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Posts Tagged ‘Umzug’

St. Martin

Laternenumzug, ach wie rührend. Mit den Kleinen durch den dunklen Novemberabend ziehen, Liedchen trällern, an deren erste Strophe ich mich bis heute erinnere als wäre es gestern. Am liebsten noch mit weißem Pferd voraus – ein Highlight des mütterlichen Daseins. Wie glänzende Kinderaugen, in denen sich die Lichter des Weihnachtsbaumes spiegeln…

Highlight, ja klar. Das Kind quengelt, meist von Anfang an, weil es ihm zu kalt ist, die Laterne ständig vom Stock fällt, es neben hmhmhm gehen will, die aber lieber mit sososo läuft. Früher ist die Laterne abgebrannt, oder das Selbstgebastelte war nicht winddicht genug, um das Teelichtflämmchen am Leuchten zu halten. Heute sind die Batterien alle oder das Billigplastikding hat einen Wackelkontakt. Irgendwas ist immer. Manchmal findet man das Kind im Dunkeln nicht mehr, vor allem, wenn sich verschiedene Martinsumzüge mischen, was in der großen Stadt schon mal vorkommt. Martinsumzugsstau.

Bei den Würstchen/ dem Süßkram danach ist dann alles zu spät: die Kinder sind müde vom Tag und enttäuscht vom Umzug (siehe oben), die Eltern wollen nochmal kurz mit dem befreundeten Erstklasselternpaar reden, die Kinder zerren und nölen, wollen Würstchen/ noch eine Süßigkeit, bekleckern sich mit Ketchup, kippen dem Nebenkind den Kakao über den Mantel. Das wärmt bestenfalls noch ein paar Minuten, dann wird es in der jahrzeitlich bedingten Witterung kalt im feuchten Gewand.

Dieses Jahr war die Krönung. Die DrecksLaterne war noch nicht fertig, als ich zum Abholen kam. Ich musste mit fertigbasteln. Nein, falsch: ich musste fertigbasteln. Das Kind hat unterdessen Puppenhaus gespielt. Habe ich schon mal erwähnt: ich bin da nicht gut drin? Und ich mache es auch nicht gerne, keineswegs. Nicht mit Schere, nein, nicht mit Klebstoff. Auch nicht mit Papier und Draht. Ich bastle so gerne wie ich nähe…

Beim Befestigen des völlig schief gefalteten Eulenschnabels – im Stehen, einhändig, Flüssigkleberflasche mit verstopfter Düse und zugegebenermaßen starkem Druck, um die Verstopfung zu beheben – ist der vordere Teil abgesprungen und der ganze schöne Flüssigkleber im Schwall auf Hemd (meines, apropos hat jemand ein altes Hausmittel? Entfernen von UHU aus Baumwolle? Hierher bitte. Schnell.), Stuhl, Tisch und Boden. Nur ein sehr letzter, sehr verborgener Rest an Countenance und Schamgefühl hat mich davon abgehalten, alles in die Kleberpfütze zu schmeißen, den Plastiklaternenstab mittendurch zu brechen, mein Kind an einen der nebensitzenden Bastelväter abzugeben, der Erzieherin den Hals zu brechen und unter lautem Schluchzen das Gebäude zu verlassen und einen Schnaps trinken zu gehen.

Mein Kind und eventuell auch andere Familienmitglieder werden mir lange dankbar sein für diesen letzten Rest, hoffe ich. Es wurde dann noch ganz nett. Ich habe mein Kind nur zeitweise nicht wieder gefunden. Gequengelt hat es nur, weil es in der Kirche beim Martinsspiel nichts sehen konnte, weil ich nach gefühlt mehreren Stunden nach Hause gehen wollte und auf dem Heimweg, weil es keinen Kakao, keine Marshmellows und keinen Lolli bekommen hat. Sie wusste nämlich nicht, dass es das alles gibt. Hat ja auch eigentlich nix mit Martin zu tun.

Jetzt habe ich auch noch läuten hören, dass er gar nicht der Wunderknabe war, als den man ihn gerne so hinstellt, der gute Martin von Tours, der uns wohl diesen Krampf eingebrockt hat: 20.000 Sklaven soll er gehabt haben und recht brutal in seiner Begeisterung für den christlichen Glauben und seinem Bemühen, diesen den gottlosen Galliern beizubringen, soll er obendrein gewesen sein. Davon erzählt natürlich wieder keiner, aber ich habe mir immer schon gedacht, dass was nicht stimmt mit diesem Typen.

Die Erzieherin würde nächstes Jahr lieber Drachen basteln. Finde ich gut. Solange ich nicht mitbasteln muss.

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Es wird besser. Nicht gut, aber definitiv besser. Nach einem Mittelding zwischen Schlachtplan und Pause. Jetzt ist es nur noch ein Zimmer, das allerdings rappelvoll mit Kartons und anderem steht. Meine Befürchtung ist, es wird wie mit Rubik’s Cube oder den Plastik-Schiebepuzzles aus der Kindheit: beim letzten Teil geht alles wieder alles im Chaos unter, aus man es vorher schon heraus geholt hat. Ich konnte das nie, habe es nie zu Ende gebracht. Vielleicht reicht die Zimmeranzahl ja auch so?
Ich glaube, eine neue Liebe nimmt ihren Lauf – das Charlottenburg, das mich hier umgibt, gefällt mir ausgesprochen gut. Eine schier therapeutisch erholsame halbe Stunde habe ich am Sonntag morgen vor dem Brotgarten verbracht, die Straßen hinter dem Klausener Platz könnten Gassen sein. Es gibt zu gucken, zu entdecken, zu finden. Manchmal werde ich schon ungeduldig, weil mir die Vertrautheit fehlt.
Vor ein paar Tagen habe ich die Vormieterin getroffen, sie geht im bekannten Kiez einkaufen, das „geht schneller als bei uns da draussen, da kenne ich mich noch nicht aus“. Ich habe sie ganz gut verstanden.

