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Posts Tagged ‘Deutschland vegetarisch’

Im Rückblick sage ich: er hätte nicht nicht gezeigt werden können. Nicht nicht zu diesem Thema. Und deshalb bin ich sehr froh, dass der Mann Das Fest von Thomas Vinterberg gezeigt hat. Auch deshalb, weil ich diesen Film unter „Sollte man auf jeden Fall gesehen haben“ einordnen würde. Nicht nur, weil es der erste „Dogma“-Film ist und obwohl die Geschichte um einen 60. Geburtstag und den dabei aufkommenden Eklat ziemlich verstört, zumindest mich verstört hat.

Es geht um Familie, aber nicht nur, es geht um Solidarität und Mangel an Vertrauen, um Zerbrechen an erfahrenem Leid, um Überleben erfahrenen Leids, tiefe Nähe und abgrundtiefe Zerwürfnisse. Um das Blenden und Vorspielen, um Fassade und (Wein)Kellergewölbe. Und das in einer meisterhaften Darstellung, mit einem „Küchenchor“ und immerhin einer Art Happy End im Sinne von: das hätte auch noch schlimmer ausgehen können. Sollten Sie ihn nicht kennen – sehen Sie ihn sich an. Aber nur in Momenten, in denen Sie auch etwas aushalten können.

Zum Essen: den ersten Spargel der Saison mit Frühkartoffeln. Und weil eine Sauce Hollandaise für mich unweigerlich mit Schinken verbunden ist, gab es dazu eine Neuentdeckung aus „Deutschland vegetarisch“: Eier-Frühlingszwiebel-Stippe aus 3 Essl. Weißwein- oder, wie bei mir, Kräuteressig, 100 ml Gemüsebrühe, 1 Essl. Senf, 1 Essl. Honig (bei mir ein bisschen weniger), 120 ml Sonnenblumenöl, 2 hartgekochten und kleingehackten Eiern, 4 Zweigen Estragon, 1 kleinen Bund Pimpinelle (bei mir Kerbel), 2 Frühlingszwiebeln, Salz und Pfeffer. Zuerst die (Zäh-)Flüssigkeiten verrühren, feingehacktes und geschnittenes Grünzeug dazugeben, dann die Eier untermischen. Würzen. Fertig. Sehr, sehr fein und passend.

Und zum Nachtisch Vanilleeis, frische Erdbeeren und leicht gesüßte Sahne. Da braucht es nicht viel mehr. Vielleicht noch einen Ticken süßere Erdbeeren. Aber das Warten fällt halt so schwer.

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Mit Filmen von früher ist es ja so eine Sache. An Lieblingsfilme von lange her gehe ich mittlerweile mit großem Respekt heran. Die Weltsicht und der Geschmack einer 14-jährigen sind – manchmal – andere als mit 40 Plus.

Gelegentlich stelle ich erstaunt fest, dass mein Faible für eher Experimentelles im Film damals deutlich größer war als heute, mein intellektueller Anspruch an mich selbst auch. Andererseits sind manche der damaligen Werke reiner Zeitgeist und tragen nicht bis ins jetzige Jahrhundert. Manche sind auch einfach nur Schrott, und ich weiß nicht, wie ich das jemals anders sehen konnte.

Auch schon passiert: ich hatte das Ende ganz anders im Kopf, meistens happy-er. Autosuggestion, weil ich traurig ausgehende Geschichten nicht so mag, aber mit zunehmendem Alter besser aushalte.

Ich habe zum Thema „Wege zum Erfolg“ Stephen Frears My Beautiful Laundrette von 1985 gezeigt. So richtig erinnern konnte ich mich nicht, nur dass ich damals begeistert war. Ich habe nicht viel wiedererkannt, begeistert war ich dieses Mal auch nicht, aber es ist ein guter Film. Nur eben ganz anders und ein bisschen merkwürdig, ohne dass ich das jetzt gut erklären kann.

Die 80-er-Jahre-Ästhetik ist wie immer eine sehr eigene, und die Protagonisten agieren mir mit einem Tick zu viel 80-er-Jahre-Coolness, jedenfalls war das die Erklärung des geliebten Mannes für das ungewohnt anmutende Schauspielen der beiden Hauptfiguren. Andererseits: egal, wie er spielt, ich schaue Daniel Day-Lewis gerne anderthalb Stunden zu, bei was auch immer.

