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Und sonst so in Donegal?

Eine Schwindeln machende Bootsfahrt zu einer der nordwestlichen Küste vorgelagerte Insel, auf der immer noch einige EinwohnerInnen den Plänen der Regierung in Dublin trotzen, den Ort gänzlich zu entvölkern, damit keine Kosten fürs Gemeinwesen mehr anfallen. Warum sie das tun, ist dem Stadtmenschen nicht ganz erklärlich. Die Landschaft ist karg, die klimatischen Verhältnisse rauh, um das Mindeste zu sagen. Wenn das Wetter zu schlecht ist, kommt kein Boot. Mir persönlich würde das Angst machen. Der großen Tochter wohl auch.

Fähre

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rote bank

Tory

Wasser in Blei

Ein merkwürdiges viktorianisch anmutendes Schloss mitten im Torfmoor, umgeben von einem prächtigen, wuchernden Garten mit allerlei Exotischem, zeichnet sich durch eine äußerst bewegte Geschichte aus: erbaut von dem schottischstämmigen Landspekulanten John George Adair, der sich vor allem dadurch einen Namen machte, dass er zu dem Zeitpunkt, als der von ihm in Auftrag gegebene Schlossbau begann, unrechtmäßig von diesem Gebiet 46 Familien aus ihren Häusern vertrieb, um A) entweder Schafzucht in großem Stil betreiben zu können oder B) die Gartenlandschaft um sein neu zu erbauendes Schloss auszuweiten – die vorhandenen Quellen sind sich da nicht ganz einig. Außerdem hat er Rotwild in der Gegend angesiedelt, was dazu führt, dass es sich um eine der ganz raren Gegenden in Irland handelt, in denen im Herbst im Pub Hirschsteak angeboten wird.

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Die nächsten Besitzer waren US-Amerikaner, die es als Sommersitz führten: Harvard-Professor Porter, der bei seinen keltischen Studien spurlos auf der Insel Inishbofin verschwand und Henry McIlhenny, irischer Abstammung, der Glenveagh bis in die 80-er als mondänes Gästehaus führte, Greta Garbo als Gast bei sich hatte und auf Grund einer offenbar auch bestehenden Liebe zu Österreich seinen Angestellten vorschrieb, in österreichischer Tracht zu servieren. Nun ja, warum nicht. Und deshalb hatte die kleine Tochter doch recht, als sie beim Durchgehen der Kleiderkammer sagte: „Da hängt ja ein Dirndl.“

Neben der Bewirtung von Gästen diente das Schloss als Ausgangspunkt für allerlei Vergnügungen wie Jagen und Angeln. Ein seltsamer Kontrast zu der unwirtlichen Landschaft, der die ursprünglichen Bewohner alles mit großer Mühe abtrotzen mussten.

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Auf dem Rückweg erlebten wir dann endlich irisches Wetter, nachdem es bis dato unnatürlich freundlich gewesen war. Durchgängig. In den Bergen dachte ich einen kurzen Moment, dass wir weggeschwemmt würden, der Schweibenwischer bewältigte die Massen Wasser von oben nicht mehr. Und dann brach vor uns die Wolkendecke wieder auf und wir fuhren in gleißendes Licht hinein und hinunter. Diese Augenblicke sind im wahrsten Sinn des Wortes atemberaubend. Dramatisch. Und wenn man so mag, auch mystisch.

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Wir hatten das heute nochmal auf einer Wanderung. Ein plötzlicher Regenguss, alles verschwand hinter Nebelwolken, dann siehst Du auf einmal durch ein paar Nebelfetzen hindurch, es klart so unmittelbar auf, wie es vorher zugezogen ist und auf einmal hatten wir eine fantastische Aussicht auf Klippen und Meer. Nur der Feenhügel blieb verhüllt. Warum nur?

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Hexenküche

Und fast wieder vergessen: das Copyright für die Bilder liegt bei Stroheim.