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Es geht nur sehr langsam voran. Nun rächt sich, dass das Leben ein paar Wochen brach lag: der Alltag, das Fortkommen, die Organisation des Kommenden fordert jetzt seinen Tribut und lässt mich nicht mit voller Kraft das neue Zuhause schaffen. Die Nerven liegen blank, der Körper schmerzt angesichts der exzessiven, weil ungewohnten, körperlichen Arbeit.
Filmabend hat noch keiner stattgefunden. Unterschiedliche Prioritäten und Mentalitäten treffen aufeinander und vertragen sich nicht immer gut. Müssen die Lampen denn alle schon an Ort und Stelle hängen, wenn das Kinderzimmer noch nicht nutzbar ist? Warum wird ein Regal an einer Stelle aufgehängt, an der eventuell ein Stuhl Platz finden muss. Vielleicht ja aber auch nicht. Und das Regal ist aus dem Weg, die Dinge, mit denen es gefüllt wird, ebenso.
Beim Auspacken lässt sich vortrefflich ein zu nahegehendes Fußballspiel verfolgen; ohne das ganze Leid vom 1:0, über die rote Karte zum endgültigen 2:0 und dem Nichtaufstieg durchstehen zu müssen. Nur punktuelle Enttäuschung hält starke Gefühle in Grenzen. Immerhin haben die Jungs vom FCA nichts verloren, nur nichts dazugewonnen, halt. Vielleicht sind sie noch nicht soweit. Möchte ich glauben.
Zurück zum Wichtigen. Die Küche ist fertig, funktionsfähig, ganz schön geworden. Nur eben mit einem Regal am eventuell falschen Platz. Aber auch das könnte man ja wieder abhängen. Wenn es denn mal einem SDtuhl Platz machen müsste.

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Es schwankt. Es schwankt zwischen dem Gefühl, im absoluten Chaos zu ertrinken, kein Land zu sehen, am Eingepackten und Nichtwiederauffindbaren zu verzweifeln und einem unbestimmten Optimismus, wenn ein Stück mehr Kubikraum freigeschaufelt und ein Karton mehr erfolgreich entleert ist. Oder das erste einfache Mahl auf dem neuen Herd gekocht ist. Oder die Türe zum Bad nachts nicht mehr aufbleiben muss, weil es ein eigenes Licht bekommen hat und nicht mehr beim Flur schmarotzen muss.

Mehrere Freunde waren beeindruckt, weil die Technik schon halbwegs funktioniert und komplett einsetzbar ist. Das ist prima, stimmt eigentlich. Es wird so langsam. Bestimmt…

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Denke ich jedesmal, wenn ich die neue Wohnung betrete. Da wir bis zur letzten Aprilminute und darüber hinaus mit der alten Wohnung beschäftigt waren, ist hier nichts passiert. Keine kleinen, unsichtbaren Helfer sind des Nachts herumgewuselt und haben das Schiff klargemacht. Es bleibt wieder alles an uns hängen.

Eigentlich hätte ich mir denken können, dass, was sich so gegens Eingepacktwerden gesträubt hat, noch größere Zicken beim Auspacken macht. Trotz 12 weiterer qms habe ich keine Ahnung, wo das ganze Zeug hin will. Oder soll.

Dabei möchte das Leben jenseits des Wohnungswechsels doch auch wieder aufgenommen werden….

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Entweder ich packe die Nacht durch und muss morgen beim Umzug selbst passen. Oder ich packe während die anderen umziehen. Juhu, ich komme drum rum…
Kann man durch Umziehen eine Stauballergie entwickeln? Vielelicht muss ich aufhören, Bücher einzukartonieren.
Die gute Seite an der Sammelleidenschaft des geliebten Mannes: wir haben genug Einwickelpapier durch mehrere Jahrzehnte taz. Nachteil: eine Doppelseite taz packt nicht viel ein. Die Zeit wäre besser gewesen. Alles relativiert sich.
Belesene Männer sind überbewertet.

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Pausen eignen sich gut zum Umzugstagebuch schreiben, jedenfalls so lange wie ein funktionierender Rechner mit funktionierendem Internetanschluss bereitsteht.

Je mehr eingepackt ist, desto größer wird das Chaos. Wie ist das möglich? Ich sortiere nicht mehr so gründlich aus wie in den Tagen zuvor – keine Zeit mehr. Selten wünsche ich mir die Zeit bereits vergangen. Im Moment möchte ich das Wochenende bereits hinter mir haben. Oder nicht teilnehmen müssen. Stattdessen einen Ausflug ins Grüne, an einen See, ein bisschen Sonne die Nase kitzeln lassen…

Na gut, ich muss wohl hingehen, zu diesem unserem Umzug. Und danach wird alles schön? Von wegen: dann geht es ans Auspacken, Nicht-Unterbringen, Geld für ungeliebte Stauraummöbel ausgeben. Und ans Leerräumen und Aufräumen und Saubermachen und vielleicht sogar Streichen der alten Wohnung. Es wird mindestens Wochen dauern, bis wieder ein Zuhause exisitiert.

Nächstes Mal lasse ich es nicht soweit kommen. Ab jetzt werde ich regelmäßig ausmisten und hinter den Büchern die Regale abstauben. Versprochen.

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