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Posts Tagged ‘Charlottenburg’

Ohne Netz und doppelten Boden.

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Eigentlich sollte ich das hier gar nicht schreiben. Die Schlange ist mir bereits zu lang, manchmal. Aber ich will mal nicht so sein, denn dafür könnte ich zur Vegetarierin werden und den Grund dafür möchte ich nicht vorenthalten: Der Käsestand Allerlei Käse bietet jeden Mittwoch und Samstag auf dem Markt am Karl-August-Platz Käse ausschließlich in Bioqualität.

Das für mich wirklich Ausschlaggebende ist allerdings die Qualität und die Vielfalt des Angebots: Von Leuchtturmkäse einer kleinen dänischen Kooperative, Deichgrafkäse von den Salzwiesen über Cheddar aus der gleichnamigen Höhle in Somerset, jungem Pecorino aus Italien zu einer Auswahl vom nahegelegenen Brodowin und Siebengiebelhof. Letzterer lieferte kürzlich versuchsweise auch Vorzugsmilch und Rohmilchquark, ob der Versuch weitergeht, ist mir aber augenblicklich nicht bekannt.

Außerdem wird man vorzüglich beraten vom Betreiber, der beseelt scheint von purer Begeisterung für sein Produkt. Er kann nicht nur den Geschmack des jeweiligen Käses einleuchtend beschreiben, sondern auch von den verschiedenen Herstellern oder der Geschichte dieses oder jenes Rezeptes erzählen. Dazwischen lässt er das Angepriesene probieren.

Ich kaufe Käse mittlerweile fast immer hier. Ein bisschen Zeit muss mitgebracht werden, Schnellkauf ist woanders. Und ganz billig ist es natürlich auch nicht – wie soll es? Dafür verzichte ich dann halt auf die teure Biowurst.

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Da hatte ich doch letzthin das wirklich nette Fußballschauerlebnis in einem Café im Kiez und daher möchte ich gar nicht wirklich meckern. Oder doch. Ich glaube, ich bin einfach gerade in Meckerlaune. Und das Wetter hilft da nicht, kann ich Ihnen sagen. Auch wenn es mit diesem Thema gar nichts zu tun hat.

Seit zwei Jahren lebe ich in Charlottenburg und vieles gefällt mir gut. Es gibt Erleichterungen gegenüber dem vorherigen Wohnort Moabit, aber mal von Rogatzki abgesehen, nichts, was es dort nicht auch gab, das meiste nur näher. Die Filme, die in den fußläufigen Kinos gezeigt werden, sind aktueller als das Programm vom Filmrauschpalast. Dafür konnte ich dort die Filme sehen, die ich verpasst hatte. Es gibt mehr gute Bäcker um die Ecke und einen echten Metzger, der schnell mit dem Fahrrad zu erreichen ist.

Auf der Gegenseite: ich habe bis heute nichts gefunden, der mir den Laden von Ali ersetzen könnte. Und irgendwie steckt im Wohnen in Moabit mehr Herzblut, mehr Faszination. Weil alles Schöne nicht so selbstverständlich ist, weil es mehr zu entdecken gibt, weil die Welten der Bewohner unterschiedliche sind, weil Entwicklung möglich und spürbar ist.

Charlottenburg hat bei aller guten Lebensart etwas Übersättigtes, ein Hauch von Selbstgerechtigkeit liegt in der Luft. Es hat geschafft zu sein, wie es ist. Und das ist auch gut so. Punkt.

Leicht nervig ist da das Gebaren lokaler Aktivisten in der ansässigen Biobäckerei, die lauthals und Aufmerksamkeit heischend in gewichtiger Haltung alle, aber auch wirklich alle, Umsitzenden an ihren nicht unbedingt vom Hocker reißenden Einsichten zum Weltgeschehen teilhaben lassen und ansonsten beim Meeting alle freien Plätze mit ihren Utensilien belegen. Als gäbe es nur sie.

Dann ist da der Wirt eines beliebten italienischen Restaurants, der deutlich macht, welche Gäste genehm sind und welche nicht. Letzteren bringt man den Weinkühler nur auf Aufforderung, man übersieht ihre leergegessenen Teller, da man vertieft ist ins Pläuschchen mit dem Stammpublikum. Es wird nicht so ganz klar, an was es liegt, ob man in diese oder diese Kategorie fällt.

