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Posts Tagged ‘Todd Solondz’

Mein Film ist eine Komödie, weil ich nur so unerträgliche Qual darzustellen vermag. Todd Solondz

Welcome to the Dollhouse von Todd Solondz ist eine etwas andere Junior-Highschool-Komödie, rabenschwarz, erbarmungslos und realistisch.

Dawn, der von allen verlachte und von niemand unterstützte Teenager ist die ungeliebte mittlere Tochter, die nachvollziehbar abgelehnte Streberin. Erfahrene Erniedrigungen gibt sie schon mal nach unten weiter, sie ist eine Petze und eine Besserwisserin. Sie ist nicht unbedingt sympathisch.

Sie ist ein Opfer – wie fast alle in diesem Film – aber sie benimmt sich nicht wie eines. Sie lässt sich nichts gefallen, nicht von der Truppe cooler Jungs, die sie und andere quälen und mobben, nicht von der hysterischen auf die jüngere Schwester fixierten Mutter, nicht vom smarten älteren Bruder. Sie ist tough und ich fühle mit ihr als sie sich in den älteren, blitzschönen Herzensbrecher Steve verliebt, der sich die Computerkenntnisse ihres nerdigen älteren Bruders für die Highschool zunutze macht. Auch als sie den Zettel nicht ihrer verzogenen kleinen Schwester gibt, was zur Katastrophe führt.

Die Sache mit Steve wird bei Solondz natürlich nichts, aber immerhin reiht er sich nicht in die Parade ihrer Peiniger ein, mag es auch nur seiner bodenlosen Selbstverliebtheit zuzuschreiben sein. Die Katastrophe trifft im Endeffekt nicht die Schwester, sondern Dawn selbst. Aber ich bin ganz zuversichtlich: sie wird durchhalten und irgendwann dem Vorstadtparadies entkommen. Es wird nicht leicht und nicht ohne Verletzungen abgehen, aber sie schafft das schon. Was Solondz kann: schonungslos, ehrlich sein und dennoch Empathie erzeugen, seinen Figuren die Würde lassen.

Die Vorgabe war natürlich erfüllt, selbst wenn wir uns nicht ganz einigen konnten, was eigentlich genau der Begriff Vorstadt bezeichnet. Wie sehen Sie denn das? Das Motto für die nächste Woche lautet: „Opfer“. Weites Feld, mal wieder.

PS.: Essen war gut, der Orangensalat mit Roter Beete geriet allerdings mit zuviel Essig statt Zitronensaft etwas zu sauer (falls jemand das nachkocht, ich wäre sehr interessiert wie es geworden ist), die Käsespätzle bergen keine negativen Überraschungen – Essen für die Seele, Waldbeerenjoghurt, auch fein.

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