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So war das eigentlich nicht gedacht, als ich Donegal als ersten Fixpunkt für unsere Ferien in Irland ausgesucht hatte. Eine karge einsame Landschaft, deren Farbigkeit sich erst bei längerem Hinsehen erschließt, die einen nicht ganz schnell in ihr Herz schließt – und umgekehrt. So etwas hatte ich vor dem inneren Auge, nicht die ‚am dichtesten besiedelte ländliche Gegend Westeuropas‘, in der wir jetzt wohl gelandet sind.

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Aber macht nichts. Die karge einsame Landschaft ist gleich nebenan, unser Cottage ist zauberhaft und auch die dichte Besiedlung und ihre Gründe, die Abwesenheit von Gärten und andere Eigenheiten dieser Gegend im Nordwesten Europas sind interessant genug, um sich eine Woche lang damit zu beschäftigen. Im Gegenteil, das Ausschwärmen wird nicht in großem Maßstab stattfinden, da es in nächster Nähe zu viel Spannendes gibt.

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Statt Garten

Statt Garten

Wir sind in einer ‚Gaeltacht area‘, einer der immer kleiner werdenden Regionen Irlands, in denen Irisch als erste Sprache gilt und auch so in den wenigen Schulen unterrichtet wird. Gesprochen habe ich es bisher nur ein einziges Mal gehört und selbst da bin ich mir nicht ganz sicher, da sich mir auch das sehr melodische Englisch Donegals nicht immer sofort als solches zu erkennen gibt.

Viel zu reden scheinen die Menschen hier sowieso nicht, anders als in anderen Teilen Irlands, die ich kenne. Sie sind freundlich, aber man hat nicht unbedingt den Eindruck, dass sie sich freuen einen zu sehen. Das könnte ich ja nachvollziehen, kennen sie mich ja gar nicht und mir als Bayrischer Schwäbin ist eine gewisse Vorsicht gegenüber mir nicht Bekanntem selbst nicht fremd.

Aber auch ihre Kommunikation untereinander ist für Außenstehende nicht immer nachvollziehbar. So warf der Abend im nahegelegenen Pub Hiudái Beag’s unzählige Fragen auf, von denen noch keine einzige beantwortet ist: warum kommen die Musiker und Musikerinnen einzeln oder in kleinen Grüppchen, aber grüßen keinen derjenigen, mit denen sie gleich gemeinsam zur „traditional session“ aufspielen werden? Und warum, um Himmels Willen, beginnt so eine Session mit relativ normal wirkenden Menschen an einem Montag abend nach hipper Großstadt-Manier erst um halb elf Uhr, wenn legalerweise der Pub eigentlich die Türen schließen sollte?

Woher kommen diese vielen verschiedenen Menschen, die sich nach und nach zum Zuhören einfinden? Sind sie alle von hier? Oder sind manche ebenfalls Touristen, so wie wir? Ein Paar, mehrere mittelalte, wettergegerbte Männer, zwei Tische nur mit Frauen: zwei ältere, sehr gediegen aussehende Matronen, eine Handvoll ausgehfeiner Frauen Mitte Vierzig. Ich erinnere mich, dass ich das immer gern mochte in irischen Kneipen, diese Frauenrunden, die offensichtlich wissen, wie man einen fröhlichen Abend verbringt. Jameson wird gern geordert, Guinness natürlich auch. Und immer wieder: eine Tasse Tee. Für mich im irischen Pub ein absolutes Novum.

Und wie passt in all dies die seltsame, hippieske Gruppe in der Mitte des Raumes? Vier Frauen und ein Mann, mit fusseligem Lockenkopf in komplizierter Zopffrisur. Sie hören nicht groß auf die Musik, übertönen sie mit ihren lebhaften Gesprächen. Er sagt nicht viel, hört zu und lächelt, ist aber auch nicht peinlich berührt von der offensichtlichen Ignoranz seiner sich irgendwie zur Schau stellenden Begleiterinnen. Oder vielmehr wirkt er als Begleiter, der geliebte Mann meint, er darf das illustre Grüppchen fahren …

Sie sind nicht fremd hier, sie nicken hier und da, immer wieder kommt es zu kurzen Gesprächen zwischen einer von ihnen und einem der anderen – männlichen – anwesenden Gäste. Ich fühle mich erinnert an den Roman Songs of the West, der mich vor Jahren ein wenig verstört zurückgelassen hat, weil er so gründlich desillusionierend das Leben einer kleinen Auswanderer- und Aussteigergemeinde an der irischen Westküste beschreibt.