Der Gastgeber als Alleinherrscher, der bestimmt, wen er da haben möchte und wen nicht. Mein Ehrgeiz, sein Wohlwollen zu erringen, in die Riege der Stammgäste aufgenommen zu werden, hält sich in Grenzen. Ich finde diese Authentizität keine Spur charmant, sondern unverschämt und erwarte schlicht, das wirklich sehr gute Essen genießen zu können und dabei genauso behandelt zu werden, wie die Leute am Tisch nebendran – im Idealfall freundlich, kompetent und unaufdringlich. Ich weiß nicht, ob ich dort nochmal – der Qualität der Speisen angemessen – viel Geld lassen möchte.

Wenigstens dieser Entscheidung bin ich enthoben beim Friseur gegenüber, der auf meine Terminanfrage sichtlich unangenehm berührt reagiert, mich im Satz unterbricht, sagt, er sei auf zwei Wochen ausgebucht und erst auf mein weiteres Bohren (wann wäre denn der nächste freie Termin?) erklärt, er sei nicht scharf auf weitere Kundschaft, er habe schon genug, ist bereits ausgelastet und mich damit zur Türe hinaus komplimentiert.

Nun gut, Sie könnten mir jetzt entgegenhalten, dass es eventuell nicht an Charlottenburg liegt, sondern an mir. Da wären Sie nicht der Erste. Dagegen spricht, dass mir das noch nie vorher passiert ist – bei keinem Friseur und auch sonst nirgendwo -, ich selbst keinen guten Grund finden kann, warum man sich mir gegenüber so verhält, bevor man mich kennengelernt hat und dass wirklich glaubwürdige und ehrliche Freunde mir noch keinen entsprechenden Hinweis zukommen lassen haben, wenn ich diese Erlebnisse berichte.

Ich glaube einfach, Charlottenburg oder zumindest Teile davon haben fertig. Es erinnert mich an das, was mir zwei Freunde unabhängig voneinander über Freiburg erzählt haben. Charlottenburg hat nicht auf die Zuwanderer aus dem Süden und aus Moabit gewartet, es braucht sie nicht, hat schon genug.

Dass es sich damit mal nicht täuscht. Ein bisschen frisches Blut tut manchmal gut. Alles andere ist Inzucht. Schauen Sie sich mal die Porträts der letzten Habsburger an.

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Weit entfernt von hysterisch war gestern die Stimmung beim Public Viewing im Kiezcafe. Um viertel nach acht noch einen Platz vor der Leinwand ergattert, eine bunte Mischung mit und ohne Trikot und unvermeidlich schwarz-rot-goldnem Schnickschnack, keine bekennenden Dänemark-Fans, mehrere krachmachende Utensilien, ein Megaphon.

Kurz nach Anpfiff und den ersten Vorschußjubeln angesichts der vergebenen Torchancen der ersten Minuten kam eine Bewohnerin von oben drüber mit zwei Mädchen noch dazu, zur zweiten Halbzeit fanden auch von anderer abendlicher Zerstreuung Heimkehrende noch irgendwie ein Plätzchen, um den Rest zu sehen.

Der ältere Herr neben mir war nicht immer ganz bei der Sache, wies seine aufs Spiel konzentrierte Frau auf die Schönheit der Abendsonne auf den Dachgiebeln hin. Die beiden älteren Frauen mir gegenüber rätselten nach 15 Minuten, welches wohl das gegnerische Tor sei. Von Lars Bender hatten sie noch nie etwas gehört bis er in der 80. Minute das 2:1 erzielte. Macht nichts, sie hatten richtig Spaß.

Ich auch. Meine mir nicht sehr vertraute Begleitung war gelassen und ein wenig belustigt, ob meiner Aufregung, die jeden Ballverlust schlecht aushält. Er würde aber wohl wieder mit mir gucken gehen. Entweder legt er auf Contenance keinen Wert oder ich habe sie dieses Mal nicht verloren.

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Dienstag - Markttag

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Meine Fähigkeit, zur Gelegenheit passende und allseits gefällige gastronomische Einrichtungen zu finden, hat mir schon mehr als einmal Bewunderung eingebracht und eigentlich würde ich sie auch gern zu Geld machen, wenn mir einfiele, wie.

