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Posts Tagged ‘CIA’

Es sind zwei Gründe, die mich vom Bericht über den letzten Filmabend abgehalten haben, jedenfalls zwei Hauptgründe neben vielen anderen, weniger wichtigen.

Zum einen ist das Leben zur Zeit schnell und vielfältig, das Muttersein spielt sich in den Vordergrund. Einschulung der kleinen Tochter, Elternabende allenthalben, Kontakthalten zum großen Kind. Schrittweises Loslassen scheint die Devise des Augenblicks bei beiden, und wenn ich mich auch für ganz gut darin halte, die Selbstständigkeit meiner Kinder zu unterstützen und sie nicht übermäßig zu beglucken, fallen mir die großen Schritte doch immer erstaunlich schwer.

Zum anderen war der Film nicht einfach einzuordnen und hat – wie im richtigen Leben auch – zu einer erstmal recht aggressiv geführten Kontroverse unter den Dienstagscineasten geführt. Der Mann wollte im Kleingedruckten nochmal nachlesen, welches Propagandaministerium diesen CIA-Film finanziert hat, während ich es keineswegs so empfunden habe, dass Bigelow in Zero Dark Thirty irgendetwas rechtfertigt – weder die Obsession mit Bin Laden den Drahtzieher des Terroranschlags vom 11. September 2001 zur Strecke zu bringen und schon gleich gar nicht die dazu angewandten Methoden bis hin zur Folter.

Für mich – und der liebe Freund tendierte zu einer ähnlichen Sichtweise – hinterfragt sie das Vorgehen der staatlichen Institutionen der USA ohne einfache Antworten zu liefern. Sie tut das ganz eindeutig aus einer US-amerikanischen Perspektive und warum auch nicht? Ich finde es legitim, nur ein Täterprofil zu erstellen, solange es kritisch ist und nicht rechtfertigend oder gar Verständnis wecken will.

Dass sie sich auf einem sehr schmalen Grad bewegt, ist klar. Dass der ganze Film anders interpretiert werden kann, auch – diese Gefahr besteht bei einer differenzierten, nicht eindeutigen Darstellung immer. Ob er bei US-Patrioten auch so ankommen würde wie bei mir, ist eine Frage im hitzigen Streit. Ich weiß nicht, was in deren Köpfen vorgeht, eventuell nicht. Aber dieses Problem besteht häufig: Nazis haben American History X auch anders interpretiert als vom Regisseur vermutlich intendiert – mit furchtbarem Ergebnis.

Mir liefert dieser Film keine Identifikationsfigur. Nicht in den Personen der CIA-Mitarbeiter, die sich geschäftig-unbeteiligt über den Nutzgrad der durch Folter erzwungenen Informationen unterhalten, nicht in der toughen, gefühlskalten und sozialautistischen CIA-Agentin, die vom Ehrgeiz und wer weiß was noch besessen sich gegen die Männerwelt der Geheimsdienste und Militärs behauptet, was letztlich zur Liquidierung Bin Ladens und seiner engen Helfer führt und schon gleich gar nicht in dem charmanten Sonnyboy mit Hippieattitüde, der aus seinen grausam-brutalen und doch exakt berechneten Foltermethoden keine Genugtuung zu ziehen scheint, sondern business as usual betreibt, alles auf der Seite der – angeblich – Guten, der Träger von Demokratie und freiheitlicher Weltordnung, der Tugendbolde in der eigenen Wahrnehmung.

Es gibt eine Stelle, wo mir fast Verrat droht in der kritisch-distanzierten Haltung des Films. Die Schluss-Sequenz der Ergreifung und direkt folgenden Erschießung Bin Ladens ist dermaßend spannend inszeniert, mit einer Lust am Filmerischen, am Effekt, am Unterhaltenden, dass das Kritische, das Ambivalente ins Hintertreffen gerät und nur mit halbherzigen Platitüden wie dem unglaubwürdigen, in der Aktion auftretenden moralischen Anfall eines Soldaten, dass er töten musste, hinübergerettet werden soll.

Hinüber zu der nun wieder großartigen und meiner Ansicht nach dem Film voll gerecht werdenden Schlussszene, in der die Agentin, die vermeintliche Heldin, allein im Bauch des großen Fliegers sitzt und weint. Was war all das wert? For god and country …

Und damit steht auch das Motto fürs nächste Mal.

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