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Posts Tagged ‘Meckatzer’

Meine erste Weinprobe fand vor vielen Jahren unter der Würzburger Residenz statt: in einem historischen Kellergewölbe mit riesigen Fässern beim Schein der in Bocksbeutel aufgestellten Kerzen. Die anwesenden, erfahrenen Weinprober hatten allerlei deftige Brotzeit dabei, an der sie uns großzügig teilhaben ließen. So inspiriert und angenehm betüdelt habe ich selten eine Veranstaltung verlassen.

Bei der Eröffnungsrede

Um so etwas selbst durchzuführen, fehlt es mir an Expertise, daher bin ich für einen gegebenen Anlass darauf verfallen, stattdessen eine Bierprobe durchzuführen. Nicht, dass ich mich mit Bier so viel besser auskenne, aber mangels professioneller Vorlage schien mir mein laienhaftes Vorgehen mit netten Geschichten und extraordinären Etiketten leichter zu entschuldigen.

Im Endeffekt haben Auswahl und Vorbereitung Spaß gemacht und es wurde ein außerordentlich lustiger Abend. Konzentriert hatten wir uns auf Biere aus dem Allgäu, weil diese selbst in der Hauptstadt schwer bis gar nicht zu bekommen sind, es sich um ein einigermaßen überschaubares Gebiet handelt, und wir dort wie so oft gerade erst unseren Winterurlaub verbracht hatten, und so die Versuchsobjekte eigenhändig aussuchen und in die Hauptstadt transportieren konnten.

Zugegeben, bei der Auswahl hat es uns ein wenig mitgerissen, jedenfalls brachten wir am Ende 13 Sorten mit nach Hause, obwohl wir auf Weizenbiere komplett verzichtet hatten. In Kleinstmengen ausgeschenkt haben wir tatsächlich 12 davon verkostet.

Wie gemalt

Um eine ausreichende Unterlage für doch einiges an Bier zu schaffen, hatten unsere Gäste wunderbares Brot und feine Biobutter mitgebracht, einen Obatzten und einen mediterran eingelegten Harzer, der nicht nur ungewöhnlich war, sondern entgegen der Befürchtung der dafür verantwortlichen Freundin auch hervorragend geschmeckt hat. Diverse Allgäuer und Augsburger Wurstwaren haben wir selbst beigesteuert ebenso wie meinen geliebten Bergkäse verschiedenen Alters von der besten Käserei, die ich kenne.

Doch zurück zur Hauptsache, den Bieren. Der geliebte Mann wollte sich eigentlich auf das Oberallgäu beschränken, aber das hätte mir nicht erlaubt, die Lieblingsbrauerei meines Vaters mit vorzustellen, das Meckatzer Löwenbräu aus dem Westallgäu. Obwohl mein Vater Weizen trank oder Helles und kein Pils, konnte ich so insgeheim einen Schluck auf sein Andenken trinken. Davon abgesehen hätte ich dann weder Gelegenheit gehabt, das meiner Meinung nach außergewöhnlichste und dabei sehr gelungene Etikettendesign zu präsentieren noch das Lena-Weiss-Lied. Hier handelt es sich um eine dem bayrischen Tanz „Zwiefacher“ nachempfundene Unternehmenshymne, die auf die zumal für die damalige Zeit sehr eigenständige und tatkräftige Unternehmensgründerin zurückgeht. Auch wenn das Lied gerade in anderen Teilen Deutschlands eher belustigend anmutet, ist es doch nicht der schlechteste Mythos, um darauf eine Unternehmensphilosophie zu gründen, in der gesellschaftliche Verantwortung einen festen Anteil hat.

Schäfflertanz - Silber auf Schwarz

Herausgestellt hat sich dann noch, dass die einzige andere anwesende Bayerin den Zwiefachen sogar tanzen kann, auf eine Kostprobe davon mussten wir allerdings verzichten. Ihr wie auch den anderen vorwiegend norddeutschen und preussischen Gästen hat das Pils gut gefallen, besser jedenfalls als das der kleinen regionalen Brauerei Schäfflerbräu in Missen, das durchweg als zu bayrisch, zu wenig Pils empfunden wurde. Von derselben Brauerei kommt ein anderes Lieblingsbier meines Vaters und des geliebten Mannes, das Zwickl.

Zwickelbier ist die generelle Bezeichnung für ein ungefiltertes naturtrübes Bier. Das habe ich gelernt, als ich in einer Berliner Kneipe an der Tafel Zwickel angeboten sah und mich sofort begeistert wähnte, eine Quelle für das Allgäuer Bier aufgetan zu haben. Ich wurde schnell eines Besseren belehrt, es handelte sich ein naturtrübes Saisonbier der ortsansässigen Lemke-Brauerei. Sicher auch nicht schlecht, aber halt kein Schäfflerbräu.

Eine Fortsetzung wird folgen.

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