Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Film’

Den letzten Dienstagsfilm verdanken wir Freunden, die ich am Dienstag nachmittag getroffen habe. Dienstag nachmittag, beinahe auf dem Weg zur besten Videothek Berlins, und ich weiß noch gar nicht, welcher Film es sein soll, zum „Aufwachsen in der Provinz“. Sicher, es gibt da eine Menge zu. ABER: er soll es ja genau treffen, nach Möglichkeit sollen wir ihn nicht alle bereits 5mal gesehen haben – obwohl das kein K.O.-Argument ist -, ich darf mich nicht zu sehr dem Verdacht aussetzen, auf Hollywood-Mainstream zu stehen, während meine Guckkollegen fürs Intellektuelle zuständig sind.

Vor der besten Videothek Berlins gibt es keine Parkplätze. Das ist weiter nicht schlimm, normalerweise komme ich mit dem Fahrrad. Mit dem Auto ist es ein absolutes Muss, vorher zu wissen, was ich dort möchte, also war es höchste Zeit eine Entscheidung zu treffen.

Ich schwankte: Ich warte seit langem auf einen Grund, Peppermint Frieden zu zeigen, aber es hapert daran, dass ich nur schwache Erinnerungen daran habe und deshalb mir mit der Zuordnung zu unseren Mottos schwer tue. It’s a wonderful life ist nur deshalb ein Weihnachtsfilm, weil er immer zu der Zeit im Fernsehen gezeigt wird. Aber trotzdem. Cinema Paradiso habe ich schon an anderer Stelle gezeigt. Zudem war noch ein Gast zugegen, von dem ich weiß, dass er Filme liebt, aber nur bestimmte, und dem ich weder einen langweiligen Abend bescheren wollte noch mir schiefe Blicke wegen meiner kruden Auswahl.

Der nachmittägliche, sonnenbeschienene Pflaumenkuchen mit und ohne Sahne hat das cineastische Erinnerungsvermögen der Freunde, scheint’s, prächtig stimuliert und so sprudelte der Vorschlagsfluß nur so dahin. Ich verrate hier nun nicht allzuviel, da ich das meiste in die Warteschlange für kommende Dienstagabende eingereiht habe. Auf Heimat haben sie mir viel Lust gemacht, aber das ist als Serienformat für unsere Belange nicht so gut geeignet, das können wir mal als Sonderprogramm ins Auge fassen. Auch der Zweiteiler Teufelsbraten hätte es wohl direkt getroffen, aber Zweiteiler stellen beim späten Filmbeginn in der Wochenmitte eine zu große Herausforderung dar.

Im Absoluten stehend, bei eventueller Polizeistreifung auf den Charme meiner reizenden, im Auto zurückgelassenen Kinder hoffend gehe ich in der Filmgalerie 451 direkt zum Tresen und frage nach den Dorfpunks, der schlichtweg noch nicht als DVD erschienen ist. Also wird es – wie angeraten – Peter BogdanovichsThe Last Picture Show. Melancholisch, amüsant, ein Volltreffer beim gesamten Publikum.

Also Danke und gerne weiter so! Thematisch nahe an der Provinz bewegt sich das nun vorgegebene Motto „Heimat“. Ich bin wie immer gespannt…

Advertisements

Read Full Post »

Jetzt hatte ich mir doch so fest vorgenommen, wenigstens die Dienstag abendliche Serie regelmäßig fortzusetzen und was muss ich feststellen? Ein paar Wochen echte Arbeit und ich bin drei Filme ins Hintertreffen geraten. Ich kann mich nur noch so gerade erinnern.

Der Klassenkampf wurde uns dann tatsächlich klassisch nahe gebracht, wir sahen Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt? – ich auch wirklich zum ersten Mal.

