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Posts Tagged ‘Rote Bete’

Am Sonntag war ein vegetarischer Freund zu Gast. Ich konnte mich austoben: drei Gänge gänzlich ohne Fleisch. Die Herren waren wandern, ich habe Kinder ins Theater ausgeführt.

Kleiner Einschub zum Thema Kultur mit Kind in Berlin: Hans Wurst Nachfahren sind verlässlich gut, auch für Erwachsene mehr als nur zu ertragen. Es gibt ein kleines Cafe zum Draußensitzen. Üblicherweise wird es voll. Richtig voll, weshalb man nicht zu lange im Cafe draußen verweilt, sondern sich ca. 20 Minuten vor Beginn an die Saaltüre stellt, um dann nicht in der letzten oberen Ecke die nächsten 45 Minuten mit je einem Kind auf dem angewinkelten Knie zu verbringen. Vorbestellen ist ratsam. Ich war mir beim „Sängerkrieg der Heidehasen“ nicht ganz sicher mit der Altersangabe. Für 4-jährige finde ich es teilweise noch schwer zu verstehen, außer natürlich für diejenigen, die den anderen sowieso weit voraus sind. Aber mit denen kann man ja dann auch schon in die Deutsche Oper gehen. Für die anderen schien es mir, wie gesagt, ein wenig ambitioniert. Den beiden mitgebrachten Kindern, 4 Jahre, hat es allerdings trotzdem gefallen, auch wenn sie die Geschichte nicht ganz nachvollziehen konnten.

Wieder zu Hause gab es bei lamiacucina entdeckte Rote Bete Caprese allerdings ohne Pistazienpesto, weil ein solches Pesto aber mit Mandeln ja schon letzte Woche entstanden war. Daher gab es auch keinen Essig in meinem Pesto, so dass ich den getrennt darüber geträufelt habe. Irgendwie ist er aber nicht wieder aufgetaucht im Geschmackserlebnis. An sich ist das Gericht toll, bei mir fehlte es an Würze für den doch sehr subtilen Geschmack von Fave, Mozzarella und leider auch der Roten Bete. Meersalz und Balsamico wurden offenbar aufgesaugt. Mein Tipp fürs nächste Mal: ganz neue junge Randen, nicht ganz weich gekocht, dünner geschnitten als ich das getan habe und wie im Rezept angegeben noch lauwarm auf den Tisch gebracht und man hat ein großartiges Essen, das farblich kaum zu überbieten ist.

Die Lauchquiche aus dem goldenen Vegetarisch-Kochbuch von Gräfe und Unzer war weder raffiniert noch schwierig, hat auch gut einen Teil Dinkelvollkornmehl vertragen und prima geschmeckt, obwohl sie zu lange im Ofen gestanden hatte. Ungewöhnlich fand ich das Wasser im Mürbteig, das sich extrem vorteilhaft auf die Handhabbarkeit des Teigs auswirkt. Die Füllung besteht aus 3 Stangen feingeschnittenem, gedünstetem Lauch, 150 g Creme Fraiche, 4 Eiern, 100 ml Milch, 200 g Bergkäse, Salz, Pfeffer, Gewürz nach Wahl wie Muskatnuss, Paprika, bei Bedarf auch etwas Schärferes.

Dazu einen einfachen Blattsalat, bei mir war es Romana, mit einer – Lob muss auch mal sein – nahezu perfekt gemischten Vinaigrette aus Brombeeressig, Salz, Pfeffer, Apfelsaft und Sonnenblumenöl.

Dessert war ein bewährtes, gut gelungenes, und selbst vom kritischsten Esser am Tisch gelobtes Quarkmousse mit Heidelbeerkompott, wobei sich hier für mich einmal wieder bewahrheitete, dass ich lieber mit saisonalen frischen Früchten arbeite als mit Tiefkühlkost und Zuchtheidelbeeren sowieso nicht viel abgewinnen kann. An die Zutaten für das Pistazienkrokant hatte ich dieses Mal nicht gedacht, das würde ich nächstes Mal wieder tun, denn das Krokant liefert das Tüpfelchen und kann vielleicht über das flache Aroma der TK-Heidelbeeren hinwegtrösten.

Netter Gast, schöner Abend, gutes Essen. So lobe ich mir den Wochenendausklang.

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Das Motto gibt viel her. Thelma & Louise, den ultimativen Freundinnenfilm, habe ich in diesem Rahmen schon gezeigt. Eine gar nicht so lange Recherche hat ergeben, dass auch ein Trotta-Film oder ein finnischer Thriller als erster Film des neuen Jahres gezeigt hätten werden können.

