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Posts Tagged ‘Jim Jarmusch’

Was für ein düsteres Thema. Und ja, Schenkelklopfer waren da eher nicht dabei.

Den ungewöhnlichsten Beitrag hat der geliebte Mann gezeigt mit Morituri (ich glaube zum ersten Mal: der IMDB – Eintrag gibt hier nichts her). Es handelt sich nicht um einen in Vergessenheit geratenen Sandalenfilm, sondern um den Beginn einer Aufarbeitung der 1948 gerade vergangenen deutschen Geschichte – ob in Vergessenheit geraten oder einfach nur mir gänzlich unbekannt, weiß ich nicht. Für beides gibt es keinen guten Grund, denn der Film ist nicht allein durch seine Handlung, sondern auch in seiner Machart äußerst sehenswert. Die Idee dazu hatte Artur Brauner, der die Naziherrschaft im Untergrund und durch Flucht überlebt hat, und er hat ihn letztendlich auch produziert – unter widrigen Umständen und ohne finanziellen Erfolg, wie ebenfalls im Wikipedia-Beitrag nachzulesen ist.

Ich habe tatsächlich, wie schon Lakritze angemerkt hat, es als offensichtlich empfunden, zu diesem Motto Dead Man zu zeigen, ein weiterer höchst geschätzter Film eines meiner Helden. Aber ich kann nichts dazu sagen, ich bin kurz nach dem Aufeinandertreffen von William Blake und Nobody eingeschlafen und erst zum Showdown wieder aufgewacht. Das fand ich ausnehmend ärgerlich und ich spiele mit dem Gedanken, den lieben Freund zu fragen, ob er den Film in seiner umfangreichen Filmothek besitzt und mir zum Nachsitzen leiht. Dann könnte ich auch gleich das große Kind dazu verdonnern, den mit mir zu sehen….

Und zu guter Letzt kam auch noch der Film Noir zu seinem Recht, wenn auch nicht in der von Chris Kurbjuhn vorgeschlagenen Form (ist aber vermerkt). Der liebe Freund zeigte Sorry, Wrong Number, eine nervenzerreißende Hinführung auf ein mich für amerikanische Filme und schon gleich gar jener Zeit ungewöhnlich anmutendes Ende, mit einer bemerkenswerten Schauspielleistung von Barbara Stanwyck und einem atemberaubend attraktiven Burt Lancaster. Es wird klar durch diese Worte: vom US-amerikanischen Film Noir der 40er und 50er habe ich keine Ahnung. Ich bin begeistern und jetzt gerne mehr davon!

Das kommende Motto „Der Weg ist das Ziel“ führt tendentiell allerdings eher zu einem anderen Genre, würde ich vermuten.

 

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…durch die Nazis hat unter anderem in Dänemark stattgefunden, und von zweien, die dagegen kämpften, handelt der Film Tage des Zorns (Flammen og Citronen) . Ist das Werk des dänischen Regisseurs Ole Christian Madsen ein guter Film? Ich kann es Ihnen nicht wirklich sagen, ich war zu sehr mit dem Thema an sich beschäftigt, um darauf zu achten. Er war spannend und überzeugend, also ja, wahrscheinlich schon.

Die daraus resultierende Vorlage war „Untergrund“. Ursprünglich wollte ich Luc Bessons Subway zeigen, ein abgefahrener Thriller, der in der Pariser Metro spielt. Durch die kurzfristige Verhinderung des lieben Freundes haben ihn der Mann und ich alleine angeschaut. Spannend, schräg, Ästhetik der 80-er Jahre. Wenn sehr skurril kein Hinderungsgrund ist, kann man den gut sehen.

Zum Thema Untergrund hatte ich mehreres in petto, und davon gab es gestern meinen Lieblingsfilm von 2014, Only Lovers left Alive von Jim Jarmusch. Er ist nicht nur voll von literarischen und kultur- und sonstigen, die Jahrhunderte bis ins letzte überspannenden, historischen Anspielungen, er zitiert auch den frühen Jarmusch: wenig Handlung, viel Atmosphäre, viel Wegführung, das Besondere hinter der Kulisse des Alltäglichen, kleine witzige Dialoge. Ein unglaublich faszinierendes Setting im verfallenden Detroit und dem nächtlichen Tanger. Fantastischer Soundtrack u.a. vom Meister selbst. Ein suizidal-romantischer – und nicht zu vergessen: schöner – Held. Tilda Swinton. Die Last der Unsterblichkeit. Eine ganz große Liebesgeschichte.