Fasziniert hat mich bei der stramm kommunistischen Abrechnung mit der Weimarer Republik die Nähe zur künstlerischen Avantgarde der frühen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, zu den Kunstformen des Agitprop. Neben aller Polemik – am Drehbuch schrieb Brecht mit, die Musik stammt von Hanns Eisler – wird die Geschichte der verarmenden Arbeiterfamilie, die ihre Wohnung verliert und deshalb in die Zeltkolonie „Kuhle Wampe“ am Müggelsee zieht, in der Sprache und der Ästhetik des neuen Mediums Film erzählt.

Ich fand auch Brechts Episches Theater, aber vielleicht war die eher hölzerne Darstellung doch anderen Gründen geschuldet.

Ich ging mit der Aufgabe „Zwischen den Kriegen“ in die darauffolgende Woche, wollte nicht so plump sein, und einfach „Cabaret“ zeigen, habe mir den Kopf zerbrochen und den Herren dann Michael Collins von einem meiner Lieblingsregisseure, Neil Jordan, vorgespielt.

Ein Spielfilm, in dem die sicher sehr subjektive Überzeugung zum Ausdruck kommt, dass der Freiheitskämpfer Michael Collins vom späteren ersten irischen Taoiseach und damaligen Kampfgenossen Eamon de Valera verheizt wurde, indem er in aussichtslose Verhandlungen mit den Briten geschickt wurde, aus denen er mit dem „Treaty“ zurückkam. Jener Vertrag, der die Teilung Irlands begründet und vom Unabhängigkeitskampf direkt in den Bürgerkrieg mündete.

Auf die zwei sich bekämpfenden Gruppierungen berufen sich auch die heutigen zwei großen Volksparteien Irlands, deren programmatische Unterscheidung einer Außenstehenden weder vergönnt war noch ihr von irischen Insidern überzeugend vermittelt werden konnte.

Doch zurück zum Film: leider habe ich wieder nicht den erlesenen Filmgeschmack meiner Mitseher ganz treffen können. Der Film war bei seinem Erscheinen 1996 in Deutschland einigermaßen gefloppt oder doch sehr umstritten. Jordan war historische Manipulation vorgeworfen worden – ein Vorwurf, den ich interessant, aber relativ haltlos finde, da es sich um einen Spielfilm und nicht um eine Dokumentation handelt. Manipuliert wird mit beidem, während die Fiktion wenigstens ehrlich Einfluss ausübt, da sie nicht vorgibt, mehr als Interpretation zu sein.

Und ganz persönlich: Den Mann, der ursächlich mit für die strenge Verbandelung der katholischen Kirche mit dem irischen Staat verantwortlich ist und der der Legende nach zur Nachricht vom Tode Hitlers ein Beileidstelegramm nach Deutschland geschickt hat, ein wenig negativ zu zeichnen, kann mich nicht wirklich bestürzen. Und einen zerissenen, aber im Herzen guten Liam Neeson als tragischen Helden sehe ich mir zudem gerne an. Doch das mag Geschmackssache sein.

Ich habe dem guten Freund „Historischen Mythos“ mit auf den gedanklichen Weg gegeben, was ihn in ziemlich verschlungen-brillianter Weise zu 1984 geführt hat. Den Metamythos sozusagen. Oder so. Kalt, am Ende perspektivlos, die Romanvorlage von George Orwell akkurat umgesetzt. Der letzte Film mit einem umwerfend zynischen Richard Burton. Fast zynisch angesichts der Depression dieses cineastischen Werkes ist auch die Vorgabe fürs nächste Mal: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Dies lässt mich befürchten, dass wir wieder keinen echten Schenkelklopfer zu sehen bekommen.

Read Full Post »

Also, Sauras „Carmen“ war es wohl nicht so für die Herren. Der geliebte Mann schlief rundheraus nach 5 Minuten ein und lieferte am Ende die glasklare, glockenhelle Analyse der Flamenco-Inszenierung des klassischen Carmenstoffs: „Ich habs nicht so mit Tanzfilmen.“ Und: „…und wenn die da so komisch tanzen…“. Der Freund war höflicher, gemäßigter, aber nicht begeistert. Unterstelle ich ihm nun mal.

