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Posts Tagged ‘vor der Hochzeit’

Der dritte Film zum Thema war etwas ganz anderes: der liebe Freund hat uns eine klassische amerikanische Screwball-Komödie aus den 1940-ern, The Lady Eve (Die Falschspielerin), gezeigt. Da ich früher immer am Wochenende mit meiner Mutter solche Filme im Fernsehen gesehen habe, dachte ich lange Zeit, ich kenne das meiste aus diesem Genre. Aber immer häufiger stelle ich fest, dass die Auswahl im deutschen Fernsehen eine eindeutig beschränkte war, und gerade die älteren Screwballs offenbar nicht gezeigt wurden. So hatte ich bis vor zwei Jahren nie Bringing up Baby (Leoparden küsst man nicht) gesehen und diesen kannte ich auch nicht.

Spritzig und witzig, für die Zeit sehr freizügig gedacht, hat der Film mit Barbara Stanwyck und Henry Fonda viel Spaß gemacht, nur das Ende kam als Auflösung so unvermittelt und unerklärt, dass wir uns danach gefragt haben, ob ein zu plumper Studioschneider hier am Werk war und ob es damals wohl auch schon Director’s Cuts gab…

Das Essen war simpel, aber gut. Das Bärlauch-Mandel-Pesto wollte aufgebraucht werden, und so gab es das klassisch über die Pasta, Salat dazu und Panna Cotta mit Orangenragout zum Nachtisch.

Ein neues Motto wurde auch gezogen, dieses Mal war ich die Glückliche, deren Vorgabe nun für die nächsten drei Wochen gilt: „Familienfest“. Auch dies eher eine leicht zu erfüllende Aufgabe.

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Ich habe an Muriels Hochzeit gedacht, mich aber dann doch für einen Film entschieden, den ich schon bei mehreren Filmabenden in die engere Wahl gezogen, aber nicht gezeigt hatte. Ich habe ihn 2005 im Kino verpasst und will ihn seither gern sehen. Auch deshalb weil mir Zeitgeschichte über einen Film – oder Literatur – häufig zugänglicher wird als über angeblich objektive Argumentationen der einen oder anderen Seite.

Die syrische Braut Mona heiratet von den von Israel annektierten Golan-Höhen aus nach Syrien. Eine durch die drusische Familie arrangierte Heirat, den Bräutigam, einen syrischen Komödianten, kennt sie nur vom Fernsehen. Die Grenzüberschreitung bedeutet, dass sie ihre Familie vermutlich nie wiedersehen wird, weil ihr Israel mit syrischem Pass die Einreise und Syrien die Ausreise verweigern werden.

Die sowieso absurde Situation eskaliert beim eigentlichen Hochzeitsakt an einem unwirtlichen Grenzstreifen, wo die Bürokratien der verfeindeten Staatsmächte drohen, die Hochzeit an der Grenze scheitern lassen.

Die Braut selbst passt über weite Teile des Films in ihrem weißen Hochzeitskleid mit dem roten Brautstrauß in der Hand nicht ins Bild, nicht in die staubig-karge Landschaft. Im Gegensatz zu anderen, mehr ausgearbeiteten Figuren im Film agiert sie als Symbol: für die Zerrissenheit der konservativen patriarchalischen Gesellschaft, aus der sie kommt, in der sich der Vater vom Sohn abwenden muss, weil jener aus der Gemeinschaft geflüchtet ist und in der gleichzeitig die mittelalte Schwester gegen den Willen des Ehemannes einen Studienplatz in Haifa beantragt; für die Zerrissenheit der politischen Situation und zuletzt für die Zerrissenheit ihrer persönlichen Situation, in der die klassisch arrangierte Heirat gleichzeitig Flucht aus der Enge des drusischen Dorfs wie auch den Verlust von Schutz und Wärme durch die Familie bedeutet.

Alles in allem: ein großartiger Film, der keine einzige einfache Antwort gibt, der wenig Partei ergreift, außer vielleicht für diejenigen, die selbst bestimmen wollen, wann sie wohin gehen. Und der ein Gefühl dafür vermittelt, wie verfahren und unauflösbar die Situation in jenem Teil der Welt tatsächlich ist.

Das Essen an jenem Abend war dafür unspektakulär, aber effektiv: Spinatstrudel aus Blätterteig und Salat; Eis von Ben&Jerrys. Darf auch mal sein.

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Unsere neue Staffel mit neuem Auswahlsystem hat begonnen. Und wie erwartet, hat der Mann keine Massenware geboten, keinen Mainstream, zumindest nicht, was den Bekanntheitsgrad des Films hierzulande angeht.

Le Chant des Mariées (The Wedding Song) handelt von der selbstverständlichen Freundschaft zwischen einem arabischen und einem jüdischen Mädchen 1942 in Tunesien und dem Verlust dieser Selbstverständlichkeit. Es bestehen Vorurteile und Ablehnung auf beiden Seiten in der Gesellschaft, das scheint zum Alltag zu gehören und alle leben halt so damit.

Zu hervorragendem Brennmaterial wird das Ganze als von den deutschen nationalsozialistischen Besatzern Hass und Gewalt gegen die jüdische Bevölkerung geschürt werden. Die Freundschaft wird in Frage gestellt, die jeweiligen Verlobten stehen für die Ablehnung des jeweils anderen, für die damit verbundenen Stereotypen und für Kollaboration und Verrat.

Die Machart des Filmes ist keine ungewöhnliche – insofern dann doch wieder Mainstream -, der liebe Freund fand ihn teilweise zu prätenziös oder gewollt an manchen Stellen, nicht zuletzt mit Blick auf die Verwendung von Nina Hagen-Songs.

In einer detaillierten Analyse würde vielleicht noch so manche Schwäche erkannt werden, aber wozu? Der Film hält hervorragend die Spannung, ohne dass viel geschehen muss. Er handelt von einem konkreten historischen Thema, von dem ich nicht viel Ahnung habe – der nationalsozialistische Einfluss in Nordafrika und der Kollaboration von Antisemiten verschiedenster Coleur ebenso wie von der Geschichte Tunesiens, von der ich auch so gut wie gar nichts weiß. Gleichzeitig berührt er ein universelles Thema, die nicht auf Islam und Judentum beschränkte Schwierigkeit einer multikulturellen, multireligiösen, multinationalen Gesellschaft und den innewohnenden Dynamiken, Beziehungen und daraus entstehenden Konflikten.

Ich würde sagen: es ist ein guter Film, ein interessanter Film und ich freue mich, ihn gesehen zu haben. Nächste Woche bin ich dran. Zum selben Motto.

Beim Essen ist der Frühling in unsere Küche gezogen. Es gab Pasta mit Erbsen und Artischoken aus einem meiner neuen Lieblingskochbücher. Doch darum muss es woanders gehen, sonst wird es der Worte zu viel.

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