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Posts Tagged ‘Moabit’

Ich bin mir sicher. Auch wenn mich gestern, wie so viele andere auch, beim morgendlichen Blick aus dem Fenster fast der Schlag getroffen hat: pudergezuckerte Gehsteige, der Dreck der letzten Tage verdeckt von verführerischem Weiß, das am Ende nur dazu führt, dass sich die verrußten Schmutzhäufen am Straßenrand, die heimtückischen Eisbahnen zwischen den Stellplätzen der Autos, die zugeeisten Radwege und die Splitbeläge überall noch länger halten können. Und die Berliner Stadtreinigung weiterhin eine gute Ausrede hat, warum sie den Müll von Silvester noch nicht wegräumen konnte.

Nein, wirklich, seit heute bin ich mir ganz sicher: der Frühling kommt. Ich habe am Sonntag grüne Spitzen irgendwelcher Zwiebelblumen gesehen. Und Magnolienknospen berührt. Und Spechten gelauscht, die doch sicher frühjahrs anfangen, auf die Bäume zu klopfen?

Bei meiner heutigen Fahrt durchs frühfrühlingshafte Moabit konnte ich mich mit dem Gedanken anfreunden von hier wegzuziehen. Trotz Sonnenglanz auf den liebgewonnenen Wegen. Bei einer wertkonservativen Person wie mir, die Neuerungen nur schweren Herzens etwas Gutes abgewinnen kann und Umziehen hasst wie die Pest – und dabei den Begriff Hass so gut wie nie verwendet – , die den in Berlin am längsten von ihr bewohnten Kiez immer mehr als Zuhause akzeptiert und zum ersten Mal Bekannte auf der Straße getroffen hat, kann solch optimistisches Vorwärtsblicken, ja, ich bin fast geneigt, es Vorfreude auf den kommenden Ortswechsel, und alles was er an sonstigen Wechseln nach sich zieht, zu nennen, nur heißen, dass es Frühling wird.

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Die Tagesmutter hat den Standort gewechselt. Für mich bedeutet dies: ich muss einen zweimal am Tag zurückzulegenden, liebgewonnenen Weg ändern. Ohje. Am Anfang läuft es nicht rund. Ich bin zuerst falsch abgebogen, musste einen Teil wieder zurückfahren. Ich kenne die idealen Straßenüberquerungspunkte nicht, muss absteigen, weil der Bordstein zu hoch zum Drüberfahren ist. Komme an der falschen Straßenseite raus.

Ein bisschen fühle ich mich wie eine Ameise, der man ihre Straße genommen hat. Jedenfalls denke ich, dass sich eine Ameise dann so fühlt. Ein bisschen aus der Bahn geworfen. Ich muss mich jetzt konzentrieren auf den Weg. Irgendwann, in ein paar Wochen, werde ich ihn optimiert haben. Zwischendrin werde ich in Gedanken versunken auch mal vor der falschen Türe stehen. Oder kurz davor. Vielleicht wird mir der Weg nur optimal vorkommen. Manchmal hilft erst ein Blick auf den Stadtplan oder ins Internet um erkennen zu lassen, dass der gefühlt kürzeste Weg nur Einbildung und dem fehleranfälligen Orientierungsvermögen geschuldet war.

Von hier bis zur Tagesmutter werde ich nicht in den Stadtplan gucken, das finde ich allein heraus. Wenn nicht, ist auch egal. Und ein bisschen Abenteuer ist es ja auch, so ein neuer Weg.

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Noch ein Grund, Moabit nicht zu verlassen. Mein Lieblingskino steht in Moabit. In der ehemaligen Heeresfleischerei ist seit 1991 die Kulturfabrik-Moabit zuhause: „1991 schließlich wurde das Gebäude mit dem Wohlwollen des Berliner Senats besetzt und wieder eröffnet; die KULTURFABRIK Moabit wurde geboren.“. Oho.

Nebst anderer kulturell-sozialer Einrichtungen beherbergt eine Etage den Filmrauschpalast. Ich war leider lange nicht mehr da, daher weiß ich nicht sicher, ob sie immer noch das „einzige Kino mit persönlicher Ansage vor dem Film“ sind. Hier habe ich mich im tiefsten Winter mit Gasbrenner an den wunderbar komischen Szenen von Down by Law ergötzt und die Anweisung des Vorführers befolgt, nach umgekehrtem Zwiebelprinzip immer wieder eine Schicht Wärmendes anzulegen. Am Ende war ich völlig durchgefroren.

