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Posts Tagged ‘Ken Loach’

Entgegen seiner Befürchtungen hat der liebe Freund das Thema natürlich gut getroffen, nämlich mit The Navigators von Ken Loach.

Und wieder gelingt es Loach ausgezeichnet, sein sehr ernstes Anliegen, nämlich die gesellschaftlichen Konsequenzen der Privatisierung des Eisenbahnverkehrs in Großbritannien zu beschreiben, mit viel Humor weder zu beschönigen noch zu sehr an der Oberfläche zu kratzen, sondern im Gegenteil die menschlichen und die tragischen Aspekte damit umso stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken.

Ich ziehe wirklich meinen Hut vor so viel Können bei soviel expliziter Botschaft. Meist steht entweder die Kunst des Filmens im Vordergrund oder das, was der Macher zu sagen hat. Faszinierend fnde ich immer wieder Beispiele, die beides verbinden. Sowie Ken Loach, oder zum Beispiel auch Konrad Wolf mit Ich war neunzehn

Ein wenig zynisch mag da das Motto fürs nächste Mal wirken, aber eigentlich ist es nur passend angesichts der Thatcherisierung der englischen Gesellschaft: „Den Letzten beißen die Hunde“.

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Ich wurde schon gerügt: ich hinkte hinterher mit meinem Blog und immer wenn eine gewisse Person die Filme aussuche…Dabei ist das natürlich Quatsch, ich hinke nur ganz selten hinterher und es hat fast nie was mit dem Film oder der aussuchenden Person zu tun, sondern mit dem Leben, das mich nicht zum Schreiben kommen lässt. Das ist manchmal ja auch ganz schön.

Mit dem Film, der vor nunmehr drei Wochen gezeigt wurde, hatte es jedenfalls gar nicht zu tun: My Name is Joe lässt seinen Protagonisten mit dem klassischen Teufelkreis einer Alkoholsucht kämpfen und gehört mit seinem Humor und seiner Menschenliebe zu den Meisterwerken eines Lieblingsregisseurs, Ken Loach. Angesiedelt im täglichen Existenzkampf der nordenglischen ‚working class‘ geht es um die Verhältnisse und was der Mensch daraus machen kann und will; große Fragen um Richtiges und Falsches, um moralisches Dilemma werden aufgeworfen, ohne dass Loach es sich leicht macht mit den Antworten.

„Der Mensch wär lieber gut als roh, doch die Verhältnisse, die sind nicht so.“ ist das daraus legitim abgeleitete Motto und gleichzeitig wohl so oder so ähnlich ein Brecht-Zitat. So klingt es auch in meinen Ohren, kann ich der mir zu brachialen Holzhammermethode des gerühmten Dichters und Dramatikers einfach nicht viel abgewinnen. Doch dies nur am Rand.

Ich habe sehr mit mir gerungen, war bei „Der dritte Mann“ gelandet, bin dann aber in der Videothek über Harlan – im Schatten von Jud Süss gestolpert und habe mich spontan umentschieden. Ein spannender Dokumentarfilm über den Filmemacher, der sein Können im Dritten Reich der Propaganda zur Verfügung stellte, allem voran mit dem Hetzfilm Jud Süss.

Da ist einerseits die Frage des Warum, deren Beantwortung sich die Dokumentation bestenfalls annähert und etwas anderes behauptet sie auch nicht. Zum anderen geht es um die sehr verschiedenartig ausgeprägte Auseinandersetzung der Nachkommen, insbesondere der Kinder und Kindeskinder, mit genau dieser Frage, mit der Rolle und Funktion Veit Harlans für den Nationalsozialismus, mit den Themen der Schuld und der Scham.

Beeindruckend finde ich, dass ich mich von Regisseur Felix Möller zu keiner Sichtweise, zu keinen unumstößlichen Wahrheiten gedrängt fühle, dass mir hier keiner sagt, so ist es richtig, so war es und so muss es sein. Angesichts der Tendenz im Öffentlich-Rechtlichen, Dokumentationen nur noch im Stil von Knopp und Co auszustrahlen, wünsche ich mir, dass sich die Verantwortlichen häufiger damit beschäftigen, wie es auch geht, wie man „Kunst und Politik“ zusammenbringen kann. Das ist dann auch das Motto fürs nächste Mal und ich bin gespannt, was dieses weite Feld hergibt.

PS: zu essen gab es Spargel, Butter und Kartoffeln: perfekt gegart, puristisch, fein; zum Nachtisch Erdbeersahnequarkjoghurt mit Biskuitboden. Nicht schlecht. Gar nicht schlecht.

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