Dabei muss ich rundheraus zugeben, dass ich die Orte weniger finde als sammele. Ich bin nämlich gar keine mutige Entdeckerin, die aufrecht und geraden Blickes in wildfremde Cafes, Bars, Restaurants oder Imbisse schreitet, offen für alles und bereit, auch Reinfälle zu erleben. Vor allem nicht letzteres. Nein, ich höre einfach aufmerksam zu, wenn Menschen aus meinen Kreisen, denen ich bezüglich Geschmack traue und nahestehe, berichten von ihren kulinarischen Erlebnissen außer Haus. Kontakte über einschlägige Blogs und andere soziale Mediennetzwerke tun ihr übriges.

Heute aber war ich mutig. Ich bin in der Otto-Suhr-Allee einem zugegebenermaßen sehr anziehenden Schild zu einem Hofcafe nachgelaufen, zum Hofcafe Zucka, und durfte auf diese Weise ein hübsches Kleinod entdecken. Vorbei an einer Schauspielschule mit Studiotheater führte mich mein Weg in einen zweiten Hinterhof, teils Ziegel, teils Waschbeton, ein paar Sitzgelegenheiten im Freien passierend zu einem ebenerdigen Raum mit Glastür, die den Blick auf einen großen Küchenbereich – und auf dem Blech soeben auskühlende Schokoladencookies – freigibt.

Zwei kleine Tischchen mit vielleicht 8 Plätzen, eine Tafel mit der Wochenkarte: pro Tag ein warmes Mittagessen, alle unter 5 Euro bis auf die Bolognese, da aus Biofleisch. Es duftet appetitlich, als einziger Gast plaudere ich ein wenig mit der Betreiberin dieses charmanten und für die Gegend unerwarteten Schmuckstücks. Seit ca. 1 1/2 Jahren versorgt sie dort die Studenten der Schauspielschule, umliegende Gewerbetreibende und Besucher_innen des Rathauses mit selbst gebackenem Kuchen und Keksen, dem Mittagsmahl, diversen belegten oder überbackenen Brotsorten und natürlich – übrigens gutem – Kaffee. Einmal am Tag zwischen Frühstück und Mittag findet sich ein Englischkurs der nahegelegenen Volkshochschule ein, manchmal kommt jemand von der Straße.

Es klappt gut, pendelt sich ein auf die richtige Größe. Zu stark wachsen darf es gar nicht, da sie dann die eigenen Ansprüche vom Selbstgemachten nicht mehr verwirklichen könnte. Zum Reichwerden ist es nichts, aber zum gut Überleben und dabei „noch das tun, was mir Spaß macht.“ Das Hofcafe ist offen von Montag bis Freitag von 9-16 Uhr. Außer für ihr Cafe backt die Chefin auch für andere Cafes und betreibt Kuchencatering mit allem, was gebacken werden kann – süß und salzig.

Damit es ein Geheimtipp bleibt, muss man nun nicht von anderen Bezirken extra hierher fahren. Aber wer in der Nähe ist, zum Beispiel 2-3 Stunden Wartezeit bis zum Aufruf der eigenen Nummer im Bürgeramt überbrücken muss, kann ruhig mal hingehen. Tut ganz gut, zwischendrin mal ein halbes Stündchen Hofcafeatmosphäre zu tanken.

Hofcafe Zucka
Otto-Suhr-Allee 94

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Ganz schlimm getroffen von den atmosphärischen Turbulenzen vor einigen Tagen zeigte sich wohl der Betreiber der Textilreinigung Mega Clean in der Bismarckstraße 61. Sozusagen mega-schlimm.

Wie das? Ich hatte mich vor einiger Zeit endlich der müffelnden Sofakissen erbarmt und sie in die um die Ecke gelegene Wäscherei getragen, um mich zu erkundigen, wie viel wohl eine professionelle Reinigung koste. Die Tafel an der Wand gab für lose Kissen von Stühlen und Sofas eine Preisspanne von 16-22 Euro an. Die anwesende Angestellte war freundlich, aber nicht in der Lage, mir zu sagen, in welchen Bereich meine Kissen fallen, und bat mich deshalb, an einem der nächsten Tage wiederzukommen, wenn sie bei ihrem Chef hatte nachfragen können. Die Polster könne ich so lange ja mal da lassen.

Meine diesbezügliche Nachfrage kurze Zeit später musste mir dieselbe Mitarbeiterin leider dahingehend beantworten, dass jemand anders ohne ihr Wissen die Polster in eine Spezialreinigung verschickt hatte und ich nun 55 Euro zu bezahlen hätte, was ich nicht wollte und nicht verstand. Sie wiederum verstand, dass ich nicht verstand und bat mich ein weiteres Mal, in zwei bis drei Tagen nochmal nachzufragen, so dass sie das Problem mit dem Chef erörtern könne.

