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Posts Tagged ‘Ibsen’

Was für ein Wochenende. Begonnen hat es am Freitag abends mit klassischer Spargelpräsentation: gekocht, mit neuen Kartoffeln, rohem und gekochtem Schinken und echter Sauce Hollandaise, die ich so langsam zu meinen Standards zählen darf. Was ich damit meine ist, dass ich nicht mehr meine Mutter anrufen muss um zu fragen, wieviel von was. Es gibt die Puritaner, denen nichts über geschmolzene Butter zum Spargel geht. Ich gehöre nicht dazu.

Dann kamen Gäste. Bereits zum Spargel war der befreundete Berliner Expat da, der bei seinen regelmäßigen Heimatbesuchen erfreulicherweise meist die Zelte bei uns aufschlägt. Ein Ereignis der besonderen Art hat einen langjährigen Freund aus Schulzeiten zu uns verschlagen und dann besuchte just an diesem Wochenende auch noch eine wiedergefundene Freundin aus denselben Schulzeiten ihre Tochter in der Hauptstadt und bei dieser Gelegenheit auch mich. Dementsprechend war der Samstag dem Erstehen und Zubereiten des abendlichen Essens vorbehalten, bei mir leider zusätzlich noch der Erwerbsarbeit, da der Auftrag pünktlich zum Montag morgen abgegeben sein wollte.

Sehr köstlich die Spargelsuppe, äußerst gelungen das Huhn mit Fenchel, das zu meinen allerliebsten Huhngerichten gehört. Mein Beitrag bestand dieses Mal in einer weiteren Ausführung des Rhabarberkuchens: gemacht wie letztes Mal, nur bei 170° 35 min. ohne und nochmal bis zur leichten Bräune bei derselben Temperatur mit Baiser. Was soll ich sagen: er war lecker, das Baiser gab sich nicht mal den Anschein von knusprig. Dem gesprächigen und geselligen Abend hat es keinen Abbruch getan, die lustige und zufällige Mischung der Gäste hat sich, scheint es, gut unterhalten und ich auf jeden Fall auch.

Beim Frühstück am Sonntag brachte dann die kleine Tochter ihr Missfallen über meine Nachmittagsbeschäftigung mit der Frage: „Seit wann gehen denn Frauen zum Fußball?“ zum Ausdruck. Wo lernen Dreijährige sowas? Ich habe den Vater in Verdacht: nicht unbedingt festen Rollenverteilungen zugetan, versteht er meine und auch jedes anderen Interesse oder gar Begeisterung für Fußball nicht im Geringsten, und würde, glaube ich, auch zu harten Maßnahmen greifen, um ihm Nahestehende zu ihrem eigenen Bestendavon abzubringen, zu viel Zeit darauf zu verschwenden.

Der FC Augsburg trat am letzten Bundesligaspieltag gegen die Hertha an. Zum Glück stand bei beiden Vereinen der Aufstieg in die erste Liga schon mehr oder minder fest, ich hätte sonst sehr gelitten. Zum ersten Mal in seiner Geschichte werden die Augsburger in der 1. Bundesliga spielen und egal, wie es laufen wird – das ist großartig. Gestern haben sie 1:2 verloren. Knapp und unverdient, würde ich sagen, andere sehen das eventuell anders. Das Spiel war nicht so langweilig, wie das zu erwarten gewesen wäre und so war es im Endeffekt trotzdem eine Freude, wenn auch der liebe Freund aus Schulzeiten noch lange haderte mit dem – ich gehe jetzt einmal davon aus: ungerechtfertigten – Platzverweis für den „zentralen Verteidiger des FCA und Spieler mit echter Erstligistenreife“, Gibril Sankoh.

Dennoch einigermaßen guter Dinge fuhren wir nach Hause, erwärmten die vormittags gekochte Bolognese, der eine Freund blieb zu Hause bei den Kindern, der andere fuhr zum Bahnhof, während der Mann und ich uns auf den Weh machten zum Haus der Berliner Festspiele, um im Rahmen des Theatertreffens „Nora – Ein Puppenhaus“ vom Theater Oberhausen zu sehen. Was für ein Kontrastprogramm!

Vielleicht war es zuviel Kontrast, vielleicht hing mir der späte vorherige Abend nach. Die warme erdrückende Atmosphäre im Rang half ebenfalls nicht, Zugang zur Inszenierung zu finden. Das Publikum schien hoch amüsiert und brach am Ende in eine Begeisterung aus, die ich nicht teilen konnte. Ich fand das Stück nicht witzig, bestenfalls grotesk, was bei mir kein Schenkelklopfen auslöste wie bei meinem Sitznachbarn. Teile waren mir zu hysterisch, zu gewollt modernes Theater. Nicht aus Prüderie störte mich die Anhäufung der sexuellen Anspielungen: ich verstand ihre Bedeutung fürs Stück schlichtweg nicht und halte sie für unnötig aufmerksamkeitsträchtig. Mein Fazit: kann man, muss man aber nicht. Jedenfalls ich nicht.

Gar nicht so leicht, so angereichert mit Eindrücken konzentriert in den Alltag zurückzukehren.

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