Insgesamt geht es ja aber nicht nur um Gefallen, sondern auch um cineastische Bildung.

Und ich? Ich habe „Carmen“ zum ersten Mal mit 14 gesehen, und dann gleich 4 oder 5mal. Ich hatte den Soundtrack auf LP, und muss ihn oft gehört haben, denn die Musik war immer noch vollkommen vertraut, auch in ihrer Reihenfolge, auch die flamencotypischen Stampf- und Klatschfolgen zum Auftakt. Immerhin wollte ich nie Flamencotanzen lernen – seit Antonio Gades, Christina Hoyos und Laura del Sol war mir klar, dass ich arme Mitteleuropäerin nie irgendeine Klasse darin erringen könnte.

Die absolute Faszination würde der Film nicht mehr auf mich ausüben, wenn ich ihn heute zum ersten Mal sähe. Ob es daran liegt, dass er in seiner Entstehungszeit der frühen 80er verhaftet ist, oder daran, dass ich seit längerem der Pubertät entwachsen bin, wer weiß? Gut zu sehen sind sie allemal, der Film und Antonio Gades, und bei einigen der Pas-de-Deux-Szenen kann ich gut und gerne immer noch auf Repeat drücken, wenn es denn das noch gäbe.

Ach ja, die Aufgabe für das nächste Mal besteht in der zugegeben uneleganten Anweisung, einen Film zu zeigen bei dem erneut die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion verwischt werden…ich bin gespannt.

Read Full Post »

Dienstag abend ist reserviert. Für vegetarisches Essen, einen Film und einen lieben Freund. Angefangen hat alles ganz anders: aus geplanten Arbeitstreffen wurde ein wöchentliches gemeinsames Abendessen, das häufige Gesprächsthema Film hat konsequent zu der nun bereits seit über einem Jahr bestehenden Einrichtung des dienstäglichen Filmabends geführt, der sich im Übrigen auch noch als sehr familientauglich erweist, weil sich auch die Kinder riesig auf den abendlichen Essensgast freuen.

Wie spannend: neben viel cineastischer Ahnung hat der Freund ein Faible für Science Fiction und Effekte, Neuland für den geliebten Mann und mich. Beide Herren sind älter als ich, kennen daher naturgemäß mehr Filme als ich – kein Grund für die arrogant hochgezogene Augenbraue „Den hast Du noch nie gesehen?“…

Zuerst zeigten wir alle, was uns in den Sinn kam – die beiden gaben sich ein grobes Thema vor, ich traf meine Auswahl intuitiv-spontan. „Das siebte Siegel“, „Freaks“, „12 Monkeys“, „Vertigo“, „Bless the Beasts and Children“, „The Crying Game“, „Gernstls Suche nach dem Glück“. Bis auf einen fand ich keinen richtig schlecht.

Seit Kurzem stellen wir uns einer neuen Herausforderung: derjenige, der den Film ausgesucht hat, greift ein Motiv heraus, das dem nächsten als Vorlage dient. So führte die Vorgabe Geschwister zu dem köstlich-skurrilen Trainmovie „Darjeeling Limited“, das daraus herausgegriffene Moment der Zugreise zum komisch-traurigen „Zug des Lebens“, aus dem uns wiederum der Narr den schon lange nicht mehr gesehenen „Mein Freund Harvey“ bescherte.

Nun könnte man dies für unlauteren Wettbewerb halten, dass ich mir Inspiration im öffentlichen Raum der Blogs hole, aber es geht ja nicht um Wettbewerb, sondern um cineastische Entdeckung, nicht wahr? Deshalb werde ich gelegentlich die Reihe hier fortsetzen, wobei mir der ein oder andere Rat sicher gelegen kommt. Ich bin heute dran mit den aus Todd Solonsz‘ bitterbösem „Happiness“ stammenden Gefährliche Begierde. Ein weites Feld – ich werde vom Ergebnis berichten.

Read Full Post »