Aber vielleicht bin es nur ich. Die Musik war in Ordnung, mir durch das sphärisch klingende Keyboard zu sehr in eine Richtung, die ich nicht mag. Ich hätte dennoch gerne noch ein bisschen zugehört, aber als reguläre Touristin mit vollem Tagesprogramm war ich um diese Uhrzeit einfach zu müde.

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Reisetagebuch Irland / 1

Nach anderthalb Tagen Dublin in Donegal angekommen. Erstmal tief ausatmen.

Tor zum Westen

Auch wenn fast alle Teilnehmer der kleinen Reisetruppe noch gerne ein wenig geblieben wären. Die Liebe zur schmutzigen alten Stadt habe ich wohl an die große Tochter weitergegeben, vielleicht ist es auch genetische Vorbelastung. Der geliebte Mann hatte in anderthalb Tagen gerade mal genug Zeit um herauszufinden, dass es zehnmal so lange dauern würde, um alles anzusehen, was ihn interessiert. Und vermutlich auch darüber hinaus nicht langweilig würde.

Meine Befürchtungen einer argen Enttäuschung nach den vielen Jahren haben sich nicht erfüllt. Die Zuneigung – und die Vertraulichkeit – waren sofort wieder da, ließen sich selbst durch den Anblick von Temple Bar nicht verscheuchen.

Eineinhalb Tage waren auch mir nicht genug, und doch fast zu viel mit kleinem Kind. Dublin ist keine Stadt für Kinder, war es noch nie – zumindest nicht in meiner Wahrnehmung. Aber doch offenbar eine Stadt für Teenager. Oder für bestimmte Teenager. Und für mich. Für bestimmte Leute. Eckig und kantig, laut, lebendig, bunt und nicht ordentlich, außer vielleicht um die neuen Bankenpaläste herum; eher nicht sauber, jung, sehr jung – nach wie vor.

Temple Bar wird woanders stattfinden, und ein bisschen altes Temple Bar gibt es auch noch am alten Ort, wenn man in die Hinterhöfe schaut. Oder ins Irish Film Institute.

Rathmines

Das ganz Neue habe ich eher von der Ferne gesehen, was nicht daran liegt, dass es mich nicht interessiert. Es befindet sich nur einfach in einer Gegend, in der ich mich auch früher nicht bewegt habe. Zu ernst waren die Warnungen der Einheimischen vor den Gefahren, die dort lauern.

new dublin

Jetzt weiß ich, dass ich wieder hinfahren möchte. Öfter. Mit mehr Zeit und mit größerem Kind. Und dass ich mich nicht mehr davor fürchten muss. Wir können immer noch ganz gut miteinander, Dublin und ich.

Für die Fotos danke ich herzlich Stroheim vom Strandgut.

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Lang her

Manchmal, wenn ich alte Freunde treffe, die ich aus einem bestimmten Lebensabschnitt kenne, darf ich mit ihnen in diesem Lebensabschnitt schwelgen. Wenn ich es jedes Mal tue, habe ich mir mit diesem Freund nicht genug anderes zu sagen.

Wie auch immer: heute abend war es ein Freund und der Lebensabschnitt spielt in Irland. Im Winterland. Im Land meiner Sehnsucht. Gibt es ein Land um das mehr Sentimentalität, Klischee und Projektionen kreisen?

Ich war lange nicht mehr da, und die Vorstellung dorthin zu fahren macht mir Angst, denn ich weiß nicht, ob das, was ich heute dort finde, meiner Erinnerung entspricht.

Weiß eigentlich jemand, ob es auf den Aran Islands noch das Hostel mit dem launischen Hostelowner gibt, der ein so unglaublich feines vegetarisches Büffet zaubern konnte?

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