Das Thema ist brandaktuell. Und seit letzter Woche lässt er mich nicht mehr los, dieser merkwürdige Film, der jetzt so anders ist als in meiner Erinnerung. Daraufhin möchte ich nochmal Sammy and Rosie Get Laid sehen, mal schauen, was dann passiert.

Das Essen war überraschend überzeugend: entgegen meiner und anderer Leuts‘ Befürchtungen funktioniert ein vegetarischer Borschtsch sehr gut. Das Gericht wird offensichtlich deutlich mehr von der Roten Bete, der Säure und dem Dill dominiert als von der Rinderbrühe, von der wir dachten, dass wir sie vermissen werden. Andererseits wundert es mich gar nicht, dass das Gericht so sehr etwas taugt, ich hatte nämlich ein Rezept aus Deutschland Vegetarisch von Stevan Paul und Katharina Seiser als Grundlage, und gerade die Essiggurken gaben ein ausgezeichnetes i-Tüpfelchen.

Der nächste Termin steht schon an und ich gebe zu, es dem lieben Freund nicht ganz leicht gemacht zu haben mit „Dieses Land hat uns kleingekriegt“. Aber er bekommt das schon hin.

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… solange die Erinnerung noch frisch ist.

Zum Thema „Hang zum Küchenpersonal“ ist mir fast unmittelbar ein Film in den Sinn gekommen, den ich vor ein paar Jahren im Kino gesehen habe und unbedingt nochmal sehen wollte, weil ich ihn herzerfrischend fand: Fatih Akins Soul Kitchen.

Ein bisschen Märchen mit großartig zickig-arrogantem Kochkünstler, einem griechischen Brüderpaar (mit dem überaus geschätzten Moritz Bleibtreu als Kleingauner), gut wirkendem Aphrodisiakum und – Motto fürs nächste Mal – einer Herzensangelegenheit. Oder mehreren. Dazu köstliche Dialoge – FilmVERGNÜGEN passt hier mal so richtig gut.

Zu essen gab es an diesem schwülen Sommerabend kalte Gurkensuppe, die geht in verschiedenen Variationen immer. Die gestrige bestand aus 1 guten Gurke, 2 Knoblauchzehen, ca. 200g Joghurt, bisschen Schmand, Limettensaft, Salz Pfeffer, einen Tick Kreuzkümmel, Minze. Bisschen Ingwer schadet auch nicht. Alles in den Mixer (außer Minze, die kommt klein geschnitten am Schluss hinein) und dann ab in den Kühlschrank. Feine, erfrischende Sache.

Außerdem ein wenig Käse, Tomaten, Salat, Hummus, Auberginencreme. Fladenbrot.

Für den Nachtisch kam die Inspiration aus einem meiner neuen Lieblingskochbücher: Deutschland vegetarisch von Stevan Paul und Katharina Seiser – vielleicht schreibe ich ein andermal mehr dazu.

Die „Errötende Jungfrau“ ist im Original mit 200 g Johannisbeeren und 300 g Erdbeeren. Angesichts des Angebots am Obststand der Wahl habe ich spontan beschlossen, das geht mit Himbeeren genauso gut. Bis auf ein paar ausgewählte Exemplaren zermixt man die Beeren zu Fruchtsauce (weil ich die Kernchen nicht so schätze, habe ich sie noch durch ein Sieb gepresst), verrührt 500 ml Buttermilch mit Zucker, lässt 150 ml der Fruchtsauce mit Agar-Agar aufkochen und gießt sie dann vorsichtig und unter ständigem Rühren in die süße Buttermilch. Darunter hebt man 150 ml geschlagene Sahne und dann ab in den Kühlschrank.

Wie befürchtet funktioniert das pflanzliche Geliermittel mal wieder nicht so gut wie Gelatine, das ist aber eher eine Konsistenz- als Geschmacksfrage. Ganz flüssig blieb die Sache ja glücklicherweise nicht. Nach Rezept kommt auf die feste Creme ein Rest geschlagener Sahne, die makellosen zurückbehaltenen Früchte und der Rest Fruchtsauce. Nochmal pure Frucht dazu schmeckt fein und sieht gut aus, die zusätzliche Sahne werde ich nächstes Mal weglassen.

Kam alles ganz gut an bei der Cineastengesellschaft.

Nachtrag: ich habe am Tag danach nochmal von der Süßspeise probiert und beschlossen, den gar nicht so kleinen Rest wegzuwerfen: es hat Klümpchen. Ich lasse das mit den biologischen Geliermitteln, es funktioniert nicht bei mir. Tipps sind willkommen!

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