Mir sind Unternehmen suspekt, in denen dem Personal, das den Kontakt zum Kunden hat, keinerlei Handlungsspielraum zugestanden wird. Noch eklatanter wird es, wenn es demselben Personal offensichtlich auch an genügend Über- oder Einblick fehlt.

Beim dritten Besuch war eine andere Mitarbeiterin vor Ort, die von der ganzen Sache nichts wusste, mir aber berichten konnte, dass die Aushilfe der letzten Woche einige Fehler zu verantworten habe, die sie nun wieder ausbügeln müsse. Meine Schilderung stellte sie vor ein großes Dilemma: auch sie verstand offensichtlich, sah sich aber ebenfalls außerstande, ohne Absprache mit il cheffe irgendwie geartet zu handeln. Eine weitere junge Frau wurde hinzugezogen. Sie verschwand nach hinten, kam wieder und erklärte der Frontfrau auf Russisch, dass ich den Gesamtpreis zu zahlen hätte, weil die Leistung ja erbracht worden war.

Langsam wurde ich ungeduldig. Und ein bisschen wütend. Mir war ja auch schwül-lauwarm-heiß. Ich erklärte zum wiederholten Mal – eventuell etwas barscher als vorher -, dass ich erst einmal nur den Preis hatte erfahren wollen und dass es nicht mein Verschulden war, dass die Polster voreilig zur Spezialreinigung gesandt worden waren. Die beiden Frauen konnte ich sogar noch davon überzeugen, dass ich nicht einmal dafür zur Rechenschaft gezogen werden könne, dass an der Tüte mit den Polstern keinen entsprechender Vermerk angebracht worden war.

Anders der Chef, von dem sich nach einigem Hin und Her der jungen Dame, deren Aufgabe wohl der Kurierdienst zum Hinterzimmer war und einer deutlich zunehmenden Verspannung des Atmosphärischen herausstellte, dass er anwesend war. Ihn konnte ich weder davon überzeugen, dass seine mitarbeitende Aushilfe es versäumt hatte, einen entsprechenden Vermerk an der Polstertüte anzubringen („da steht Aussage gegen Aussage“) noch davon, dass es bei fragwürdigem Serviceverhalten eines Dienstleistungsbetriebes irgendwie angezeigt ist, kulant auf das Angebot der Kundin zu reagieren, einen Gutteil der Summe zu zahlen, aber nicht das, was eindeutig über den auf der Tafel angegebenen Preis hinausgeht. Zumal dies nicht klug scheint in einer Gegend, die nicht gerade an Textilreinigungsmangel leidet.

Seine Erklärung: der Vertrag zwischen uns ist zustande gekommen als ich die Polster -unbeschriftet- im Laden zurückgelassen habe. Damit mag er noch durchkommen, mir tut es auch leid, auf die Freundlichkeit und Inkompetenz der aushelfenden Mitarbeiterin eingegangen zu sein. Seine Kalkulation des Preises, der nach meinem Verständnis höchstens 44 Euro betragen hätte können, beruhe auf der Tatsache, dass die Preise auf der Tafel ohne Mehrwertsteuer angegeben seien. Im Gegensatz zu den großen Fensteraufklebern übrigens. Zu den 1,40 fürs Oberhemd muss man noch keine 26 Cent MwSt drauflegen. So viel konnte mir die reguläre Mitarbeiterin noch bestätigen. Überhaupt wirkte sie ein wenig so, als ob sie meine Einschätzung ihres Chefs teilte. Aber das hilft ja nichts.

Durchgekommen ist il cheffe auch mit seiner undurchsichtigen Preisgestaltung. Er hat klar dargelegt, dass ich entweder bezahle, oder die Polster nicht mitnehme. Mir fiel in dem Moment bei relativ geringem Streitwert kein durchschlagendes Vorgehen ein, dass mich an meine Polster kommen lassen und ihn zur Räson oder wenigstens mehr Kundenfreundlichkeit gebracht hätte. Jetzt wird das halt nicht die Reinigung meines Vertrauens, auch nicht an klimatisch besser ausgerichteten Tagen. Es gibt Erfahrungen, die muss ich nur einmal machen. Am Ende stellt sich heraus, es lag gar nicht am Wetter?