Aber ich habe mich trotz des blöden deutschen Titels Schwedisch für Fortgeschrittene für die schwedische Produktion Heartbreak Hotel entschieden. Und es war eine gute Wahl. Keine brillante, dazu gab es zu viele Ungereimtheiten, zu viele wenig erklärte Entwicklungen zum Positiven. Aber eine gute.

Zwei Frauen in den Vierzigern, die sich gerade oder vor kurzem von ihrem jeweiligen Mann getrennt haben, begegnen sich und freunden sich nach anfänglicher Beschimpfung an. Sie ziehen gemeinsam um die Häuser, bzw. ins Heartbreak Hotel zum Tanzen, bereit für Abenteuer, fast bereit, sich von eigenen und fremden Vorstellungen eines gesetzten Lebens als alleinstehende Frau mit erwachsenem Kind zu lösen.

Ich verzeihe dem Film seinen Mangel an Konsistenz oder Realitätssinn für seinen Esprit und seine Ehrlichkeit im Umgang mit den beiden Hauptdarstellerinnen.

Sie sind echt peinlich, wenn sie – sich mit Tequila betrinkend – viel jüngere Männer bedrängen, denen man ihre abrupte Flucht nicht übelnehmen mag, wenn sie auf der Tanzfläche zu Boden gehen und am Schluss die Polizisten anbaggern, die sie nach Hause bringen, weil sie es selbst nicht mehr vermögen. Man möchte seine eigene Mutter nicht so sehen, wie die Tochter einer der Protagonistinnen, die mit Freundinnen in dieselbe Diskothek kommt, es auch nicht will.

Aber sie sind gleichzeitig nachvollziehbar und unglaublich komisch – in ihrem Danebenbenehmen und in ihrer verkaterten Reue. Sie sind so, dass ich mir vorstelle, dass auch ich es sein könnte, die…. Der Film ist unterhaltsam und wahrhaftig und seine weiblichen Hauptfiguren sind unvollkommen, aber überaus sympathisch. Und deshalb lohnt er sich. Sehr.

Ebenfalls wahrhaftig und sympathisch, wenn auch unvollkommen, war das vorhergehende Abendessen mit Romanasalat mit Birnen, Halloumi und Linsenvinaigrette (das probieren wir nochmal mit geschleudertem Feldsalat und reiferen/aromatischeren Birnen; wenn es dann schmeckt, folgt die Beschreibung), zum Hauptessen die bodenständige Rote Bete, mal schon wieder als Gratin: einfach und gut; und zum Dessert eine Quark-Joghurt-Sahne-Creme Double-Creme mit Orangen-Grapefruit-Kompott, bei dem der karamellisierte Zucker knapp am Verbrennen – und damit Verbittern – vorbeigeschrammt ist. Auch das geht besser.

Ich freue mich riesig aufs nächste Mal. Da zeigt der liebe Freund einen Film nach der Vorgabe „Alte Schabracken“. Das kann nur gut werden.

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Im Moment schreibe ich nicht so gerne. Das liegt ein bisschen daran, dass es mich vom Steuererklären abhält und in erster Linie, weil der Rücken schmerzt. Aber was muss, das muss und zwar gleich doppelt: zu „Alles aus Liebe“ zeigte der liebe Freund nun schon vor zwei Wochen den letzten Mike Leigh-Film, Another Year, bei dem ich wunderbarerweise einfach auf früher Geschriebenes verweisen kann.

Da es bereits wieder spät war, als wir anfingen zu gucken und ich aus wirbelsäulentechnischen Gründen im Liegen schaute, bin ich relativ früh relativ tief eingeschlafen. Ich kann also leider nicht sagen, ob ich ihn dieses Mal anders beurteilt hätte. Zu essen gab es vorher nochmal Zwetschgenknödel, für die ich sicher demnächst das Rezept einstelle. Wirklich.

Für den vergangenen Dienstag war das Motto „Das Herz ist ein einsamer Jäger“, erfüllt durch das ungewöhnliche, spritzige und witzige Werk von Amos Kollek Fast Food, Fast Women. Es geht um die Suche nach Liebe in verschiedenen Lebensabschnitten, darum, mehr Aufregung in Sonntagvormittage zu bringen, um die falschen Lügen und die gerechte Belohnung für couragiertes Auftreten. Um was noch und wie, finden Sie mal lieber selbst heraus, es lohnt sich.

Immer noch liegend war es mir dieses Mal keine Anstrengung, die Augen bis zum Ende offen zu halten. Was sagen Sie dazu, Herr Leigh?

