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Posts Tagged ‘Wer bei der Reichsbahn war’

Gestern war es anders. Gestern sind wir in den Genuss gekommen einen Film zu sehen, der noch gar nicht offiziell zu haben ist. Da stimmt ja auch irgendwas mit der Helligkeit nicht. Angeblich. Und irgendwas anderes muss auch nochmal austariert werden, das ist beim zweimaligen Export von HD zu DV und dann nochmal zu DVD nicht ganz gelungen. Oder verloren gegangen? Ich weiß es nicht mehr.

Gestern wurde mir bewusst, dass ich nur und ausschließlich Zuschauerin bin. Vom Filmemachen habe ich keine Ahnung, gar keine. Und auch das mit dem Export schreibe ich hin ohne einen blassen Schimmer, was er damit gemeint haben könnte, der eine Macher des Filmes, Detlef Fluch. Aber ich kann zuhören und wiedergeben und das hat er eben so gesagt, wahrscheinlich in der Hoffnung, dass wenigstens einer dieser Filmfans versteht, wovon die Rede ist. Ich wäre mir da nicht so sicher, aber ich finde, das macht nichts. Die einen machen die Filme, die anderen schauen sie sich an. Dass es Überschneidungen dieser Gruppen gibt, ist klar, nur gestern wohl eher nicht.

Aber worauf ich hinaus will: wir durften gestern auf Grund freundschaftlicher Verbindungen die wunderbare Dokumentation Wer bei der Reichsbahn war, war ein roter Hund von Ines De Nil und Detlef Fluch sehen, deren Helligkeits- und sonstige Problematik ich übrigens vernachlässigenswert fand. Natürlich auch, weil ich zu dankbar war, den Film schon sehen zu können, bevor er wirklich fertig ist.

Denn es ist ein Film zu einer wirklich ungewöhnlichen Geschichte, nämlich der des Reichsbahnausbesserungswerkes Tempelhof bzw. der Menschen, die dort gearbeitet haben. Die aus Westberlin kamen und bei der DDR-eigenen Reichsbahn tätig waren. Weil es dort Jobs gab, die sonst nicht verfügbar waren. Weil auch ein Mädchen Elektrikerin werden konnte. Weil man sympathisiert hat, eventuell Mitglied einer kommunistischen Vereinigung war. Weil man Eisenbahner sein wollte, wie der Vater schon.

Was für ein Konstrukt: entlohnt in Westmark, versichert und organisiert in DDR-Strukturen. Die ärztliche Betreuung geschah durch medizinisches Personal aus Ost und West in der Reichsbahn-eigenen Poliklinik am Schöneberger Ufer. Nur abends oder am Wochenende konnten Westberliner Einrichtungen in Anspruch genommen werden. Eine am Wochenende notwendig gewordene Blinddarm-OP kostete die DDR knapp 4000 DMark – auszuzahlen ans Krankenhaus Moabit. Verrückte Geschichten.

Mit der Wende wurde abgewickelt, ziemlich schnell. Der Ton änderte sich. Manche blieben bei der Bahn, manche sind danach ‚durchs Raster gefallen‘, wie die gelernte Elektrikerin, für die der Westen im Männerberuf wohl keinen Platz mehr finden konnte, wollte. Es ist alles anders geworden, die ‚Familie‘ der Eisenbahner gibt es so nicht mehr, der Druck ist höher, die Atmosphäre kälter, die Schichtarbeit hart. Alles, was DDR war musste weg. Sofort.

Ansehen kann man sich zumindest das Gelände, wenn man mit der S-Bahn zum Priesterweg fährt. Der Spaziergang zum Südkreuz soll ein schöner sein. Sagt Detlef Fluch. Ansehen sollte man sich auch die Doku, wenn man mal dazu Gelegenheit hat. Gibt ja nicht so viele gut erzählte Geschichten.

Gegessen wurde auch, aber dazu ein andermal.

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