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Am Samstag abend gab es den bereits bei den Besuchen meiner Mutter eingebürgerten Ausgehabend mit ihr und einer guten Freundin. Ein schönes kleines Ritual. Üblicherweise gehen wir zur Frühabendvorstellung ins Kino und danach was essen. Eines von beiden wird sicher etwas taugen.

Zur filmischen Auswahl standen Almanya, Pina, Im Himmel, unter der Erde und Winter’s Bone. Die ersten beiden hatte die Freundin bereits abgehakt, ein Dokumentarfilm, zumal über einen Friedhof fand nicht so das Gefallen meiner Mutter, und so sahen wir in einem Lieblingskino, dem Filmkunst 66 oder 1/2, Winter’s Bone, Sieger des Großen Jurypreises beim Sundance Festival. Wohlverdienter Sieger, möchte ich sagen, ohne die Konkurrenz zu kennen.

Dieser Film war der beeindruckendste, den ich seit langem gesehen habe. Spannend, hart, hat er mich direkt ins Herz getroffen und Dankbarkeit geweckt für die Tatsache in einer idyllischen westeuropäischen Großstadt leben zu dürfen statt in der entlegenen Kargheit der Orzak-Berge irgendwo mitten in den USA, wo kein übliches Gesetz, Schweigen und Gewalt zu herrschen scheinen, die Männer das Sagen haben und nur die Frauen miteinander reden. Gelegentlich jedenfalls.

Ree, die 17-jährige Protagonistin, zeigt ihren kleinen Geschwistern, wie man ein Eichhörnchen erlegt, häutet und zum Braten vorbereitet. Die Kamera zeigt, was sie muss, damit ich verstehe, warum der kleine Junge sich weigert, das Eichhörnchen auszunehmen und warum die große Schwester ihn dazu zwingen muss.

Die Anleihen beim Dokumentarfilm bergen die Gefahr, das, was ich gesehen habe, für das wahre Leben zu halten. Dabei weiß ich nicht wirklich, ob dort ‚in the absolute middle of nowhere‘, in einer Gegend, die mir so fremd scheint wie ein anderer Planet, Eichhörnchen als Speise dienen und jeder irgendwie an der Produktion von Crystal Meth, der Teufelsdroge, beteiligt ist. Ich bemühe mich mal, das nicht zu behaupten.

Danach wollte ich irgendwo hin, wo es meiner Seele und meinem Geist leicht gemacht wird, den Anschluss ans normale Leben wieder zu finden. Das vermutete ich am sichersten erreichbar durch eine Pizzeria. Auf der Suche war ich nicht nach einem schnieken Italiener wie dem Stella Alpina und auch die entscheidungsfordernde Kleinteillösung Tapas schien zu kompliziert; ich wollte eine bodenständige, handfeste Pizzeria, nach der ich sowieso beständig auf der Suche bin. Im neuen Kiez war ich bisher noch nicht so recht fündig geworden.

Auf der Liste zum Ausprobieren stand seit längerem das Portofino in der Kantstraße, die wohl älteste Pizzeria Berlins, und dahin nötigte ich meine Begleitung. Die Einrichtung äußerst unprätentiös, die Bedienung freundlich und schnell, der männliche Teil sehr Berlin. Überhaupt – ohne es wirklich gekannt zu haben – glaube ich, das Portofino ist eines der in Charlottenburg ja gar nicht so seltenen Überbleibsel aus dem alten Westberlin. Dafür spricht auch die nicht sehr inspiriert anmutende Weinkarte. Der ‚Rote aus Sizilien‘ entpuppte sich allerdings als sehr angenehmer Trinkwein, der hervorragend zur Pizza und zu unserer sich langsam erholenden Stimmung passte.

Die Pizzen fand ich hervorragend, vor allem die mit Spanferkel. Hätte es nicht so auf der Karte geheißen, hätte ich es wohl geräucherten, gekochten Schinken genannt, allerdings von außerordentlicher Qualität, Geschmack und Zartheit. Auf der anderen Pizza war für meinen Geschmack zu viel Rucola, aber da ich Salat auf meiner Pizza eh nicht so mag, bin ich hier keine kompetente Ansprechpartnerin. Geschmack und Konsistenz waren ansonsten 1 A.

Keine Begeisterung riefen die Nudeln mit Steinpilzen hervor, dicke Soße mit wässrigen Pilzen. Vielleicht das falsche Gericht für die Jahreszeit? Dann muss ich auch fragen, warum es jetzt auf der Karte steht. Bei dem Teil der Abendgesellschaft konnten allerdings auch die Pizzen nicht punkten und eventuell lag es doch am Film, der den Appetit beeinträchtigt hatte oder einem leicht angeschlagenen Magen, dass so gar keine Speise Gefallen fand?

