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Posts Tagged ‘Retsina’

Die Überlegungen zu Wein im irischen Pub haben mich darauf gebracht: warum gibt es immer wieder Ess- und Trinkbares, das nur in seinem Herkunftsland richtig gut schmeckt? Bei Meeresgetier und Mango ist dies leicht mit dem Frischeargument zu erklären. Aber was ist mit Guinness? Warum erscheint das samtschwarze Gesöff mit der Haube aus cremigem Schaum im Pub in Dublin wie von einem keltischen Gott den Menschen als Geschenk dargebrachte Verführung und im Fiddler’s Green um die Ecke nur als müder Abklatsch mit deutlicher Karamalznote?

Was mir da an Erklärungen schon alles unter kam: es liegt am Gas, mit dem das Bier gezapft oder vom Keller hochgepumpt wird (wird Bier gemeinhin mit Gas gezapft?), welches in Deutschland nicht erlaubt ist, für den Export wird es anders gebraut – auch hier gelegentlich mit der Komponente, dass das Original die strengen Lebensmittelkontrollen in Deutschland nicht besteht. Vielleicht hat es doch einen Grund, dass Barkeeper in Irland ein Ausbildungsberuf ist. Einer der wenigen, dafür dauert die Lehrzeit extra lange. Und dafür gibt es an einer Bar auch nichts Schnelleres, Kompetenteres und Faszinierenderzubeobachtendes als einen irischen Barmann. Vielleicht liegt es dennoch an etwas anderem.

Freunde haben vom mitgebrachten Retsina bei der Rückkehrfeier im griechischen Stil nur heftige Kopfschmerzen davon getragen, keineswegs den Zauber warmer Mittelmeernächte. Meine Mutter mochte Asti nur in Italien. Interessanterweise würde er sie heute auch auf der Terrasse eines kleinen Hotels an der Riviera nicht mehr begeistern. Aber die Änderungen des Volksgeschmacks sind ein anderes Thema. Im eigenen Wohnzimmer mochte sie ihn jedenfalls noch nie.

Wir haben kistenweise Kaffee, Tee, Oliven und einmal sogar Tonic Wasser aus anderen Landen importiert, die Rucksäcke vollgestopft damit, den alten Passat bis zur Beugegrenze beladen. Um die Unbeschwertheit des Reisens wenigstens noch kulinarisch ein wenig zu verlängern. Um den grauen Winter mit ein bisschen Fernweh zu würzen. Doch der Zauber hat nicht mehr gewirkt. Eines der Highlights war ein Oliventopf zur Aufbewahrung der mitgebrachten kleinen Schwarzen aus der Provence. Sie waren nach zweieinhalb Wochen verschimmelt, keine Ahnung, wie man sie haltbar bekommt. Egal, denn hier haben sie gar nicht so gut geschmeckt. Zuhause mag ich gar nicht jeden Tag Oliven essen.

Der Freund, mit dem ich damals unterwegs war, hat letztens seinen Hausrat entmüllt. Als ich zu Besuch kam, stand der Oliventopf auf dem Tisch. Ob ich den mitnehmen möchte, der sei damals bei ihm gelandet, aber Verwendung habe er dafür eigentlich nie gefunden. Ich widerstand meinen Anwandlungen von Nostalgie und Sentimentalität und überließ den Topf einem unbestimmten Schicksal. Möge er jemandem in die Hände fallen, der Oliven auch in den hiesigen Gefilden zu schätzen weiß und überdies ein brauchbares Rezept zur Konservierung hat. Man kann ihn sicher auch mit Gummibärchen füllen.

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