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Posts Tagged ‘Kino’

Kinogängerin

Als eine solche hätte ich mich früher auf jeden Fall bezeichnet. Eigentlich sogar als eine passionierte solche. Seit einigen Jahren lege ich Pause ein. Nicht, weil ich nicht mehr gerne ins Kino gehe, ich habe nicht mehr so viel Zeit zu meiner freien Verfügung. Ich gehe davon aus, dass sich das wieder ändern wird. Vielleicht ist es schon dabei, sich zu ändern.

Das wäre sehr praktisch, wenn ich mir die anstehenden Monate kinotechnisch betrachte. Ich war nämlich letztens in dem äußerst sehenswerten neuen Ken Loach-Film Angel’s Share. Sehenswert, weil der ausgeprägte Humor des Films und der Figuren nicht beschönigt. Weil der Underdog der Underdog bleibt, dieser eine mit einer echten Chance, was zu ändern, die anderen mit der Aussicht, dass es so bleibt, wie es ist. Natürlich steht Ken Loach auf der Seite der Verlierer im neoliberalen Großbritannien. Deshalb mag ich ihn ja so. Und natürlich verkörpert er auch das Prinzip Hoffnung. Sonst würde ich seine Filme nicht aushalten.

Vor der eigentlichen Vorstellung wurden wie immer mehrere Trailer gezeigt, dank derer ich jeden der dazugehörigen Filme sehen will, außer vielleicht Skyfall – trotz extrem guter Besprechungen. Auf jeden Fall möchte ich Oh Boy sehen, Fraktus und die Doku über Bienen. Außerdem eine neue opulente Verfilmung von Anna Karenina, wenn ich den alten Moralisten schon nie zu Ende gelesen habe. Sehr spannend erscheint mir Winterdieb, ebenso Cloud Atlas von Tom Tykwer und den Machern von Matrix und 7 Psychos. Mit Tom Waits!

Die Dänin Susanne Bier wurde uns schon mehrfach vom guten Freund empfohlen, die romantische Komödie, die so ist wie andere, aber gleichzeitig ganz anders, klingt verflixt attraktiv. Meine Erfahrung mit Fatih Akin ist, dass er machen kann, was er will, es wird immer gut. Dann also auch noch seine Doku über eine Mülldeponie in dem Heimatdorf seiner Großeltern. Bei den Empfehlungen für Januar interessiert mich nur Ulrich Seidls Film nicht, weil der mir nach Hundstage erst beweisen muss, dass er Menschen nicht hasst. Das wären also nochmal mindestens vier.

Gut. Für November, Dezember und Januar macht das Minimum dreizehn Filme, also 1-2 pro Woche. Das wäre doch mal wieder ein guter Anfang in die Passion einzusteigen.

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Als Teenager habe ich eine Weile alle Filme aufgeschrieben, die ich je im Kino gesehen habe. Irgendwann habe ich aufgegeben, ich würde sie nicht mehr zusammen bekommen. Es gibt immer wieder Phasen, in denen ich exzessiv ins Kino gehe, ich liebe es mehr als Theater, Kabarett oder Konzerte. Ich könnte ohne Probleme viermal die Woche gehen.

Ich brauche mal wieder Kino satt, bis ich keine Lust mehr habe. Jedenfalls habe ich mir auch das fürs neue Jahr vorgenommen: dieser Leidenschaft wieder stärker zu frönen. Mir die Zeit zu nehmen. Es möglich zu machen. Am liebsten mit dem geliebten Mann, aber das ist noch komplizierter zu bewerkstelligen.

Jedenfalls freut es mich zu berichten, dass ich in den letzten drei Wochen dreimal im Kino war:
– Small World mit Gerard Depardieu: war nett, wie immer grandios gespielt, hat mich überhaupt nicht an die literarische Vorlage erinnert, was nicht per se ein Problem ist. Ich dachte nur, der Schwerpunkt liegt eher auf dem ungewohnten Umgang mit der Krankheit und nicht so sehr auf der verwirrten Familiengeschichte.
– Ein Mann von Welt: was ich erwarte von modernem skandinavischen Kino. Unaufgeregt, witzig, echt. Unsentimental. Ist die Botschaft, dass Töten eine richtige Lösung sein kann, wenn es den Richtigen trifft? Ich weiß es nicht…
– Drei: hat mich tief berührt, phantastisch gespielt, eine nicht einfache Lösung angedeutet. Ich liebe Sophie Rois und ihre Stimme. Eine herrliche Anfangssequenz und ein Zitat, das ich nicht verraten werde, sonst kann ich ja es nicht selbst einsetzen.

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Noch ein Grund, Moabit nicht zu verlassen. Mein Lieblingskino steht in Moabit. In der ehemaligen Heeresfleischerei ist seit 1991 die Kulturfabrik-Moabit zuhause: „1991 schließlich wurde das Gebäude mit dem Wohlwollen des Berliner Senats besetzt und wieder eröffnet; die KULTURFABRIK Moabit wurde geboren.“. Oho.

Nebst anderer kulturell-sozialer Einrichtungen beherbergt eine Etage den Filmrauschpalast. Ich war leider lange nicht mehr da, daher weiß ich nicht sicher, ob sie immer noch das „einzige Kino mit persönlicher Ansage vor dem Film“ sind. Hier habe ich mich im tiefsten Winter mit Gasbrenner an den wunderbar komischen Szenen von Down by Law ergötzt und die Anweisung des Vorführers befolgt, nach umgekehrtem Zwiebelprinzip immer wieder eine Schicht Wärmendes anzulegen. Am Ende war ich völlig durchgefroren.

Hier hat mich ein guter Freund hergebracht, um Tokyo Decadence zu sehen – ein Film, zu dem der zur Ansage Verdonnerte meinte, er wisse selbst nicht, was diesen Film zum Kultfilm werden ließ und warum er jetzt und hier gezeigt würde. Ich stimmte bald mit ihm überein und fragte mich, was mir der befreundete Mann an meiner Seite sagen möchte.

Hier war ich in einer Spätvorstellung um halb elf zum ersten Teil der herrlich absurden Filmversion von Lars von Triers The Kingdom mit dem mittlerweile guten Freund verabredet und habe erst vor Ort realisiert, dass der Film über drei Stunden dauert. Dieses Mal war die Auswahl so gut getroffen, dass ich wider Erwarten nicht eingeschlafen bin.

Im Programm sind zwei bis drei Filme pro Monat, oftmals abseitige, Filmschätze, Kultfilme. Oft welche, die ich im normalen Programm verpasst habe. Die Atmosphäre ist locker, improvisiert und entspannt, der Wein günstig. Früher durfte man rauchen, wenn keiner der Besucher was dagegen hatte. Ideal.

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