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Posts Tagged ‘Polanski’

Ein adäquates Essen hätte es vor dem dienstäglichen Filmgucken kaum geben können: so wie ich den an ein Veto grenzenden, dringlichen Wunsch geäußert habe, bei der wöchentlichen Auswahl für den Filmabend das Genre der Horror- und Gruselfilme auszusparen, möchte der liebe Freund beim vorhergehenden Abendmahl keinerlei fleischliche Zutat auf dem Teller vorfinden.

Wenn man die Vorgabe eher in einem erotischen Zusammenhang verstehen mag, dann hätten sich natürlich Möglichkeiten ergeben: Spargel, Artischocken, Ingwer oder andere Speisen, denen gemeinhin Lustempfinden steigernde Eigenschaften angedichtet zugesprochen werden. Da ich zwar für die Kulinarik, aber nicht fürs Kino zuständig war, wusste ich gar nicht, in welche Richtung es geht und habe deshalb weiter daran keinen Gedanken verschwendet. Es gab einen soliden gemischten Salat zur Vorspeise, zum Leidwesen der großen Tochter mit Ei, und sehr gelungene Zwetschgenknödel zur Haupt- und gleichzeitig Nachspeise. Das Rezept dazu stelle ich auf Wunsch einer guten Freundin baldigst ein.

Die Filmauswahl folgte dann tatsächlich der erotischen Auslegung. Ich war dankbar, mich weder mit dem in furchtbarer Erinnerung gebliebenen The Cook, the Thief, his Wife and her Lover noch mit dem verstörenden La grande bouffe (Das große Fressen) konfrontiert zu sehen, die ich übrigens hintereinander einmal vor langen Jahren in einer langen Filmnacht des damals einzigen Augsburger Programmkinos gesehen und erlitten habe.

Verstörend ist die katastrophale Geschichte einer Leidenschaft in Bitter Moon von Roman Polanski allerdings auch. Und faszinierend. So faszinierend, wie die beiden Liebenden füreinander, im Positiven wie im Negativen, und so faszinierend wie die beiden für den verklemmten jungen Engländer – hervorragend dargestellt von Hugh Grant – sind, der ihnen und ihrer zerstörerischen Erzählung in der klaustrophobischen Enge eines Kreuzfahrtschiffes ausgeliefert ist, weil er nicht mehr von ihnen lassen kann. Obwohl ich den Film nicht zum ersten Mal gesehen habe, blieben seine Bilder noch einige Tage bei mir.

Die Vorgabe war gut erfüllt und nun ist die Reihe wieder an mir: „Mein ist die Rache.“ Scheint einfach. Oder?

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Warum nicht?

Es beschäftigt mich, seit ich davon gehört habe. Und ich kann es mir bis jetzt nicht erklären, warum sich die Welt so darüber echauffiert, dass Roman Polanski zur Verantwortung gezogen werden soll für ein Verbrechen, dass er zugegebenermaßen begangen hat. Ohne Frage stimmt es nachdenklich, dass die Ankläger in den USA über 30 Jahre gebraucht haben, um die Flucht des weltbekannten Regisseurs zu fassen. Auch ist es zulässig zu hinterfragen, warum der oberste Staatsanwalt in Los Angeles ausgerechnet jetzt den Fall wieder aufrollt. Doch das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wenn Polanski, was er offenbar nie bestritten hat, ein minderjähriges Mädchen mit Alkohol abgefüllt und dann vergewaltigt oder sexuell missbraucht hat, und dieses Verbrechen – wie ich finde, zurecht – nach geltendem Recht nicht verjährt ist, bin ich froh, dass es in dieser Gesellschaft noch jemand kümmert, dass er dafür bisher nicht zur Rechenschaft gezogen wurde. Auf komplette Blödheiten wie Whoopi Goldbergs Annahme, dass es sich sicher nicht um eine Vergewaltigung-Vergewaltigung gehandelt habe, mag ich gar nicht erst eingehen. Oder liege ich komplett falsch?

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