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Posts Tagged ‘Flucht aufs Land’

Der liebe Freund sagt, er habe sich noch nie so schwer getan mit einem Motto. Entschieden hat er sich letztendlich gegen War of the Worlds für Tirez sur le pianiste von Francois Truffaut. Ich kannte beides nicht, war dann gespannt, ob meine Vorbehalte gegenüber dem französischen Film Bestätigung oder Berichtigung erfahren.

Nun? Ich würde sagen, weder noch. Ich fühlte mich unterhalten, war nicht gelangweilt, bin auch nicht eingeschlafen. Doch so den rechten Zugang fand ich nicht, ich bin mir nicht sicher, um was der Film geht. Der liebe Freund schlug vor, in Anlehnung an Truffauts Annäherung an Alfred Hitchcock, Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?, ein Buch mit dem Titel „Monsieur Truffaut, wie haben Sie das gemeint?“ zu veröffentlichen. Vielleicht besteht ein Zusammenhang damit, dass ich auch nie einen Sinn für die Sprache entwickelt habe, obschon auf diesem Gebiet im Allgemeinen nicht ganz unbegabt?

P.S.: Die Vorgabe für nächste Woche: „Die Schatten der Vergangenheit“. Ein weites Feld?

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Wäre ich mal lieber einem der Ratschläge zu meinem Beitrag gefolgt, wahrscheinlich wäre alles besser gewesen als das, was ich für gestern abend ausgewählt habe. Naja, fast alles…

Dabei mochte ich ihn schon nicht sonderlich, als ich ihn Ende der 80er im Kino sah. Die literarische Vorlage übrigens auch nicht, sowie mich auch andere Werke von Milan Kundera nicht überzeugt haben. Ich mag sein Frauenbild nicht, und der Film Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins ist ihm darin gefolgt. Ausgewählt für den Filmabend habe ich ihn, weil er das Thema so prägnant zu erfüllen schien und weil ich ihm nochmal eine Chance geben wollte. Es gibt diese Filme, von denen ich beim ersten Mal enttäuscht war und deren Wert sich mir erst bei einem weiteren, oft von falschen Erwartungen nicht mehr getrübten Sehen offenbart hat, z.B. Rain Man oder Thelma und Louise.

IOn diesem Fall hat sich mir nichts offenbart. So schlecht hatte ich ihn gar nicht in Erinnerung, er hat mit den Jahren keineswegs gewonnen. Der Zeitgeist, zu dem er gehört, ist heute ein anderer. Nach der gestrigen Schau würde ich sagen: gut so. Das Politische dient als Alibi, um so viel von Lena Olin und Juliette Binoche nackt zu zeigen wie möglich. Eigentlich vermute ich, dass das meiste an diesem Werk diesem Ziel dient. Die engagierte Fotographin nehme ich Juliette Binoche nicht ab, ich bin mir nicht einmal sicher, ob sie die Kamera richtig herum gehalten hat. Dazu muss ich fairerweise gestehen, dass ich Juliette Binoche nur wenig abnehme außer ihrer Klein-Mädchen-Kokettiererei, die mich im richtigen Leben ebenso abstößt wie im fiktionalen.

Daniel Day-Lewis hingegen nehme ich fast alles ab, übrigens auch den sexsüchtigen Doktor. Mögen muss ich ihn trotzdem nicht in jedem cineastischen Machwerk. Aber so wie es manchen erfreuen mag, die beiden Hauptdarstellerinnen anderthalb Stunden lang in verschiedenen Stadien des Ausgezogenseins zu betrachten, muss auch ich sagen: er ist das Sehenswerteste an diesem Film.

Meiner Meinung nach versucht Kaufmann schlichtweg erotische Phantasien- ob seine oder solche, von denen er sich Publikum versprach, vermag ich nicht zu sagen – mit einem intellektuellen Mäntelchen zu bedecken, was ihm aber nicht gelingt. Wollte er einen Erotikfilm drehen, dann hätte er genau das tun und nicht unter falschem Vorsatz gutgläubige junge Filmfreaks ins Kino locken sollen. Oder älteren den Dienstag abend verderben.

Nächstes Mal kann es nur aufwärts gehen, wenn es um die „Flucht aufs Land“ geht und sich der liebe Freund besser auf die eigene Erinnerung verlässt als ich das gestern getan habe.

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