Auf eine Pizza würde ich jedenfalls jederzeit wiederkommen.

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Auf dem Weg zum Auto. „Eigentlich mag ich gar nicht mehr Euch.“ Sagt die Dreijährige. „Wie bitte?“ „Eigentlich mag ich nicht mehr EUCH.“ Geht es jetzt darum, dass wir nicht länger im Frühlingswind auf dem Spielplatz ausgeharrt haben? Oder ums Eingemachte?

„Was meinst Du denn damit?“ „Ich mag lieber andere Eltern haben.“ So, jetzt kommts. „Und wieso?“

„Mir ist langweilig mit Euch.“ „…? Ach so. Hm. Na ja.“ Schweigen. „Woher sollen wir denn jetzt andere Eltern für Dich nehmen?“ „Ich weiß nicht, vielleicht nehmen wir welche ohne Wohnung?“

Das wäre zumindest für eine Weile sicher weniger langweilig. Aber ich denke, das Kind muss lernen, dass es nicht alles haben kann.
(Anmerkung: vermutlich – nein, was sage ich – hoffentlich handelt es sich um Nachwirkungen der Weihnachtsgeschichten: Maria und Josef, die Unterkunft, der Stall. Sie wissen schon. Alles ziemlich spannend. Viel spannender als Charlottenburg.)

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So langsam bin ich angekommen. Nicht in der Wohnung: die Eroberung des einen, noch nicht begehbaren Zimmers kostet die mühsam erreichte Bewohnbarkeit der Restwohnung. Im Klartext: es sieht schlimmer aus als bei Hempels unterm Sofa, der Wiederfindungsindex ist im Minusbereich angelangt. Aber wir sind dran. Es ist ein bisschen wie funktionierende Homöopathie, es muss erst schlimmer werden, bevor es gut wird. Sagt man.

In erster Linie ist der Mann hier gefragt: es ist sein altes Regalsystem, er hat die Erfahrung und die Vorstellung, wie es sein muss, wie es hält. Als technisch rudimentär begabte Nichthandwerkerin kümmere ich mich derweil ums Kind, sorge fürs leibliche Wohl und schließe die Stereoanlage wieder an. Beide Boxen funktionieren. Außer man spielt eine Schallplatte (nochmal langsam und zum Mitschreiben: eine Langspielplatte aus Vinyl) ab, dann geht nur einer der beiden Lautsprecher, vermutlich ist entweder der Kontakt am Plattenspieler oder der am Verstärker im Eimer. Aber immerhin.

Wenn ich es nicht mehr aushalte gehe ich raus. Es gefällt mir gut in meinem neuen Kiez und langsam werde ich auch mutiger, verlasse die bereits bekannten Pfade und Bäckerläden, probiere auch aus, wofür ich keine Empfehlung vom Kenner habe. Oder endlich eine der vielen Empfehlungen, je nachdem.

Neue Alltagswege gilt es zu finden, zum Beispiel zum Kindergarten. Das eröffnet Perspektiven, bietet neue Möglichkeiten, lässt mir das Unbekannte ein kleines bisschen vertrauter werden. Ich liebe es, in Berlin Fahrrad zu fahren, habe ich das schon erwähnt? Für mich ist es die beste Art, mir die riesige Stadt kleinteilig zu erschließen, auch nach mehr als 10 Jahren noch. Und was ich besonders liebe, sind die kleinen Oasen, die Strecken, die einen Moment Ruhe vermitteln, die so ganz anders sind und doch so typisch: die Bärenbrücke in Moabit, am Kanal und alten Industriegebäuden entlang von Charlottenburg nach Moabit, am Bellevue links ab zum Englischen Garten.

Und nun eben am Lietzensee entlang zur Kita. Der Weg ist noch nicht optimal, eher am Wasser oder eher näher an der Böschung, Fahrrad unten stehen lassen oder die Treppen hinauftragen? Eine frühere „Ausfahrt“ suchen? Aber ich habe noch ein paar Jahre Zeit, das wird sich finden. In jedem Fall kann ich sie genießen, die Stimmung morgens am Wasser, geteilt von ein paar Joggern und Walkern, Müttern mit Kinderwagen und Senioren beim Frühsport an den öffentlichen Fitnessgeräten. Hübsch hier, in Charlottenburg.

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