat nicht auf die Zuwanderer aus dem Süden und aus Moabit gewartet, es braucht sie nicht, hat schon genug.

Dass es sich damit mal nicht täuscht. Ein bisschen frisches Blut tut manchmal gut. Alles andere ist Inzucht. Schauen Sie sich mal die Porträts der letzten Habsburger an.

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Weit entfernt von hysterisch war gestern die Stimmung beim Public Viewing im Kiezcafe. Um viertel nach acht noch einen Platz vor der Leinwand ergattert, eine bunte Mischung mit und ohne Trikot und unvermeidlich schwarz-rot-goldnem Schnickschnack, keine bekennenden Dänemark-Fans, mehrere krachmachende Utensilien, ein Megaphon.

Kurz nach Anpfiff und den ersten Vorschußjubeln angesichts der vergebenen Torchancen der ersten Minuten kam eine Bewohnerin von oben drüber mit zwei Mädchen noch dazu, zur zweiten Halbzeit fanden auch von anderer abendlicher Zerstreuung Heimkehrende noch irgendwie ein Plätzchen, um den Rest zu sehen.

Der ältere Herr neben mir war nicht immer ganz bei der Sache, wies seine aufs Spiel konzentrierte Frau auf die Schönheit der Abendsonne auf den Dachgiebeln hin. Die beiden älteren Frauen mir gegenüber rätselten nach 15 Minuten, welches wohl das gegnerische Tor sei. Von Lars Bender hatten sie noch nie etwas gehört bis er in der 80. Minute das 2:1 erzielte. Macht nichts, sie hatten richtig Spaß.

Ich auch. Meine mir nicht sehr vertraute Begleitung war gelassen und ein wenig belustigt, ob meiner Aufregung, die jeden Ballverlust schlecht aushält. Er würde aber wohl wieder mit mir gucken gehen. Entweder legt er auf Contenance keinen Wert oder ich habe sie dieses Mal nicht verloren.

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Dienstag - Markttag

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Meine Fähigkeit, zur Gelegenheit passende und allseits gefällige gastronomische Einrichtungen zu finden, hat mir schon mehr als einmal Bewunderung eingebracht und eigentlich würde ich sie auch gern zu Geld machen, wenn mir einfiele, wie.

Dabei muss ich rundheraus zugeben, dass ich die Orte weniger finde als sammele. Ich bin nämlich gar keine mutige Entdeckerin, die aufrecht und geraden Blickes in wildfremde Cafes, Bars, Restaurants oder Imbisse schreitet, offen für alles und bereit, auch Reinfälle zu erleben. Vor allem nicht letzteres. Nein, ich höre einfach aufmerksam zu, wenn Menschen aus meinen Kreisen, denen ich bezüglich Geschmack traue und nahestehe, berichten von ihren kulinarischen Erlebnissen außer Haus. Kontakte über einschlägige Blogs und andere soziale Mediennetzwerke tun ihr übriges.

Heute aber war ich mutig. Ich bin in der Otto-Suhr-Allee einem zugegebenermaßen sehr anziehenden Schild zu einem Hofcafe nachgelaufen, zum Hofcafe Zucka, und durfte auf diese Weise ein hübsches Kleinod entdecken. Vorbei an einer Schauspielschule mit Studiotheater führte mich mein Weg in einen zweiten Hinterhof, teils Ziegel, teils Waschbeton, ein paar Sitzgelegenheiten im Freien passierend zu einem ebenerdigen Raum mit Glastür, die den Blick auf einen großen Küchenbereich – und auf dem Blech soeben auskühlende Schokoladencookies – freigibt.

Zwei kleine Tischchen mit vielleicht 8 Plätzen, eine Tafel mit der Wochenkarte: pro Tag ein warmes Mittagessen, alle unter 5 Euro bis auf die Bolognese, da aus Biofleisch. Es duftet appetitlich, als einziger Gast plaudere ich ein wenig mit der Betreiberin dieses charmanten und für die Gegend unerwarteten Schmuckstücks. Seit ca. 1 1/2 Jahren versorgt sie dort die Studenten der Schauspielschule, umliegende Gewerbetreibende und Besucher_innen des Rathauses mit selbst gebackenem Kuchen und Keksen, dem Mittagsmahl, diversen belegten oder überbackenen Brotsorten und natürlich – übrigens gutem – Kaffee. Einmal am Tag zwischen Frühstück und Mittag findet sich ein Englischkurs der nahegelegenen Volkshochschule ein, manchmal kommt jemand von der Straße.

Es klappt gut, pendelt sich ein auf die richtige Größe. Zu stark wachsen darf es gar nicht, da sie dann die eigenen Ansprüche vom Selbstgemachten nicht mehr verwirklichen könnte. Zum Reichwerden ist es nichts, aber zum gut Überleben und dabei „noch das tun, was mir Spaß macht.“ Das Hofcafe ist offen von Montag bis Freitag von 9-16 Uhr. Außer für ihr Cafe backt die Chefin auch für andere Cafes und betreibt Kuchencatering mit allem, was gebacken werden kann – süß und salzig.

Damit es ein Geheimtipp bleibt, muss man nun nicht von anderen Bezirken extra hierher fahren. Aber wer in der Nähe ist, zum Beispiel 2-3 Stunden Wartezeit bis zum Aufruf der eigenen Nummer im Bürgeramt überbrücken muss, kann ruhig mal hingehen. Tut ganz gut, zwischendrin mal ein halbes Stündchen Hofcafeatmosphäre zu tanken.

