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Posts Tagged ‘Kaffee’

Meine Fähigkeit, zur Gelegenheit passende und allseits gefällige gastronomische Einrichtungen zu finden, hat mir schon mehr als einmal Bewunderung eingebracht und eigentlich würde ich sie auch gern zu Geld machen, wenn mir einfiele, wie.

Dabei muss ich rundheraus zugeben, dass ich die Orte weniger finde als sammele. Ich bin nämlich gar keine mutige Entdeckerin, die aufrecht und geraden Blickes in wildfremde Cafes, Bars, Restaurants oder Imbisse schreitet, offen für alles und bereit, auch Reinfälle zu erleben. Vor allem nicht letzteres. Nein, ich höre einfach aufmerksam zu, wenn Menschen aus meinen Kreisen, denen ich bezüglich Geschmack traue und nahestehe, berichten von ihren kulinarischen Erlebnissen außer Haus. Kontakte über einschlägige Blogs und andere soziale Mediennetzwerke tun ihr übriges.

Heute aber war ich mutig. Ich bin in der Otto-Suhr-Allee einem zugegebenermaßen sehr anziehenden Schild zu einem Hofcafe nachgelaufen, zum Hofcafe Zucka, und durfte auf diese Weise ein hübsches Kleinod entdecken. Vorbei an einer Schauspielschule mit Studiotheater führte mich mein Weg in einen zweiten Hinterhof, teils Ziegel, teils Waschbeton, ein paar Sitzgelegenheiten im Freien passierend zu einem ebenerdigen Raum mit Glastür, die den Blick auf einen großen Küchenbereich – und auf dem Blech soeben auskühlende Schokoladencookies – freigibt.

Zwei kleine Tischchen mit vielleicht 8 Plätzen, eine Tafel mit der Wochenkarte: pro Tag ein warmes Mittagessen, alle unter 5 Euro bis auf die Bolognese, da aus Biofleisch. Es duftet appetitlich, als einziger Gast plaudere ich ein wenig mit der Betreiberin dieses charmanten und für die Gegend unerwarteten Schmuckstücks. Seit ca. 1 1/2 Jahren versorgt sie dort die Studenten der Schauspielschule, umliegende Gewerbetreibende und Besucher_innen des Rathauses mit selbst gebackenem Kuchen und Keksen, dem Mittagsmahl, diversen belegten oder überbackenen Brotsorten und natürlich – übrigens gutem – Kaffee. Einmal am Tag zwischen Frühstück und Mittag findet sich ein Englischkurs der nahegelegenen Volkshochschule ein, manchmal kommt jemand von der Straße.

Es klappt gut, pendelt sich ein auf die richtige Größe. Zu stark wachsen darf es gar nicht, da sie dann die eigenen Ansprüche vom Selbstgemachten nicht mehr verwirklichen könnte. Zum Reichwerden ist es nichts, aber zum gut Überleben und dabei „noch das tun, was mir Spaß macht.“ Das Hofcafe ist offen von Montag bis Freitag von 9-16 Uhr. Außer für ihr Cafe backt die Chefin auch für andere Cafes und betreibt Kuchencatering mit allem, was gebacken werden kann – süß und salzig.

Damit es ein Geheimtipp bleibt, muss man nun nicht von anderen Bezirken extra hierher fahren. Aber wer in der Nähe ist, zum Beispiel 2-3 Stunden Wartezeit bis zum Aufruf der eigenen Nummer im Bürgeramt überbrücken muss, kann ruhig mal hingehen. Tut ganz gut, zwischendrin mal ein halbes Stündchen Hofcafeatmosphäre zu tanken.

Hofcafe Zucka
Otto-Suhr-Allee 94

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Endlich, endlich, endlich. Es gibt Eis in Moabit! In der Birkenstraße hat sich eine kleine feine Eisdiele mit dem appetitlichen Namen Cafe Caramel angesiedelt.

Für Prenzlauer- und Kreuzberger, Charlottenburger und Steglitzer mag der Jubel unverständlich scheinen, aber hier ist eine Marktlücke gefüllt worden, leckeres Bolleneis dessen Genuss weder einen fahrbaren Untersatz noch den Willen zu einem ausgedehnten Spaziergang voraussetzt. Und es ist gut. Keine großen Experimente, aber Qualität und es gibt Zabaione. Was will ich mehr?

Vielleicht ein feines Kuchen- und Tortenangebot in Laufnähe? Haben sie da auch. Die Favouriten sind bisher Walnuss-Krokant oder Mailänder Apfel.

Und für diejenigen, bei denen überraschend Samstag nachmittag Besuch kommt oder am Sonntag die Haferflocken aus sind, gibt es auch noch ein erstaunlich umfangreiches Biowaren und -weinsortiment.

Plus: die üblich verdächtigen Kaffee- und Schokoladenkreationen. Zum Mitnehmen oder schnell dort trinken. Feine Sache.

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Als ich heute morgen drei Minuten vor dem wegen schlechter Sendereinstellung kratzend-krachenden Getöse meines Radioweckers aufwachte war die ganze Ungemütlichkeit dieses Morgens bereits zu hören. Windböen schlagen Regen gegen das Fenster, es ist noch finster draußen. Ein Morgen zum „Nochmal-Umdrehen-Und-Dabei-Die-Decke-Fester-Um-Sich-Wickeln“.

Aber es hilft ja nichts, ich muss raus und mich auf den langen, nicht wirklich attraktiven Weg zur Arbeit machen. Eine dreiviertel Stunde später ist es immer noch nicht hell, das Licht bleibt heute wohl aus. Auf der Putlitzbrücke mit dem von mir geliebten Ausblick auf den Westhafen, auf die Gleise in Richtung Westen und Osten und die berühmten Schrebergärten fehlt freie Sicht auf den Fernsehturm – der ist heute wohl zu Hause geblieben. Die zerfledderten, halb verwelkten Blumengestecke und Kränze, die jedes Jahr am 9. November am Mahnmal für die von hier abtransportierten Juden abgelegt werden, machen die Trostlosigkeit dieses Morgens fast unerträglich.

Auf dem Bahnsteig macht ein sich kerzengerade haltender Mittvierziger eine Frau an wegen ihres Zigarettenrauchs. „Wenn Sie mir Disteln anbieten, brauchen Sie sich nicht wundern, dass Sie keine Rosen zurückbekommen.“ Selbstgerechter Idiot. Wo er diesen Spruch wohl her hat, er scheint sehr stolz auf seine Eloquenz. Gockel.

Meine Stimmung droht ins Bodenlose abzusacken, ich mag diesen November doch nicht mehr und die Menschen in dieser Stadt auch nicht. Was mich rettet, ist der Tchibostand am Gesundbrunnen. Ich steige extra hier aus, obwohl ich weiter muss. Ich kenne kaum andere von diesen Ständen, nehme mal an, der Kaffee ist überall so erstaunlich gut wie hier. Aber hier arbeitet manchmal eine Verkäuferin, die weiß, dass ich Milchkaffee haben möchte und die bei meinem Anblick schon mit dem Becher in der Hand hinter dem Verkaufstresen hervorkommt. Bevor ich noch was sage. Und dann wechseln wir zwei Sätze. Über irgendwas.

Und wenn ich dann in die nächste S-Bahn einsteige, bin ich ein bisschen versöhnt. Mit dem Wetter, dem November und den Menschen.

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