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Posts Tagged ‘Michel Piccoli’

Die Menge der Filme, die sich um dieses Thema drehen, geht gegen unendlich. Und wenn man dann noch Rache als Nebenmotiv dazu nimmt….Und dann noch die Tipps von Ihnen, liebe LeserInnen, die ich ja oft gerne aufgreife.

Dieses Mal habe ich mich aus den folgenden Gründen dagegen entschieden: der Blixa-Bargeld-Film hat sich mir nicht wirklich empfohlen, Festen kennen die beiden Cineasten zu gut, ich habe eine Tarantino-Abneigung vermutet, die sich nicht (mehr) bestätigt hat und irgendwie war mir nicht nach zu viel Gewalt – ich finde mein eigenes Leben im Moment anspruchsvoll genug, ich mag meine Seele Sinne augenblicklich nicht mit Hässlichkeiten belasten. Aber einige Vorschläge habe ich gespeichert für Zeiten, in denen mir nicht mehr so nach Besänftigendem zumute ist.

Was mich in dieser Verfassung geritten hat, ausgerechnet Die Spaziergängerin von Sans-Souci auszusuchen, weiß ich nicht. Das Thema wühlt auf, die Darstellung der SA-Bande, die über Vater und Sohn herfällt, dem Jungen das Bein bricht und den Vater erschießt aus purem Spaß an der Freud‘ hilft nicht dabei, einen positiven Ausgleich zu den Unbillen des täglichen Lebens zu schaffen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass Rache nicht so der Stoff für Komödien ist.

Der Film, der mich vor langen Jahren tief beeindruckt hat, hat seine Schwächen. Er ist nicht rund, führt nicht überzeugend zu Ende. Der Gute, zurecht Rächende, erhält für Mord 5 Jahre auf Bewährung. Ich persönlich mag das als befriedigend empfinden, aber weit ist es dann nicht mehr zur Legitimierung der Todesstrafe.

Nicht zuletzt irritiert mich die Frauenrolle(n) der nur Privaten, nur Liebenden, nie Politischen. Derjenigen, die dafür sorgt, dass sich der im Dienst der guten Sache überarbeitete Geliebte erholt, die beim gesellschaftlich relevanten Abendessen als Schmuckstück an seiner Seite fungiert, ihm für die zweitrangigen, aber immerhin Vergnügen versprechenden Liebesdienste zur Verfügung steht.

Die bereits auf dem Weg vom Flughafen ins Hotel zum Warten geschickt wird, während er, der politische, bereits zur ersten Unterredung auf dem Flur abgepasst wird. Die die französischen Antifaschisten völlig selbstbezogen und unpolitisch darum bittet, den geliebten Mann zu befreien, weil sie ohne ihn nicht sein kann.

Gibt es so etwas nicht? Doch, bestimmt. Aber in diesem Film scheint es, als sei das eine das naturgegeben männliche und das andere das naturgegeben weibliche Prinzip. Vielleicht hat sich seit Beginn der Achtziger doch was geändert. Sogar zum Guten, oder wenigstens Besseren.

Die Kussszenen: allesamt abstoßend. Komplett unerotisch.Ein Aufeinandergedrücke und Herumgeschiebe von Mündern, Lippen, wahrscheinlich Zungen, eventuell auch Zähnen. Brrr.

Das Essen: mit Bulgur, Schafskäse und Linsen gefüllte Zucchini, Apfelkuchen. Zucchini: umstritten. Apfelkuchen: aufgegessen bis auf ein Stück.
Das Motto fürs nächste Mal: „Alles aus Liebe“. Weil wir Frauen halt nun mal so sind.

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Der gute Freund hat es verstanden, die intellektuelle Diva unter uns, die auf Grund der letzthin gewählten Filme bereits den Verfall des cineastisch Niveaus beklagte, zu besänftigen und – zumindest was mich betrifft – wieder einen pädagogischen Aspekt in unseren dienstäglichen Filmabend einzubringen. Wir sahen Themroc, die Metamorphose vom „Fröhlichen Proletarier“ zum steinzeitlichen Anarchisten.

Ich fand den Film faszinierend, wie er ohne echte Worte Sinn entstehen lässt, wie Bilder, Grunzen, Gesichtsausdrücke die Geschichte des im ewigen Alltagstrott gefangenen Arbeiters Themroc erzählen, der nach einer Standpauke durch den Chef den unsinnigen Job als Anstreicher verlässt, sein Zimmer zumauert, die Außenwand der Wohnung aufschlägt und zum triebhaften Höhlenmensch wird, dessen Anarchismus auch die Staatsgewalt nichts anhaben kann und der nach und nach immer mehr Nachahmer findet.

Allerdings fehlt mir der Mittelteil – meine Augen wollten nicht offen bleiben. Wegen der französischen Herkunft des Werks? Weil er zu sehr ein Spiegel seiner und nicht meiner Zeit ist? Oder bin ich einfach zu bequem geworden, mag dieses „Artyfarty“-Gedöns nicht mehr, sondern lieber „anspruchsvolle Unterhaltung“? Bin ich milde geworden oder faul? Beides?

Schon allein dafür liebe ich unseren Dienstag abend: für die Auseinandersetzung mit dem, was ich mir freiwillig immer weniger aussuchen würde.

P.S.: Der Widerstand gegen die Staatsgewalt kulminiert darin, dass zwei der Polizisten gebraten und verspeist werden. Die Vorgabe fürs nächste Mal: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“. Kommentare dringend erwünscht.

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