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Posts Tagged ‘Opfer’

Katyń von Andrzej Waida ist harte cineastische Kost, aber das war bei diesem Motto nicht anders zu erwarten. Es geht, wie der Name vermuten lässt, um die Massenmorde, die die russischen Mitbesatzer an polnischen kriegsgefangenen Offizieren an verschiedenen Orten in Russland verübt haben, für die stellvertretend das Massaker von Katyn steht.

Es geht um Polen und seine Menschen als Opfer der größenwahnsinnigen Machtansprüche seiner despotischen Nachbarn. Großartig und den Film im Kern erfassend ist die erste Filmszene, in der auf einer Brücke die Flüchtlichsströme zusammenprallen, der eine von Osten auf der Flucht vor der russischen Besetzung, der andere von Westen, weg von den deutschen Angreifern.

Dass die Massaker in der Tat von der Roten Armee auf Befehl von Josef Stalin verübt wurden, erscheint auch angesichts des schier unerträglichen Zynismus, mit dem beide Seiten nach dem Verrat der vorgeblichen Brüderschaft zwischen den menschenverachtenden Despoten der jeweilig anderen die Taten in die Schuhe schieben und das für sich propagandistisch nutzen, eher wie ein Zufall.

An der Geschichte mehrerer Angehöriger von verschwundenen Offizieren zeichnet Waida ein eindrüchliches Bild davon, welche Bedeutung dies vor allem für das neue Polen unter sowjetischem ‚Schutz‘ hat, das diese grausame Lüge unter dem Deckel halten muss. Die dies nicht tun oder nicht wollen, haben wenig Chancen zu überleben.

Ob ich mit der Vorgabe „Zwischen den Fronten“ beim nächsten Mal dann doch wieder einen Schenkelklopfer präsentieren kann – wer weiß?

Das Essen: bunt und wärmend; passt hier nicht her, gibt einen eigenen Post.

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Mein Film ist eine Komödie, weil ich nur so unerträgliche Qual darzustellen vermag. Todd Solondz

Welcome to the Dollhouse von Todd Solondz ist eine etwas andere Junior-Highschool-Komödie, rabenschwarz, erbarmungslos und realistisch.

Dawn, der von allen verlachte und von niemand unterstützte Teenager ist die ungeliebte mittlere Tochter, die nachvollziehbar abgelehnte Streberin. Erfahrene Erniedrigungen gibt sie schon mal nach unten weiter, sie ist eine Petze und eine Besserwisserin. Sie ist nicht unbedingt sympathisch.

Sie ist ein Opfer – wie fast alle in diesem Film – aber sie benimmt sich nicht wie eines. Sie lässt sich nichts gefallen, nicht von der Truppe cooler Jungs, die sie und andere quälen und mobben, nicht von der hysterischen auf die jüngere Schwester fixierten Mutter, nicht vom smarten älteren Bruder. Sie ist tough und ich fühle mit ihr als sie sich in den älteren, blitzschönen Herzensbrecher Steve verliebt, der sich die Computerkenntnisse ihres nerdigen älteren Bruders für die Highschool zunutze macht. Auch als sie den Zettel nicht ihrer verzogenen kleinen Schwester gibt, was zur Katastrophe führt.

Die Sache mit Steve wird bei Solondz natürlich nichts, aber immerhin reiht er sich nicht in die Parade ihrer Peiniger ein, mag es auch nur seiner bodenlosen Selbstverliebtheit zuzuschreiben sein. Die Katastrophe trifft im Endeffekt nicht die Schwester, sondern Dawn selbst. Aber ich bin ganz zuversichtlich: sie wird durchhalten und irgendwann dem Vorstadtparadies entkommen. Es wird nicht leicht und nicht ohne Verletzungen abgehen, aber sie schafft das schon. Was Solondz kann: schonungslos, ehrlich sein und dennoch Empathie erzeugen, seinen Figuren die Würde lassen.

Die Vorgabe war natürlich erfüllt, selbst wenn wir uns nicht ganz einigen konnten, was eigentlich genau der Begriff Vorstadt bezeichnet. Wie sehen Sie denn das? Das Motto für die nächste Woche lautet: „Opfer“. Weites Feld, mal wieder.

PS.: Essen war gut, der Orangensalat mit Roter Beete geriet allerdings mit zuviel Essig statt Zitronensaft etwas zu sauer (falls jemand das nachkocht, ich wäre sehr interessiert wie es geworden ist), die Käsespätzle bergen keine negativen Überraschungen – Essen für die Seele, Waldbeerenjoghurt, auch fein.

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…oder was sonst lässt mich gelegentlich eine so große Distanz zum jungen Volk empfinden? Und nicht nur, wenn es um Justin Bieber geht.

Bin ich nur spießig, wenn ich die mittlerweile gängige Beschimpfungsformel ‚Opfer‘ für ein weiteres Indiz einer rückwärts gewandten Bewegung hin zum frühkapitalistischen Recht des Stärkeren und weg von der Zivilisation und ihren Errungenschaften (Abschaffung der Todesstrafe, Empathie als Handlungsgrundsatz, UN-Resolution gegen Folter, Gleichberechtigung der Religionen, Rassen, Geschlechter, Lebensformen, etc.) halte? Sehe ich es mal wieder zu eng?

Andererseits gehört dies hier zum witzigsten, was ich bisher diese Woche gelesen habe:

Am Samstagabend gehen wir mit unserer Ersatzfamilie essen im „Mädchen ohne Abitur“ und ich erzähle, dass mich neulich eine Freundin fragte, was mit meinem Bauch los sei. Sie dachte, ich wäre schwanger, und ich schämte mich und meinte nur, äh, vielleicht bin ich dicker geworden, weiß nicht.
Aurélie schüttelt den Kopf. „Das war eine total dumme Antwort“, sagt sie mit diesem wunderbaren französisch-englischen Akzent, den außer ihr niemand auf der Welt hat. „Also, du hättest einfach sagen müssen: Das ist meine Wampe, du Opfer!“ (Margarete Stokowski in der taz vom 29.03.2011)

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