Hier hat mich ein guter Freund hergebracht, um Tokyo Decadence zu sehen – ein Film, zu dem der zur Ansage Verdonnerte meinte, er wisse selbst nicht, was diesen Film zum Kultfilm werden ließ und warum er jetzt und hier gezeigt würde. Ich stimmte bald mit ihm überein und fragte mich, was mir der befreundete Mann an meiner Seite sagen möchte.

Hier war ich in einer Spätvorstellung um halb elf zum ersten Teil der herrlich absurden Filmversion von Lars von Triers The Kingdom mit dem mittlerweile guten Freund verabredet und habe erst vor Ort realisiert, dass der Film über drei Stunden dauert. Dieses Mal war die Auswahl so gut getroffen, dass ich wider Erwarten nicht eingeschlafen bin.

Im Programm sind zwei bis drei Filme pro Monat, oftmals abseitige, Filmschätze, Kultfilme. Oft welche, die ich im normalen Programm verpasst habe. Die Atmosphäre ist locker, improvisiert und entspannt, der Wein günstig. Früher durfte man rauchen, wenn keiner der Besucher was dagegen hatte. Ideal.

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In meinen ersten Jahren in Berlin sind sie mir aufgefallen und auf die Nerven gegangen, die Leute, die tunlichst ihren Kiez nicht verlassen. „Ich bin bis acht beim platzhalter (Arbeiten, Trommeln, Yoga, Wohnung streichen, …), vielleicht können wir uns bei mir um die Ecke treffen?“ „Also, wenn es geht, irgendwo auf dem Weg vom Büro zu mir nach Hause.“ „Na gut, dann halt in der Mitte zwischen Kreuzberg und Charlottenburg“. In der Mitte zwischen Kreuzberg und Charlottenburg liegt der Potsdamer Platz. Viel Geld für wenig Qualität. Und die Multiplexe, in denen der von mir favourisierte Film in die Besenkammer verbannt wird.

Ja, die Wege sind weit, und man ist zwangsläufig viel unterwegs. Dafür lebe ich in der Großstadt und nicht in Werder, Zeuthen oder Waldsieversdorf. Ich habe mir das ausgesucht und die meisten meiner bewegungsunwilligen Freunde auch. Und es ist doch spannend, auch andere Ecken zu entdecken als die ewig eigene? Ein guter Freund wurde es deshalb, weil er immer bereit war, sich mit mir an interessanten Orten zu treffen, die weder bei ihm noch bei mir um die Ecke lagen. Damals dachte ich, es liegt daran, dass er in Moabit wohnt.

Wegen ihm lebe ich heute auch in Moabit und ich habe mich letzthin bei dem frohen Gedanken ertappt, dass ich es bald nicht mehr verlassen muss. Denn neben einer Eisdiele, einer netten Kneipe, einem Irish Pub der besseren Sorte, einem coolen Waschsalon, einer durchaus akzeptablen Auswahl an Weltküche, meiner Lieblingsbuchhandlung, meinem Lieblingsblumenladen, Ali und vielem mehr hat eine Filiale der Dolce Pizza in der Turmstraße eröffnet. Ich war da und war glücklich.

Vielleicht ist das der Kiez: im Gegensatz zu Werder, Zeuthen und Waldsieversdorf hat er tatsächlich alles, was ein Verlassen unnötig macht. Leute, die ich neu kennenlerne, frage ich jetzt erstmal nach ihrer Postleitzahl.

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Endlich, endlich, endlich. Es gibt Eis in Moabit! In der Birkenstraße hat sich eine kleine feine Eisdiele mit dem appetitlichen Namen Cafe Caramel angesiedelt.

Für Prenzlauer- und Kreuzberger, Charlottenburger und Steglitzer mag der Jubel unverständlich scheinen, aber hier ist eine Marktlücke gefüllt worden, leckeres Bolleneis dessen Genuss weder einen fahrbaren Untersatz noch den Willen zu einem ausgedehnten Spaziergang voraussetzt. Und es ist gut. Keine großen Experimente, aber Qualität und es gibt Zabaione. Was will ich mehr?

Vielleicht ein feines Kuchen- und Tortenangebot in Laufnähe? Haben sie da auch. Die Favouriten sind bisher Walnuss-Krokant oder Mailänder Apfel.

Und für diejenigen, bei denen überraschend Samstag nachmittag Besuch kommt oder am Sonntag die Haferflocken aus sind, gibt es auch noch ein erstaunlich umfangreiches Biowaren und -weinsortiment.

Plus: die üblich verdächtigen Kaffee- und Schokoladenkreationen. Zum Mitnehmen oder schnell dort trinken. Feine Sache.

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