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Posts Tagged ‘Hysterie’

Bis vorgestern habe ich die Spiele dieses Turniers zu Hause geguckt, bei mir oder anderen, die mit der eigenen Mannschaft immer auch in wohlgeneigter Gesellschaft. Beim ersten Spiel waren es zwei Männer und fünf Frauen, zweitere bedeutend laut- und ausdruckstärker in ihren Kommentaren und Reaktionen und das ziemlich unabhängig von jeweiligen Grad an Spielverständnis. Gefühlsbetont, würde ich sagen.

Beim nächsten Mal waren wir zwei Frauen und zwei Männer, ich habe nicht nachgefragt, aber es schien wohl selbst für meinen Mann aushaltbar. Vermutlich sehe ich das nächste Spiel in ähnlicher Besetzung wie beim ersten Mal, aber eventuell ohne Männer: ein ‚zu hysterisch‘ klang als Kommentar irgendwo an. Zu laut, meinetwegen, auch zu nervig, ja, okay, aber hysterisch? Ich gewinne in letzter Zeit häufiger den Eindruck, dass Männer und Frauen vielleicht nicht fürs Zusammenleben geschaffen sind, mindestens aber nicht fürs gemeinsame Fußballgucken, jedenfalls nicht viele.

Was anderswo Hysterie heißt – und das nicht nur im Zusammenhang mit Fußballgucken -, ist für mich emotional, manchmal Begeisterung, manchmal auch Wut. Hysterie ist es nicht, würde aber die Sache tendenziell einfacher machen, denn mit Hysterie muss und kann man sich nicht auseinandersetzen, da hilft nur eine kräftige Ohrfeige oder ein Kübel kaltes Wasser. Und dann – was für ein wirkungsvolles Totschlagargument: wer ist schon gern ein hysterisches Weib?

Für Interessierte kann ich gerne mal eine Kostprobe in Hysterie – die ich zum Beispiel hochsteigen fühle, wenn mir unangenehmes Getier (zum Beispiel hier faszinierend eklig festgehalten) in nicht mehr geheure Nähe gerät – geben, um den Unterschied zu verdeutlichen. Wenn ich will, bekomme ich das sicher einigermaßen hin. Vielleicht nicht beim Fußballgucken. Da bin ich nicht hysterisch. Laut, nervig vielleicht für manchen, aufgeregt. Nicht hysterisch.

Nun kann ich da drüberstehen und sie labern für hysterisch halten lassen, was sie wollen. Aber lieber überlege ich mir nicht bei jeder Regung während so etwas Spannendem wie einem Fußballspiel, ob es nun stört oder nicht. Deshalb schaue ich lieber mit Frauen. Oder mit echten Kerlen, die auch mal ein bisschen Lautstärke, Aufregung, Jubel, nervöses Geplapper, Aufspringen und Geschrei ertragen können.

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