Zu essen gab es das genial einfache Rote-Bete-Gratin (Bete kochen, schälen, in Scheiben schichten, salzen, pfeffern, Sahne drüber und mit Käse überbacken. Total köstlich) mit Pellkartoffeln, danach Quitten aus dem Ofen (gewaschen und halbiert, zusammen mit Ahornsirup, Zitronensaft und -zeste, Lorbeerblatt, Zimtstange, Zucker und halb bedeckt mit Wasser, 170° bis sie weich sind, also ca. 2 Std.) mit Vanilleeis und Cantuccini. Auch gut.

Nächstes Mal ist die Reihe wieder an mir, ich muss etwas finden zu „Lob der Schnelligkeit“. Autorennen sind nicht so mein Ding…

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Darauf bin ich stolz, habe ich es doch selbst erfunden. Und die Kochbücher, die es aufgreifen, ohne dass ich bewusst mit den Autoren (Jamie Oliver oder Cornelia Schinharl vom sehr interessanten Biokistenkochbuch) in Kontakt getreten bin? Ich weiß es nicht, ehrlich nicht. Also gut, dass ich es auch mit Kürbis ausprobiert habe, das kann schon die Anregung durch Oliver gewesen sein. Aber der Rest, der kommt von mir.

Es ist super simpel und super lecker: man kann alles nehmen, was wurzelig oder knollig ist oder scheint. Ich habe bisher genommen: Rote Bete, Karotten, Pastinaken, Kartoffeln, Goldrübchen und eben Kürbis. Und Fenchel. Letzterer zählt zwar zum Wurzelknollengemüse, aber es hat nicht gefunzt – Fenchel wird trocken und zäh in dieser Zubereitungsart. Kürbis gehört nicht zu den Wurzeln, auch nicht zu den Knollen und es funktioniert trotzdem. Hervorragend.

Was den nun? Man schält alles dieses Gemüse (außer den Hokkaidokürbis, wenn es denn einer ist; bei allen anderen ist das Geschmackssache, ich mag Schale nicht so gern) und schneidet es in Spalten oder Hälften (Karotten z.B.), legt sie auf ein entweder geöltes oder mit Backpapier ausgelegtes Backblech, beträufelt sie mit Olivenöl und Gewürzen. In meinem Fall war es Raz al Hanout, eine nordafrikanische Mischung aus relativ vielen, darunter auch blumigen Bestandteilen, die ich vor ein paar Monaten kennengelernt habe und in meiner Küche nicht mehr missen mag. Genauso gut funktioniert übrigens Baharat, arabischen Ursprungs mit nicht ganz so vielen Bestandteilen, sehr morgenländisch. Darüber grobes Meersalz, wenn Sie das nicht haben, geht auch anderes. Ob noch frischer Pfeffer darüber gemörsert wird, hängt davon ab, welche Mischung und ob sie eine verwenden, in der dann eventuell bereits Pfeffer enthalten ist.

Das alles kommt bei 200° in den Ofen. Und jetzt treffen sie auf die einzige Schwierigkeit bei diesem Essen – wenn man mal von den violett-rot eingefärbten Händen durch die Bearbeitung der Roten Bete absieht: die verschiedenen Gemüse brauchen vermutlich verschieden lang. Kürbis geht relativ schnell, ca. 25 Minuten, Rübchen brauchen entgegen meiner Vermutung genauso lange, wenn nicht ein paar Minuten mehr, (kleine) Kartoffeln wiederum sind nach 25-30 Minuten weich. Definitiv länger braucht die Rote Bete, die man deshalb am dünnsten schneidet, und/oder früher in den Ofen gibt oder vorkocht. Ich persönlich habe das Problem noch nicht zu meiner vollsten Zufriedenheit gelöst, aber den Gästen scheint es bisher nicht aufgefallen zu sein.

Das alles kommt in eine Schüssel oder auf eine Platte und ist ein farblich überzeugendes, vegetarisches Hauptessen. Dazu reiche ich Joghurt oder angerührten Ziegenfrischkäse oder beides gemischt mit Kreuzkümmel, Salz und Knoblauch. Letztes Mal habe ich den Knoblauch nicht in die Frischkäsecreme gegeben, sondern in ganzen Zehen mit aufs Blech gelegt. War auch fein. Gurkensalat passt dazu, gerne auch mit frischer Minze und Zitrone angemacht, Weißbrot, am besten als Fladen. Ganz phantastisch macht sich gehacktes Koriandergrün zum Drüberstreuen. Für die, die es mögen im Schälchen nebenhin gestellt.

Die Gäste waren jedes Mal begeistert und selbst mein härtester Kritiker, zumal wenn es um vegetarische Küche geht, weiß meist nicht richtig was daran auszusetzen und vermisst nicht wirklich das Steak als Beigabe. Das allerdings gibt er nicht zu.

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