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Posts Tagged ‘Homophobie’

Ich war also gespannt. Auch deshalb, weil ich mir schon dachte, dass der geliebte Mann sich etwas einfallen lassen wird zu diesem Thema, mit Bildern vom Mannsein, von Männlichkeit, spielen wird. Und ich hatte recht.

Wir sahen Parada, eine dramatisch-tragische Komödie um die Versuche, eine Gay Pride Parade in Serbiens Hauptstadt Belgrad zu etablieren. Gegen eine große Menge gewaltbereiter, hassgetriebener Homophober, gegen die Mehrheitsgesellschaft, und auch gegen oder zumindest ohne Unterstützung durch staatliche Stellen oder die Polizei.

Srdjan Dragojevic wurde vieles vorgeworfen bei der Bearbeitung dieses schwierigen Themas, vor allem auch die komödiantische Inszenierung mit ihren Plattheiten, ihrem Mangel an Subtilität, ihrer Schwarz-Weißmalerei und ihrer ach so einfachen Konvertierung der Schwulenhasser in Freunde. Er selbst sagt sinngemäß, er wollte die Homophoben des Landes erreichen, nicht die Intellektuellen und dazu braucht es Unterhaltung, kein ArtyFarty.

Beeindruckend finde ich, dass egal, wie boulevardesk die Darstellung sein mag, klar ankommt: die Wirklichkeit für Menschen, die nicht einer gesetzten Norm entsprechen und auch nicht nach einer solchen leben wollen, ist im ehemaligen Jugoslawien keineswegs ein Spaß, sondern ein teilweise lebensbedrohlicher Spießrutenlauf.

Der liebe Freund sagte es: „Das kommt mir vor wie eine Rückschau ins tiefste Mittelalter der Homophobie.“ Und doch ist es das keineswegs. Nach dem gewaltsamen Scheitern eines ersten Versuches einer Gay Pride Parade in Belgrad 2001 fand 2010 tatsächlich die erste Gay Pride Parade statt: über 5000 Polizisten schützten sie vor mindestens genauso vielen gewalttätigen Homophoben, unter ihnen Neonazis und rechte Ultras. Ideologisch gestützt von der serbisch-orthodoxen Kirche.

Bei den schweren Auseinandersetzungen wurden über hundert Menschen verletzt, die Innenstadt teilweise verwüstet. 2011 und 2012 sind von den Verantwortlichen keine Genehmigungen für die Parade mehr erteilt worden. »Lasst mich doch in Ruhe mit diesen Menschenrechten, hier geht es um die Sicherheit der Menschen. Scheiß auf die EU, wenn die Gay-Pride die Eintrittskarte ist.« sagt Ivica Dačić, der serbische Ministerpräsident.

Genau, Scheiß doch auf die Menschenrechte. Pardon my language.

Umso bewundernswerter dieser im ganzen ehemaligen Jugoslawien höchst erfolgreiche Film. Vielleicht ändert sich ja was, innen drin, von unten. Nicht verordnet von oben, von außen.

Mehr zum Thema:
http://www.beatpunk.org/filme/srdan-dragojevic-parada/
http://jungle-world.com/artikel/2012/42/46418.html
http://www.guardian.co.uk/world/2012/oct/03/serbia-bans-gay-pride-march

PS: Nächstes Mal ein ungewöhnliches Intermezzo mit Gastbeitrag. Übernächstes Mal: „Wir gehen auf die Straße.“ Da lässt sich das ein oder andere finden, denke ich.

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