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Posts Tagged ‘Leidenschaft’

„Viel Liebe gab es zwischen den beiden nie, und jetzt eben auch nicht.“ Sagt sie, die es wissen muss, da sie von Anfang an dabei war.

Ist es so? Gründeten die beiden tatsächlich ihr gemeinsames halbes Jahrhundert nur auf einem Irrtum? Vielleicht trug die Verliebtheit des Anfangs nicht genug für den Alltag, das Kinder-Bekommen und -Großziehen, das Leben jenseits des siebten Himmels? Oder war schon die Verliebtheit nur ein Missverständnis oder mehrere, die es erlaubten, den anderen als Projektionsfläche der eigenen Sehnsüchte zu benutzen?

Sie hat sie nur im Streit erlebt, beide fortwährend darauf bedacht, den nächsten Abtausch für sich zu entscheiden. Die giftsprühenden Wortwechsel, die ablehnenden Gesten, das Herumreiten auf dem Fehler des so wenig geliebt wirkenden Gegenübers erschienen wie ein Kräftemessen, ein jeweiliges Aufbegehren gegen die verletzende Stärke des anderen. Wertschätzung, Zärtlichkeit, gar Liebe – dies alles assoziiert man nicht beim Sinnieren über diese unmögliche Beziehung. Sondern: „Die passen halt einfach nicht zueinander“, die Eule und die Lerche, die Liebe zur Ferne und die zum nahen Gebirge, die Lust auf Neues und die Geborgenheit in der Ordnung. Vielmehr Gegen- als ein Miteinander, dies allerdings leidenschaftlich und intensiv.

Getrennt haben sie sich nie. Es kann an ihrer moralischen Welt des mittleren 20. Jahrhundert gelegen haben. Daran, dass sie es noch weniger ertragen hätten, ihre Projektionen als gescheitert erklären zu müssen als miteinander zu leben. Auch daran, dass sie „sich arrangierten“, sich in ihrem Arbeitsleben gut aus dem Weg gehen konnten, was sich nun, im Alter, nicht mehr einrichten lässt. Oder war es doch die Liebe, die sie nicht scheitern lassen wollten? Die sie nicht schafften zu leben, aber auch nicht, von ihr zu lassen. Woher sonst kam die Ausdauer für ihre alltäglichen, vehementen Auseinandersetzungen?

Mit den Jahren wird es ihr vorstellbar, dass es tatsächlich die Liebe sein könnte, die sie in der Gemeinsamkeit ausharren hat lassen, obwohl dieselbe für keinen der beiden als Bereicherung wirkt.

Und noch eines Gedanken kann sie sich nicht erwehren: sie beneidet sie nicht um diese Beziehung, doch das Leben der beiden erscheint ihr weder unglücklich noch unerfüllt. Sie haben – jeweils auf ihre Art – das getan, was sie wollten, was ihnen wichtig war. Nur zusammen haben sie es nicht hinbekommen, warum auch immer.

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Als Teenager habe ich eine Weile alle Filme aufgeschrieben, die ich je im Kino gesehen habe. Irgendwann habe ich aufgegeben, ich würde sie nicht mehr zusammen bekommen. Es gibt immer wieder Phasen, in denen ich exzessiv ins Kino gehe, ich liebe es mehr als Theater, Kabarett oder Konzerte. Ich könnte ohne Probleme viermal die Woche gehen.

Ich brauche mal wieder Kino satt, bis ich keine Lust mehr habe. Jedenfalls habe ich mir auch das fürs neue Jahr vorgenommen: dieser Leidenschaft wieder stärker zu frönen. Mir die Zeit zu nehmen. Es möglich zu machen. Am liebsten mit dem geliebten Mann, aber das ist noch komplizierter zu bewerkstelligen.

Jedenfalls freut es mich zu berichten, dass ich in den letzten drei Wochen dreimal im Kino war:
– Small World mit Gerard Depardieu: war nett, wie immer grandios gespielt, hat mich überhaupt nicht an die literarische Vorlage erinnert, was nicht per se ein Problem ist. Ich dachte nur, der Schwerpunkt liegt eher auf dem ungewohnten Umgang mit der Krankheit und nicht so sehr auf der verwirrten Familiengeschichte.
– Ein Mann von Welt: was ich erwarte von modernem skandinavischen Kino. Unaufgeregt, witzig, echt. Unsentimental. Ist die Botschaft, dass Töten eine richtige Lösung sein kann, wenn es den Richtigen trifft? Ich weiß es nicht…
– Drei: hat mich tief berührt, phantastisch gespielt, eine nicht einfache Lösung angedeutet. Ich liebe Sophie Rois und ihre Stimme. Eine herrliche Anfangssequenz und ein Zitat, das ich nicht verraten werde, sonst kann ich ja es nicht selbst einsetzen.

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Also, Sauras „Carmen“ war es wohl nicht so für die Herren. Der geliebte Mann schlief rundheraus nach 5 Minuten ein und lieferte am Ende die glasklare, glockenhelle Analyse der Flamenco-Inszenierung des klassischen Carmenstoffs: „Ich habs nicht so mit Tanzfilmen.“ Und: „…und wenn die da so komisch tanzen…“. Der Freund war höflicher, gemäßigter, aber nicht begeistert. Unterstelle ich ihm nun mal.

Insgesamt geht es ja aber nicht nur um Gefallen, sondern auch um cineastische Bildung.

Und ich? Ich habe „Carmen“ zum ersten Mal mit 14 gesehen, und dann gleich 4 oder 5mal. Ich hatte den Soundtrack auf LP, und muss ihn oft gehört haben, denn die Musik war immer noch vollkommen vertraut, auch in ihrer Reihenfolge, auch die flamencotypischen Stampf- und Klatschfolgen zum Auftakt. Immerhin wollte ich nie Flamencotanzen lernen – seit Antonio Gades, Christina Hoyos und Laura del Sol war mir klar, dass ich arme Mitteleuropäerin nie irgendeine Klasse darin erringen könnte.

Die absolute Faszination würde der Film nicht mehr auf mich ausüben, wenn ich ihn heute zum ersten Mal sähe. Ob es daran liegt, dass er in seiner Entstehungszeit der frühen 80er verhaftet ist, oder daran, dass ich seit längerem der Pubertät entwachsen bin, wer weiß? Gut zu sehen sind sie allemal, der Film und Antonio Gades, und bei einigen der Pas-de-Deux-Szenen kann ich gut und gerne immer noch auf Repeat drücken, wenn es denn das noch gäbe.

Ach ja, die Aufgabe für das nächste Mal besteht in der zugegeben uneleganten Anweisung, einen Film zu zeigen bei dem erneut die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion verwischt werden…ich bin gespannt.

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