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Posts Tagged ‘Neil Jordan’

Ich.Komme.Zu.Nichts.
Hoffentlich nur im Moment, Zeiten ändern sich ja auch wieder.
Jedenfalls, zum Motto „Versteckt“ habe ich Der dritte Mann gezeigt, das hatten die Mitgucker sich irgendwie gewünscht und ich wollte ihn schon lange mal wiedersehen.
Und wissen Sie was? Der ist immer noch gut. Einer von den ganz Guten, sozusagen. Ich erzähle da auch gar nicht mehr dazu, denn entweder Sie kennen ihn oder Sie sollten ihn sich ganz schnell mal ansehen. So einfach ist das nämlich mit manchen Filmen.
Zu essen gab es eine Kräutersuppe, die gut aber nicht spektakulär war. Und Eton Mess, dieses Mal mit Himbeeren, dieser Hauch von Nachtisch, den ich mir bei Kurbjuhn abgeguckt habe. Geht auch mit Joghurtanteil, wenn nicht ausreichend Sahne im Haus ist. Aber nicht nur mit Joghurt, sonst ist es kein Eton Mess mehr.
Die Vorgabe für diese Woche war dann „Freundschaftsdienst“ und der liebe Freund kam entscheidungsunfreudig mit 4 Filmen an, aus denen es dann der Film Mona Lisa geworden ist. Ich war dafür, weil er erstens von einem meiner Lieblingsregisseure, nämlich Neil Jordan, ist und zweitens und wichtiger, weil Bob Hoskins die Hauptfigur spielt und ich es recht und billig finde, dass wir, wenn wir uns schon wenigstens informell den Cineastenstatus zuschreiben, großartige Filmleute im Todesfall nochmal extra würdigen. Das ist so meine Macke und ich habe festgestellt, auch die des lieben Freundes.
Zu bedauern war die Wahl dann auch keineswegs. Der Film ist ungewöhnlich vielschichtig, ein bisschen 80er, aber auf jeden Fall geeignet, um Diskussionen anzufachen über mögliche Interpretationen, Moral, Hass, Angst, Notwehr, Identifikation. Wer allerdings eine klare Botschaft möchte, lässt lieber die Finger von Mona Lisa.
Das Essen: Spargelsuppe (lecker, vom Mann), Auflauf aus Bulgur, Zucchini, Tomaten, Schafskäse – einer der wenigen vegetarischen Standards hier; sehr simpel, lebt von den Zutaten – und Rhabarberkompott mit Quark. Fein.
Das Motto fürs nächste Mal: Realitätsverlust.

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Jetzt hatte ich mir doch so fest vorgenommen, wenigstens die Dienstag abendliche Serie regelmäßig fortzusetzen und was muss ich feststellen? Ein paar Wochen echte Arbeit und ich bin drei Filme ins Hintertreffen geraten. Ich kann mich nur noch so gerade erinnern.

Der Klassenkampf wurde uns dann tatsächlich klassisch nahe gebracht, wir sahen Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt? – ich auch wirklich zum ersten Mal.

Fasziniert hat mich bei der stramm kommunistischen Abrechnung mit der Weimarer Republik die Nähe zur künstlerischen Avantgarde der frühen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, zu den Kunstformen des Agitprop. Neben aller Polemik – am Drehbuch schrieb Brecht mit, die Musik stammt von Hanns Eisler – wird die Geschichte der verarmenden Arbeiterfamilie, die ihre Wohnung verliert und deshalb in die Zeltkolonie „Kuhle Wampe“ am Müggelsee zieht, in der Sprache und der Ästhetik des neuen Mediums Film erzählt.

Ich fand auch Brechts Episches Theater, aber vielleicht war die eher hölzerne Darstellung doch anderen Gründen geschuldet.

Ich ging mit der Aufgabe „Zwischen den Kriegen“ in die darauffolgende Woche, wollte nicht so plump sein, und einfach „Cabaret“ zeigen, habe mir den Kopf zerbrochen und den Herren dann Michael Collins von einem meiner Lieblingsregisseure, Neil Jordan, vorgespielt.

Ein Spielfilm, in dem die sicher sehr subjektive Überzeugung zum Ausdruck kommt, dass der Freiheitskämpfer Michael Collins vom späteren ersten irischen Taoiseach und damaligen Kampfgenossen Eamon de Valera verheizt wurde, indem er in aussichtslose Verhandlungen mit den Briten geschickt wurde, aus denen er mit dem „Treaty“ zurückkam. Jener Vertrag, der die Teilung Irlands begründet und vom Unabhängigkeitskampf direkt in den Bürgerkrieg mündete.

Auf die zwei sich bekämpfenden Gruppierungen berufen sich auch die heutigen zwei großen Volksparteien Irlands, deren programmatische Unterscheidung einer Außenstehenden weder vergönnt war noch ihr von irischen Insidern überzeugend vermittelt werden konnte.

Doch zurück zum Film: leider habe ich wieder nicht den erlesenen Filmgeschmack meiner Mitseher ganz treffen können. Der Film war bei seinem Erscheinen 1996 in Deutschland einigermaßen gefloppt oder doch sehr umstritten. Jordan war historische Manipulation vorgeworfen worden – ein Vorwurf, den ich interessant, aber relativ haltlos finde, da es sich um einen Spielfilm und nicht um eine Dokumentation handelt. Manipuliert wird mit beidem, während die Fiktion wenigstens ehrlich Einfluss ausübt, da sie nicht vorgibt, mehr als Interpretation zu sein.

Und ganz persönlich: Den Mann, der ursächlich mit für die strenge Verbandelung der katholischen Kirche mit dem irischen Staat verantwortlich ist und der der Legende nach zur Nachricht vom Tode Hitlers ein Beileidstelegramm nach Deutschland geschickt hat, ein wenig negativ zu zeichnen, kann mich nicht wirklich bestürzen. Und einen zerissenen, aber im Herzen guten Liam Neeson als tragischen Helden sehe ich mir zudem gerne an. Doch das mag Geschmackssache sein.

Ich habe dem guten Freund „Historischen Mythos“ mit auf den gedanklichen Weg gegeben, was ihn in ziemlich verschlungen-brillianter Weise zu 1984 geführt hat. Den Metamythos sozusagen. Oder so. Kalt, am Ende perspektivlos, die Romanvorlage von George Orwell akkurat umgesetzt. Der letzte Film mit einem umwerfend zynischen Richard Burton. Fast zynisch angesichts der Depression dieses cineastischen Werkes ist auch die Vorgabe fürs nächste Mal: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Dies lässt mich befürchten, dass wir wieder keinen echten Schenkelklopfer zu sehen bekommen.

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