Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Dresden’

Es wurde ein Tatverdächtiger festgenommen, es soll sich um einen Mitbewohner des am 13. Januar im Innenhof seines Wohnhauses in Dresden tot aufgefundenen eritreischen Flüchtlings Khaled Idris Bahray handeln. In vielen Kommentarspalten zu den entsprechenden Berichten finden sich nun Menschen, die dieses Ermittlungsergebnis anzweifeln – die Kommentare der besorgten Bürger und anderer Fremdenfeinde, Rechtsradikaler und Kleingeister lese ich nicht, möchte ich mir nicht einmal vorstellen.

Einen weiteren Ermittlungsfehler der Dresdner Polizei halte ich für vorstellbar, aber nicht sehr wahrscheinlich. Wahrscheinlicher erscheint mir, dass viele Menschen, die von einem rassistischen Motiv für das Tötungsdelikt ausgegangen waren, einfach nicht wollen, dass es keines war. Auch ich habe eher an eine Tat aus Fremdenhass gedacht, hielt anderes aber auch für eine Möglichkeit. Es ist nicht ganz leicht auszuhalten, dass die andere Seite vielleicht „recht“ hatte, es fühlt sich fast so an, als hätte man verloren gegen die, die immer schon gesagt hatten: „Das waren die gegenseitig“ und jetzt hämisch grinsen. Auch wenn jemand dabei ums Leben gekommen ist.

Mal ganz abgesehen davon, dass es eigentlich nicht (uneigentlich vielen von uns aber eben schon) um Rechthaben und Gewinnen/Verlieren geht, sondern um den Tod eines Menschen und das Leid, das dieser verursacht, besteht das zu Grunde liegende Problem, nämlich dass ein rechtsradikaler Hintergrund für den Mord glaubwürdig ist, ungeachtet des tatsächlichen Tathergangs weiter.

Pro Asyl sagt dazu:

Weil es gegen die Flüchtlinge, die mit Khaled in einer Wohnung untergebracht waren, wiederholt rassistische Drohungen gab und Asylsuchende und Migranten in Dresden generell von einer Zunahme rassistischer Pöbeleien berichteten, hatten viele ein rassistisches Tatmotiv befürchtet. Die Befürchtungen waren den aktuellen Informationen nach unzutreffend – aber waren sie unbegründet? Wenn man sich die rassistischen Kommentare ansieht, die der Fall nach sich zieht, und berücksichtigt, dass sich Flüchtlinge und Migranten immer öfter Angriffen und Beleidigungen ausgesetzt sehen und sich zum Teil Montag Abends in Dresden nicht mehr auf die Straße trauen, leider nicht.

Ich möchte dem hinzufügen, auch wenn man das von rassistischen Aus- und Vorfällen geprägte Verhalten der gesamtdeutschen, insbesondere der sächsischen und in diesem Fall der Dresdner Polizei betrachtet, unterstützte dies den Eindruck, dass ein Zusammenhang mit den montäglichen PeGiDa und sonst-wer-Aufmärschen Demos vertuscht werden sollte – dabei war es wahrscheinlich doch einfach nur Unvermögen gepaart mit dem gewohnten institutionellen Alltagsrassismus, die dazu geführt haben, dass man den Tod eines in seinem Blut liegenden Asylbewerbers unmittelbar als nicht fremdverschuldet einschätzte.

Es gibt guten Grund für den grundsätzlichen Mangel an Vertrauen in die Ermittlungsbehörden – während der Ermittlungen ebenso wie jetzt in Bezug auf das Ergebnis. Als Sicherheitsgaranten gegen rassistisch motivierte Gewalttaten taugen sie beileibe nicht.

Ein junger Mann, der vermutlich hoffnungsvoll einen gefährlichen und langen Weg auf sich genommen hat, um eine Chance auf ein besseres Leben zu bekommen, hat sein Leben kurz nach Erreichen des Zielortes verloren. Ein anderer, der vielleicht dafür verantwortlich ist, hat sich möglicherweise die sowieso nur sehr geringe Chance auf eine positive Lebensperspektive zerstört – das macht mich sehr traurig und ich wünsche den Freunden und Verwandten viel Kraft, um damit fertig zu werden.

Die Tatsache, dass es hätte sein können, dass Menschen in Deutschland diese Tat begangen haben, weil sie ihren tiefen Hass und ihr Unvermögen, ihr Leben lebenswert zu gestalten, auf Schwächere, Fremde, Andersdenkende, etc. richten und ihr mickriges Selbstwertgefühl aufwerten, indem sie diesen Gewalt antun, löst in mir Verzweiflung und Schrecken aus.

Dass es in diesem Fall – noch – nicht soweit war, erleichtert mich ein bisschen. Ein ganz kleines bisschen. Auch wenn es eigentlich nicht um mich geht.

Advertisements

Read Full Post »