Es ist vieles zu finden in diesem Film, wenn man sich die Zeit dazu nimmt und nehmen will. Man muss diesen Jarmusch mögen, die vielen Zitate erscheinen manchen auch ermüdend, langweilig, als unsinniges Namedropping. Vielleicht ist das eine Schwäche des Films. Mir ist es egal. Ich hätte schon Eva, Willie und Eddie in Stranger than Paradise stundenlang durch ein seltsam marodes Amerika folgen können, und so geht es mir auch bei Adam und Eve auf ihren Spritztouren durch „Beauty in Decay“.

Dieser freundlicherweise im nachfolgenden Gespräch vom geliebten Mann fallen gelassene Begriff ist das Motto für die kommende Woche. Und dann wurde auch eine mögliche Änderung des Prozedere besprochen, um es allen eher zu erlauben, auch mal die Filme zu zeigen, die man immer schon mal zeigen wollte und es trotzdem spannend bleiben zu lassen. Ich berichte.

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Packpause. Das Wort „Hassen“ kommt in meinem aktiven Wortschatz so gut wie nie vor. Im Moment schon: ich hasse umziehen. Schöne neue größere Wohnung – schön und gut, aber am liebsten wäre ich schon drin und jemand anders bringt mir die Möbel mit den Inhalten, die ich wirklich brauche. Fotos, Bücher, CDs – alles überschätzt, Ballast, den ich aus Zeitgründen jetzt aber auch nicht anderweitig loswerde. Zumal das meiste gar nicht unter meine Entscheidungsbefugnis fällt.

Ganz schlecht ist auch, dass wegen Umzugsarbeiten der Filmabend ausfällt. Letzte Woche, diese Woche und nächste Woche sicher auch. Danach muss der Fernseher und das Abspielgerät installiert sein und die Kartons wenigstens unter Sichthöhe zwischen Sitzgelegenheit und TV abgebaut sein. Denn dann kann der gute Freund endlich zeigen, was er filmtechnisch unter „The world is sad and beautiful“ versteht. Das ist das Motto fürs nächste Mal und ein Zitat aus dem Film vom letzten Mal. „Es gibt Eis, Baby“ hat unweigerlich zu einer der wunderbarsten und witzigsten Lieblingsfilmszenen geführt. Und ich habe mit Down by Law mal wieder Jim Jarmusch untergebracht. Komisch, irgendwie passt der immer.
So, zurück zu den Umzugskisten.

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…oder Stranger than Paradise. Im Exil lebt Willie aka Bela, der kein Ungarisch mehr sprechen will und sich von TV-Dinner ernährt. In das, was er als sein amerikanisches Leben sieht, passt seine frisch aus Ungarn eingeflogene Cousine Eva nicht hinein, obwohl nicht ganz klar ist, was dieses Leben eigentlich ausmacht. Willie hängt mit seinem Freund Eddy rum, lebt von kleinen Gaunereien, Kartentrickserei. Die Orte, durch die die beiden Kumpels auf dem Weg nach Cleveland zur mittlerweile bei Tante Lotte lebenden Eva kommen, sehen alle gleich desolat aus und auch die Weiterreise nach Florida bringt keine große Veränderung. Auch nach so vielen Jahren liebe ich diesen Gegenentwurf zum „American Dream“ (Motto fürs nächste Mal), könnte Jim Jarmusch und seinen Figuren stundenlang zu Screaming Jay Hawkins‘ „I put a spell on you“ wie in einer Meditation folgen. Dieses Mal ist auch keiner eingeschlafen…

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Jetzt weiß sicher, dass so ein Blog zu etwas gut ist: gestern durfte ich einen der besten Filme seit langem sehen, und das verdanke ich zwei Kommentatorinnen zu meinen Dienstag abend-Beiträgen. „Alles ist erleuchtet“ ist urkomisch, intelligent, skurril, zärtlich, liebevoll und tieftraurig. Mich hat er erinnert an den frühen Jim Jarmusch und Emir Kusturica.

Nicht gerade ein Schenkelklopfer, aber dabei habe ich festgestellt, das muss auch gar nicht sein. Der Film verankert die grausame Geschichte eines ukrainischen Schtetls im Hier und Jetzt des nach den Wurzeln seiner Familie suchenden, etwas verschrobenen, sehr großstadtamerikanischen Intellektuellen, Vegetarier, Sammler, Schriftsteller, Jude.

Und wieder einmal stelle ich fest: richtig großes Kino ist für mich, wenn alle Register gezogen werden, wenn die Welt voller Sprünge ist, bunt und nicht schwarz-weiß, und wenn sich ein gewichtiges Thema über sensiblen Witz erschließt. Wunderbar.

Hört jetzt bloß nicht auf mit den Kommentaren. Das nächste Mal bin ich dran, auf der Suche nach der Frau: Cherchez la Femme – wörtlich oder übertragen. Ich habe einige Ideen und bin gespannt auf die Euren.

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