Hofcafe Zucka
Otto-Suhr-Allee 94

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Ganz schlimm getroffen von den atmosphärischen Turbulenzen vor einigen Tagen zeigte sich wohl der Betreiber der Textilreinigung Mega Clean in der Bismarckstraße 61. Sozusagen mega-schlimm.

Wie das? Ich hatte mich vor einiger Zeit endlich der müffelnden Sofakissen erbarmt und sie in die um die Ecke gelegene Wäscherei getragen, um mich zu erkundigen, wie viel wohl eine professionelle Reinigung koste. Die Tafel an der Wand gab für lose Kissen von Stühlen und Sofas eine Preisspanne von 16-22 Euro an. Die anwesende Angestellte war freundlich, aber nicht in der Lage, mir zu sagen, in welchen Bereich meine Kissen fallen, und bat mich deshalb, an einem der nächsten Tage wiederzukommen, wenn sie bei ihrem Chef hatte nachfragen können. Die Polster könne ich so lange ja mal da lassen.

Meine diesbezügliche Nachfrage kurze Zeit später musste mir dieselbe Mitarbeiterin leider dahingehend beantworten, dass jemand anders ohne ihr Wissen die Polster in eine Spezialreinigung verschickt hatte und ich nun 55 Euro zu bezahlen hätte, was ich nicht wollte und nicht verstand. Sie wiederum verstand, dass ich nicht verstand und bat mich ein weiteres Mal, in zwei bis drei Tagen nochmal nachzufragen, so dass sie das Problem mit dem Chef erörtern könne.

Mir sind Unternehmen suspekt, in denen dem Personal, das den Kontakt zum Kunden hat, keinerlei Handlungsspielraum zugestanden wird. Noch eklatanter wird es, wenn es demselben Personal offensichtlich auch an genügend Über- oder Einblick fehlt.

Beim dritten Besuch war eine andere Mitarbeiterin vor Ort, die von der ganzen Sache nichts wusste, mir aber berichten konnte, dass die Aushilfe der letzten Woche einige Fehler zu verantworten habe, die sie nun wieder ausbügeln müsse. Meine Schilderung stellte sie vor ein großes Dilemma: auch sie verstand offensichtlich, sah sich aber ebenfalls außerstande, ohne Absprache mit il cheffe irgendwie geartet zu handeln. Eine weitere junge Frau wurde hinzugezogen. Sie verschwand nach hinten, kam wieder und erklärte der Frontfrau auf Russisch, dass ich den Gesamtpreis zu zahlen hätte, weil die Leistung ja erbracht worden war.

Langsam wurde ich ungeduldig. Und ein bisschen wütend. Mir war ja auch schwül-lauwarm-heiß. Ich erklärte zum wiederholten Mal – eventuell etwas barscher als vorher -, dass ich erst einmal nur den Preis hatte erfahren wollen und dass es nicht mein Verschulden war, dass die Polster voreilig zur Spezialreinigung gesandt worden waren. Die beiden Frauen konnte ich sogar noch davon überzeugen, dass ich nicht einmal dafür zur Rechenschaft gezogen werden könne, dass an der Tüte mit den Polstern keinen entsprechender Vermerk angebracht worden war.

Anders der Chef, von dem sich nach einigem Hin und Her der jungen Dame, deren Aufgabe wohl der Kurierdienst zum Hinterzimmer war und einer deutlich zunehmenden Verspannung des Atmosphärischen herausstellte, dass er anwesend war. Ihn konnte ich weder davon überzeugen, dass seine mitarbeitende Aushilfe es versäumt hatte, einen entsprechenden Vermerk an der Polstertüte anzubringen („da steht Aussage gegen Aussage“) noch davon, dass es bei fragwürdigem Serviceverhalten eines Dienstleistungsbetriebes irgendwie angezeigt ist, kulant auf das Angebot der Kundin zu reagieren, einen Gutteil der Summe zu zahlen, aber nicht das, was eindeutig über den auf der Tafel angegebenen Preis hinausgeht. Zumal dies nicht klug scheint in einer Gegend, die nicht gerade an Textilreinigungsmangel leidet.

Seine Erklärung: der Vertrag zwischen uns ist zustande gekommen als ich die Polster -unbeschriftet- im Laden zurückgelassen habe. Damit mag er noch durchkommen, mir tut es auch leid, auf die Freundlichkeit und Inkompetenz der aushelfenden Mitarbeiterin eingegangen zu sein. Seine Kalkulation des Preises, der nach meinem Verständnis höchstens 44 Euro betragen hätte können, beruhe auf der Tatsache, dass die Preise auf der Tafel ohne Mehrwertsteuer angegeben seien. Im Gegensatz zu den großen Fensteraufklebern übrigens. Zu den 1,40 fürs Oberhemd muss man noch keine 26 Cent MwSt drauflegen. So viel konnte mir die reguläre Mitarbeiterin noch bestätigen. Überhaupt wirkte sie ein wenig so, als ob sie meine Einschätzung ihres Chefs teilte. Aber das hilft ja nichts.

Durchgekommen ist il cheffe auch mit seiner undurchsichtigen Preisgestaltung. Er hat klar dargelegt, dass ich entweder bezahle, oder die Polster nicht mitnehme. Mir fiel in dem Moment bei relativ geringem Streitwert kein durchschlagendes Vorgehen ein, dass mich an meine Polster kommen lassen und ihn zur Räson oder wenigstens mehr Kundenfreundlichkeit gebracht hätte. Jetzt wird das halt nicht die Reinigung meines Vertrauens, auch nicht an klimatisch besser ausgerichteten Tagen. Es gibt Erfahrungen, die muss ich nur einmal machen. Am Ende stellt sich heraus, es lag gar nicht am Wetter?

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